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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Gestern und heute im Dialog

Eine berührende Ausstellung mit starken sinnlichen Eindrücken zeigt das Kolumba-Museum des Erzbistums Köln.

Über den Ruinen der spätgotischen Kirche St. Kolumba in Köln erhebt sich seit zwei Jahren ein ungewöhnlicher Museumsbau: Dem ursprünglichen Grundriss nahtlos eingefügt überspannt eine luftige Halle ein Areal, das neben dem alten Kirchenboden auch die Schichten darunter integriert.

Reste römischer Wohnbebauung, Spuren einer karolingischen Saalkirche, romanische Bögen: Der ganze Bodensatz der reichhaltigen Besiedlung Kölns bilden das Fundament für den modernen, vielfach hoch gelobten Museumsbau, der auf schlanken, hohen Stützen steht.


Auch ein Ort der Selbsterfahrung

Die Außenwand ist eine licht- und luftdurchlässige Haut, die zugleich die Stadt mit ihren Gerüchen und Geräuschen hineinlässt, sich aber auch gleichzeitig gegen das Außen abgrenzt. Als Geräuschteppich hören wir den Klang vieler Tauben, die einst in der Ruine lebten und deren Stimmen vom Künstler Bill Fontana 1994 aufgezeichnet wurden und nun als Klangskulptur über 24 Lautsprecher den Raum füllen. Auch hier begegnen wir der Grundidee Kolumbas: der Durchdringung von Vergangenem mit Heutigem.

Einmal jährlich im September wechselt Kolumba seine Ausstellung. Alte Kunst mischt sich mit neuer und entwickelt so Räume für assoziative Gedanken. Ein Heft führt durch die Ausstellung mit Erläuterungen zu den Bildern und Ausstellungsgegenständen. Kein Schild an der Wand lenkt von Bild oder Objekt ab, und dennoch kann derjenige, der möchte, zusätzliche Informationen nachlesen.

Die Kunstgegenstände in Kolumba haben bei aller Unterschiedlichkeit eines gemeinsam: Sie sind im weitesten Sinn dem christlichen Glauben verpflichtet. Der Zusammenhang ist aber so weit gefasst, dass man eher von einem Grundthema sprechen sollte: die soziale Verantwortung des Menschen.


Das Museum als begehbares Kunstobjekt

Die Innenarchitektur des Museums setzt starke Akzente und ist als eigenständiger (Kunst-)Raum zu verstehen und zu erfahren. Die glatten Betonmauern vermitteln ein Gefühl von Weite, und die einfachen ledernen Sitzmöbel bleiben unaufdringlich. Auf diese Weise gewinnt das Spiel von Licht und Schatten besondere Aufmerksamkeit. Schließlich verändert sich der Lichteinfall im Verlauf des Tages und schafft so stetig neue Stimmungen.

Bemerkenswert ist auch eine steile, lang gezogene Treppe, die man hochsteigen kann und an deren Ende dem Betrachter helles Licht entgegenleuchtet. Was dieses Erlebnis in uns auslöst, darauf findet jeder seine sehr persönliche Antwort. Überhaupt das Licht: Lichtdurchflutete Räume mit Fenstern bis auf den Boden und der Blick auf den Kölner Dom wechseln sich ab mit mystisch anmutenden, im Dämmerlicht liegenden Raumfluchten. Zwischen all dem warten viele Kunstwerke darauf bedacht, betrachtet zu werden.


Miteinander statt nebeneinander

Da ist etwa der Film »Im stillen Teichen lauern Krokodile« von Marcel Odenbach zu nennen. Gleich hier zeigt sich, wie feinfühlig inhaltliche starke Aussagen in sinnlichen Formen ihren Ausdruck finden.

Obschon Odenbach den Genozid in Ruanda thematisiert, beschränkt er sich nicht auf die reine politische Anklage, sondern führt uns auch die menschliche Tragödie vor Augen. Wenn beispielsweise Kinder den Mund aufreißen zum stummen Schrei, lässt uns unsere Fantasie diesen Schrei viel intensiver erleben und macht das Ausmaß der Vernichtung und ihre Sinnlosigkeit in unserer Vorstellung noch spürbarer. Von einem Zeitungsartikel hätten wir uns vielleicht abgewandt. Hier bleiben wir stehen.

»Dialoge« zwischen damals und heute pflegen unter anderem die hellen Filzobjekte mit schwarzer Zeichnung von Eduardo Chillida, die der Pringsdorfer Muttergottes aus dem zwölften Jahrhundert gegenüberstehen, sowie der sich sinnlich zart wölbende Leib eines alten Elfenbeinkruzifixes einerseits und die zarten rosa Rückenakte im Künstlerbuch von Herbert Falken andererseits.

Im Leseraum mit seinen großen Fenstern und den gemütlichen Ledersesseln kann in behaglicher Atmosphäre in Büchern gestöbert und nachgelesen werden. Manch einer nutzt aber auch nur die Ruhe und angenehme Stimmung. Mit dem Kolumba-Museum ist ein eindrucksvolles Kunstprojekt gelungen, das den Menschen mit all seinen Sinnen anspricht und ernst nimmt.

bth

Tipp:
Sankt Kolumba

Die größte Pfarrgemeinde der mittelalterlichen Stadt zählte zeitweilig bis zu 10000 Gemeindemitglieder und verdankt ihren Namen der Heiligen Kolumba, die im dritten Jahrhundert der Christenverfolgung zum Opfer fiel. Erste Bestrebungen, die Anlage als Museum zu nutzen, gehen auf das 1853 zurück, als der »Christliche Kunstverein für das Erzbistum Köln« gegründet wurde.

Weitere Infos unter www.kolumba.de

Das Spiel von Licht und Schatten begleitet den besucher durch das außergewöhnliche Museum.