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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Geflügelte Worte und spaßige Sprüche Sprüche

Sprichwörter und Redewendungen

Tag für Tag liegen sie uns auf der Zunge: Redensarten und Sprichwörter für alle Lebenslagen. Doch verstehen wir immer ganz und gar, was wir da gerade sagen?

 Böhmische Dörfer, die einem so spanisch vorkommen, dass der Hund in der Pfanne verrückt wird … Wütende Berserker, blaue Montage, Bretter vor dem Kopf und Frösche im Hals … Wer hat sich das bloß alles ausgedacht? Auf der Suche nach dem Ursprung weit verbreiteter Redewendungen kann es kuriose Überraschungen geben! Was etwa haben Klöße, Fett oder Blumen mit unserem Reden und Begreifen zu tun?

Für diejenigen, die gern mehr als „immer nur Bahnhof verstehen“ möchten, wenn sie solchen bildreichen Sprachkunstwerken begegnen, bringt mein coop magazin ab jetzt Ausgabe für Ausgabe etwas Licht in die oft recht dunklen Bedeutungshintergründe.

Alles klar wie Kloßbrühe!?
Wenn zum Beispiel jemand sagt: „Das ist doch klar wie Kloßbrühe!“, dann kann man schon etwas ins Grübeln kommen. War das ironisch gemeint? Ist Kloßbrühe nicht eine eher trübe Flüssigkeit? Na ja, aber Erbseneintopf oder Spargelcremesuppe sind eindeutig schwerer zu „durchschauen“ als Brühe. Also ist damit wohl doch gemeint: „Das versteht sich von selbst, ist doch gar nicht kompliziert!“
Es sind die Klöße, die die Sache eben doch verkomplizieren. Sie haben sich nämlich erst im Laufe der Zeit in diese Redewendung eingeschlichen. Laut „Lexikon der populären Sprachirrtümer“ jedenfalls müsste es korrekterweise heißen: „Das ist doch klar wie Klosterbrühe!“ Denn diese Nahrung der asketischen Mönche (die übrigens ohne Fleischklöße zubereitet wird) hatte früher tatsächlich ganz dünn und klar zu sein. Ganz durchsichtig also – und damit zweifelsfrei?

Durch die Blume gesprochen – ganz unverblümt!
Wer kennt das nicht: Jemand drückt sich so blumenreich aus, dass Ihnen davon ganz blümerant zumute wird! Wer etwas durch die Blume sagt, der versucht – oft in bildhaft-symbolischen Andeutungen – einem anderen eine unerfreuliche Wahrheit möglichst schonend beizubringen oder behutsam und freundlich Kritik zu üben. Schon in der antiken Rhetorik war das Blümlein (lat. flosculus) ein Gewächs der schönen und verhüllenden Rede, dessen Ableger unsere heutige „Floskel“ ist.
Doch auch ganz konkret – und völlig stillschweigend! – lassen wir noch heute die Blumen für uns sprechen: Wer eine rote Rose verschenkt, der offenbart damit seine Liebe, ohne die drei Worte aussprechen zu müssen, die manchem so schwer über die Lippen kommen ... Gelbe Rosen dagegen verteilt man eher unter Freunden. Und was könnte wohl mit einem Kaktus oder einer Distel gemeint sein? Sagt da vielleicht jemand ganz unverblümt – also ganz direkt und rücksichtslos –, dass er den anderen nicht leiden kann?

Die Goldwaage und das Fettnäpfchen
Wer nicht ins Fettnäpfchen treten will, sollte seine Worte (und auch seine Kakteen!) also lieber auf die Goldwaage legen. Denn dieses feine und empfindliche Gerät prüft sehr genau, ob sie auch wirklich richtig gewählt sind – oder vielleicht eher eine unbeabsichtigte Wirkung erzielen könnten. Eine entsprechende Empfehlung dazu stand schon im circa 180 v. Chr. verfassten Buch Jesus Sirach (28, 25): „Dein Silber und Gold verwahrst du abgewogen, mach auch für deine Worte Waage und Gewicht!“

Das Fettnäpfchen dagegen stammt wahrscheinlich aus dem Erzgebirge. Hier nämlich standen in den Bauernhäusern früher tatsächlich echte Näpfchen mit Fett zwischen Haustür und Ofen, damit die draußen vielleicht nass gewordenen Stiefel der Bewohner oder Besucher gefettet, geschützt und gepflegt werden konnten. Doch wer versehentlich in diese Näpfchen trat oder sie umkippte, verteilte schmierige Fettflecken auf dem Dielenboden – und zog sich dadurch den Zorn der Hausfrau zu, die das ja alles wieder wegputzen musste!

Von der Hand in den Mund
Rund um dem Mund gibt es eine Vielzahl sehr anschaulicher Bilder, die beschreiben, wie wir miteinander reden: Man kann ihn sich fusselig reden oder verbrennen, nicht verbieten lassen oder ein Blatt davor nehmen, anderen Menschen darüberfahren oder ihnen die Worte darin verdrehen. Doch wenn jemand mundtot gemacht wird, dann hat das vom Ursprung her längst nicht nur mit unserem Sprechorgan zu tun.
Das mittelhochdeutsche Wort „munt“ bezeichnete nämlich zugleich auch die Hand, die früher als Symbol der Macht und Schutzgewalt galt, wie sie auch heute noch ein Vormund hat. Umschreibend wurde damit zudem auch die Person als Ganzes bezeichnet. Wer „munttot“ gemacht wurde, wurde also nicht nur zum Schweigen, sondern gleich komplett um seine persönliche Macht gebracht, also „entmündigt“. mimu

Illustrationen: Gerrit Hansen (3)