Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
Meine Gesundheitsapotheke
Geduld bringt den Sieg
Dieser Meinung ist zumindest der bekannte iranische Schriftsteller Mahmud Doulatabadi, dessen Werke regelmäßig von der Zensurbehörde des Landes vor der Publikation zurückgehalten werden.
Mahmud Doulatabadi gilt als bedeutendster Vertreter der zeitgenössischen persischen Prosa. Für sein aktuelles Werk »Der Colonel« hat er sich fast ein Vierteljahrhundert Zeit genommen, um es zu vollenden. Auch dieses Buch wurde in seinem Heimatland nicht veröffentlicht.
Die Revolution und ihre Folgen
In seinem Roman »Der Colonel« zeichnet Doulatabadi anhand einer Familiengeschichte, die vor, während und nach der islamischen Revolution spielt, ein düsteres Bild seines Landes. Die Revolution, die 1979 die Absetzung des Schahs Mohammad Reza Pahlavi zur Folge hatte, ließ zunächst noch auf einen Neuanfang hoffen.
Laut Doulatabadi war die Schahregierung eine Tragödie, die nun durch eine andere Form von Unfreiheit ersetzt wurde. Dennoch ist er, genau wie die Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi, nicht bereit, sein Land zu verlassen. Beide wollen trotz zahlreicher Widerstände dafür eintreten, die Wunden ihres Landes zu heilen.
Der Preis der Unabhängigkeit
Obwohl der 1940 geborene Schriftsteller kein politischer Aktivist ist, wurde er 1975 mitten in einer Theateraufführung von der Polizei von der Bühne geholt und aus angeblich politischen Gründen für zwei Jahre hinter Gitter gebracht. 1986 wurde ihm dann seine Professur an der Universität entzogen.
Die Geduld Doulatabadis scheint sich aber letzten Endes auszuzahlen, denn er erhielt den Literaturpreis »20 Jahre iranischer Roman«, der von der Regierung in Teheran verliehen wird. In seiner Erklärung teilte er mit, dieser Preis sei »ein Zeichen für die Entfaltung der Freiheit und Vernunft, der individuellen und gesellschaftlichen Rechte, der Ablehnung und Abwehr von Gewalt«. Die Preissumme widmete er den Familien der ermordeten Schriftsteller Mokhtari und Pujandeh – »den Opfern der Gedanken-, Schreib- und Redefreiheit«.kk
Tipp:
Doulatabadi auf der Buchmesse
Am 14.10.2009 können Interessierte M. Doulatabadi auf der Frankfurter Buchmesse erleben, in einer Gesprächsrunde zusammen mit Amir Hassan Cheheltan (Iran) und Katajun Amirpur (Köln) über das Thema »Unangenehme Wahrheiten - geschönte Wirklichkeit. Medienpolitik und Gegenöffentlichkeit«. Moderation: Dieter Weirich. Internationales Zentrum, 11:00 Uhr




