Artikel rund um das Thema Reisen und Kultur

 
Sie sind hier: Reise & Kultur / Artikel
Donnerstag, 24. Mai 2012
...

Eine Spirale der Gewalt

DVD-Tipp

Mit »Battle for Haditha« gibt Regisseur Nick Broomfield einen Einblick in die Gewalt, die derzeit im Irak herrscht.

Mittlerweile rufen die Neuigkeiten aus dem Irak, in denen stets von Anschlägen, Verletzten und Toten die Rede ist, in den allabendlichen Nachrichten kaum noch eine Regung bei den Zuschauern hervor. Zu fern und schon zu lang scheint das Geschehen sich hinzuziehen – ohne wirkliche Aussicht auf ein Ende in Frieden.

Der Irak-Krieg, der all dem vorausging, dauerte offiziell nur wenige Wochen. Ein inszenierter »Präventivkrieg« ohne offizielle Kriegserklärung und unter Vortäuschung einer Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen, die es im Irak nachweislich nicht gegeben hat. Ein Krieg, der die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten zu einer »Koalition der Willigen« vereinte. Und ein Krieg, der gemäß der UN-Charta völkerrechtlich unzulässig war.

Ohne Ende
Der Sieg der von den USA geführten Koalition hatte aber keine Einstellung der Kampfhandlung zur Folge; vielmehr ist der Irak seitdem Schauplatz von Gewalt, Chaos und bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Verschiedene Gruppierungen, wie ehemalige Anhänger Saddam Husseins und der Baath-Partei, sunnitische Araber, Schiiten und islamistische Extremisten, die sich teilweise dem Netzwerk der al-Qaida angeschlossen haben, bekämpfen die Soldaten der Koalition und auch sich untereinander. Ein Ende all dieser Kampfhandlungen, geschweige denn ein Wiederaufbau des Iraks, ist noch lange nicht in Sicht – umso weniger, als der Abzug der US-Truppen nach jüngstem Beschluss erst 2011 abgeschlossen sein soll.

Dazwischen die Zivilbevölkerung
Nick Broomfield zeigt mit diesem Film ein Puzzlestück dieser Spirale aus Terror und Gewalt. Al-Haditha ist eine Ansiedlung, etwa 250 Kilometer von Bagdad entfernt. Seit dem Fall Saddam Husseins ist sie immer wieder zum Schauplatz gewalttätiger Auseinandersetzungen mit lokalen Rebellengruppen geworden. Als jedoch am 19. November 2005 ein Lance Corporal bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi der US-Streitkräfte getötet wird, eskaliert die Situation. Während einer brutalen Vergeltungsaktion töten aufgebrachte US Marines 24 irakische Zivilisten, darunter zahlreiche Frauen und Kinder.

Nick Broomfield greift in wütenden, schonungslosen Bildern die Vorfälle von Al-Haditha auf, die im Nachhinein von der Menschenrechtsgruppe »Human Rights Watch« als das wahrscheinlich schlimmste Kriegsverbrechen im Irak eingestuft wurden.

kh

Fotos: Kinowelt