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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Eine Perle des Nordens

Ein Hauch Sankt Petersburg, gemischt mit viel Grün: Helsinki.

Nur vier Stunden für Helsinki … und das im Juni, am Wochenende vor Mittsommernacht, wenn die hellen Nächte am schönsten sind. Wenig Zeit für eine Metropole dieses Schlags, aber wir wollen wenigstens einen kurzen Eindruck von Finnlands Hauptstadt bekommen.

Wir finden einen Parkplatz am nördlichen Zentrumsrand und nähern uns zu Fuß dem Zentrum. In aller Eile haben wir uns für eine kleine Route entschieden, die wenigstens einige der Höhepunkte Helsinkis umfasst. Bereits auf dem Weg merken wir, dass die City viel internationales Flair ausstrahlt.

Ein Blick über die Dächer
Unser erstes Ziel ist das Senatsviertel. Plötzlich ändert sich die Architektur, wird breit und herrschaftlich. Der neoklassizistisch angelegte Bezirk mündet in den wichtigsten Platz der Stadt, über dem mächtig das Wahrzeichen Helsinkis aufragt: Der Dom erstrahlt seit seiner jüngsten Renovierung in strahlendem Weiß und dominiert die Platzanlage, von der man über eine breite Treppe zu ihm aufsteigen kann. Innen überrascht uns der klare, nüchterne Raum mit seinem wenigen Interieur.
Wieder auf den großen Platz zurückgekehrt, nehmen wir Kurs auf den Hafen. Aber vorher sticht uns ein großer Backsteinbau mit goldenen Kuppeln ins Auge.

Über Treppen erklimmen wir den Hügel einer Halbinsel, auf der die Uspenski-Kathedrale liegt, die größte orthodoxe Kirche im westlichen Europa. Uns empfangen die Klänge gregorianischer Gesänge und die zauberhafte Atmosphäre der großen blauen Kuppel mit den goldenen Sternen. Die Ikonen der Ikonostase wirken fremd und feierlich, teilweise bestehen sie ganz aus getriebenem Metall und nur die Gesichter sind gemalt. Was für ein Unterschied zu dem kühlen, aufs Wesentliche konzentrierten Dom!

Wir setzen den Weg fort, den Blick bereits auf die vielen Schiffe und Masten gerichtet. Entlang des Wassers sind Marktstände aufgebaut. Was wollen wir mitnehmen?

Salatbesteck aus dem stark duftenden Wacholderholz? Die wunderschönen geschnitzten Holztassen mit den zwei Löchern für die Finger? Bernstein? Tücher mit Rentiermotiven oder Wollmützen? Die Entscheidung fällt schwer.

So schmeckt Helsinki
Die Vielfalt der Fische, der köstlichen kleinen Kuchen und Gebäcke, der karelischen Piroggen und des Rentierfleisches bringen unsere Mägen endgültig zum Knurren. Kurz überlegen wir, dem vom Bauhausstil beeinflussten Savoy einen Besuch abzustatten, entscheiden uns dann aber für den bekannten Chocolatier Karl Fazer. Seit 1891 existiert dieses Café an derselben Stelle. Dort können wir in den schönen, großzügigen Räumen zwischen verschiedenen Kaffeesorten und köstlichem Kuchen wählen.

Solcherart gestärkt brechen wir auf, um auch noch den im Jugendstil entworfenen Hauptbahnhof zu bewundern. Sogar die Innengestaltung hat die Zeit überdauert. Doch leider schreiten die Zeiger unserer Uhren rücksichtslos voran, und abermals sind wir gezwungen, unsere Wunschziele gegeneinander abzuwägen.

Machen wir einen Abstecher in einen der vielen Parks der Stadt oder versammeln wir uns lieber mit Ehrfurcht vor dem Denkmal des großen finnischen Komponisten Jean Sibelius? Ebenso denkbar wäre ein Ausflug ins Ateneum (es enthält die bedeutendste Kunstsammlung des Landes), das Museum für Architektur oder auch das Freilichtmuseum. Am Ende reicht es nur noch für ein paar Schritte und schweren Herzens sehen wir ein, dass vier Stunden für eine so beeindruckende Stadt einfach nicht reichen. Eines ist sicher: Wir müssen unbedingt wiederkommen – es gibt noch so viel mehr zu sehen!bth

Träumt Dichter Aleksis Kivi hier von einem Stück Brot, wie Bertolt Brecht vermutete?
Blickfang: der frisch renovierte Dom.
Viel Flair und noch mehr Geschäfte bietet Helsinkis Zentrum.
Fotos: Shutterstock (4), Tallink Silja (2)