Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Feuer und Flamme ...
... für den Beruf
Der Beruf des Feuerwehrmanns ist ein Traum vieler Kinder und Jugendlicher. Die Jungen denken wohl zuerst an das Fahren auf einem sirenenheulenden roten Feuerwehrzug. Die Anforderungen an diesen Beruf beinhalten aber weit mehr.
Und für alle Bürger ist es einfach selbstverständlich: Die Feuerwehrleute eilen im Notfall schnell zur Hilfe.
Wir wollten sehen, wer den edlen Dienst für die Öffentlichkeit versieht. Stellvertretend für die Rund um die Uhr in Bereitschaft stehenden Helfer haben wir der Berufsfeuerwehr in Neumünster einen Besuch abgestattet. Stephan Hofer, technischer Sachgebietsleiter und Wachabteilungsleiter der 2. Wache bei der Berufsfeuerwehr Neumünster, nahm uns in Empfang. Keine Frage, er verkörpert den Prototyp eines Feuerwehrmannes, wie er im Buche steht. Markig, ehrlich direkt und von der Statur her so wirkend, als wäre es seine Aufgabe, herunterstürzende Dachbalken alleine wieder hochzuwuchten.
Ein Beruf, auf den alle brennen
Stephan Hofer ist schon lange dabei. Vermutlich nicht so lange wie das Inventar in dem von ihm liebevoll als Büro bezeichneten Raum. „Das ist bald wieder in“, witzelt er. Seit 1989 ist der gelernte Gebäudereiniger hauptberuflich Feuerwehrmann. Davor war er 6 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig.
Für ihn hat sich der Kindheits-/Jugendtraum erfüllt. Apropos: Bewerber dürfen bis zu 30 Jahre alt sein. Wer dann noch einen guten Hauptschulabschluss und eine abgeschlossene handwerkliche oder technische Ausbildung mitbringt, muss nach einem Vorstellungsgespräch nur noch die theoretischen Prüfungen (Deutsch, Mathe, Physik), den Sporttest und eine ärztliche Untersuchung bestehen. Helden per Quereinstieg, wenn man so möchte. Zu dem Gebäudereiniger gesellen sich in Neumünster übrigens auch gelernte Bäcker, Schneider und weitere Handwerksberufe.
Die roten Engel
Wer es geschafft hat, lässt sich auf einen Knochenjob ein. Auch wenn erst kürzlich ein EU-Urteil eine 48-Stunden-Woche vorgegeben hat, so ist man hierzulande 56 Stunden die Woche im Einsatz. Das übersteigt sogar die von der Landesgesetzgebung festgelegte Zeit um 2 Stunden. Anders wäre einfach nicht genügend Personal vorhanden, um eine Wache adäquat zu besetzen. 10 Mann sind ständig präsent. Und auch so schon wird es dem Einsatzleiter bange, wenn er zwei seiner Leute abstellen muss, um eine Katze vom Baum zu holen. Immer darauf hoffend, dass nicht genau in der Zeit ein Großbrand gemeldet wird. Die Arbeit der Feuerwehr umfasst weit mehr als nur Lösch-Einsätze.
Die angesprochene Katze auf dem Baum fällt ebenso wie das Reh auf der Fahrbahn und ausgebüchste Tiere in den Aufgabenbereich. Technische Hilfeleistung und die Rettungsassistenz komplettieren das Spektrum des Berufsbildes Feuerwehrmann.
Einmal Hilfe rot-weiß, bitte!
Maximal 12 Minuten bis zum Einsatzort. So will es der Gesetzgeber. Stephan und sein Team sind schneller. Innerhalb von 4 – 6 Minuten sind sie zur Stelle. Im Ernstfall rückt ein Standardlöschzug, bestehend aus drei Großfahrzeugen und einem Einsatzleitwagen, aus. Nahezu jeder Einsatz findet in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr statt. Oberste Priorität hat dabei die Rettung von Menschenleben. Mit der 27 Meter langen Leiter erreicht man in Neumünster noch jedes Stockwerk. Bleibt immer noch die Frage, wie ein Brand bekämpft wird. Mit Feuer sicher nicht! Mit Wasser meistens, außer bei Flüssigkeitsbränden! In solchen Fällen greift man auf Löschpulver zurück. Und mit CO2-Handlöschern rettet man einzelne Gegenstände, wenn man nicht einen ganzen Raum ruinieren will! Gelegentlich lässt man Brandabschnitte auch kontrolliert ausbrennen. So manches Mal rückt die Feuerwehr leider auch umsonst aus. Stephan hat eine passende Anekdote parat. Einmal meldete eine Frau eine nicht ansprechbare Person in ihrer Wohnung. Dies bedeutet im Feuerwehrjargon, es handelt sich um eine tote oder reanimationsbedürftige Person. Was war los? Bei Eintreffen der Feuerwehr lotste die Frau die Helfer ins Wohnzimmer: „Schnell, mein Mann spricht nicht mehr mit mir.“ Der Mann saß wohlauf vor dem Fernseher und schaute womöglich die Sportschau. Und auch wenn die Helfer in der Not vielseitig geschult sind, Eheberatung gehört nicht zum Programm.
Eher Berufung als Beruf
Der Frage, ob er selbst schon in lebensbedrohlichen Situationen steckte, schickt Stephan vorweg, dass von beispielsweise einem völlig verqualmten Lagerkeller mehr Gefahr ausgehe als von den im TV gezeigten spektakulären Großbränden. Anschließend vollendet er den Satz mit einem entschiedenen: „Ja.“ Obwohl man sich dessen erst hinterher bewusst wird. Eine Feuerwalze, wie sie im Film „Backdraft“ so schön inszeniert wurde, sieht im echten Leben anders aus. Nämlich überhaupt nicht. Von Glück reden kann, wer sie kommen spürt. Hier spricht der Feuerwehrmann von einem „Flash-over“ oder von einer Durchzündung des Rauches. Da schmeißt man sich einfach hin, lässt es über sich hinwegziehen und freut sich später nur, die Situation heil überstanden zu haben.
So, für mich hat sich der Traum an dieser Stelle ausgeträumt. Ganz ausgeträumt? Fast. Ein Mal in meinem Leben möchte ich an der mittlerweile außer Dienst gestellten Feuerwehrstange herunterrutschen. Aber erst, nachdem der Wäschekorb darunter entfernt wurde.
ath









