Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Einfach mal blaumachen!
Sprichwörter und Redewendungen
Täglich liegen sie uns auf der Zunge: Kluge Redensarten für alle Lebenslagen. Doch wissen wir immer so ganz genau, was wir da gerade sagen?
Umfragen haben ergeben, dass Blau die Lieblingsfarbe der meisten Deutschen ist. Und das schlägt sich auch sprichwörtlich nieder.
Vieles von dem, was wir ins Blaue reden, scheint irgendwie ursächlich miteinander zusammenzuhängen: Wer beispielsweise am Wochenende ziemlich blau war, der legt besonders gern einen blauen Montag ein und nimmt sich arbeitsfrei. Er macht also blau. Warum nicht schwarz oder gelb?
Die Schnapsfarbe
Einer verbreiteten (jedoch nicht hundertprozentig gesicherten) „Übersetzung“ nach verdanken wir den farblichen Zusammenhang zwischen Alkohol und Auszeit tatsächlich ganz professionellen Blaumachern, nämlich der Färberzunft des Mittelalters.
Blau gewann man damals aus der weitgereisten Indigo- oder der einheimischen Waidpflanze. Um den Farbstoff herauszulösen, mussten die Pflanzen zunächst in einer Flüssigkeit mit einem speziellen pH-Wert „gären“. Diese von den Färbern selbst hergestellte Flüssigkeit war unappetitlicherweise Urin.
Die Erfahrung nun hatte gezeigt, dass sich die besten Farbresultate mit dem Urin derjenigen erzielen ließen, die vorher reichlich Alkohol getrunken hatten. Und so gehörte es ganz unmittelbar zum Färberhandwerk dazu, blau zu sein, wenn Blau gemacht wurde. Viel mehr ließ sich in diesem Zustand dann natürlich nicht beschicken.
Die Farbe der Faulheit
Auch die weiteren Stadien des Blaufärbens waren eine recht entspannte Angelegenheit: Der Stoff musste lange eingeweicht werden, bis er Farbe annahm; und wenn er schließlich aus der streng riechenden Brühe gezogen wurde, war er immer noch nicht blau. Zu seiner endgültigen Farbe kam er erst, wenn er in der Sonne getrocknet wurde. Beim Blaumachen waren also alle Bottiche und Trockengestelle für längere Zeit belegt. Die Färbergesellen konnten sich wirklich nur dem süßen Nichtstun hingeben.
Die Montagsfarbe
Warum aber ausgerechnet der Montag ein blauer Tag ist, das erklären uns die Färber nicht. Diese Eintönung leitet sich wahrscheinlich vom christlichen Fastenmontag ab, an dem die Kirchen mit Tüchern in der liturgischen Farbe Blau geschmückt waren und alle Handwerker ganz offiziell arbeitsfrei
hatten.
mimu





