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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Eine gesunde Einstellung

Fitness-Trainerin Susan Schröder über ihren Beruf, Aerobic und die Wandlung vom Sport-Saulus zum Sport-Paulus

Aerobic war nicht immer etwas für „Bodenständige“. In den 60er-Jahren stellte der US-amerikanische Arzt Kenneth H. Cooper erstmals ein aerobes Training für die Stärkung von Herz und Lunge vor. Dieses Training wurde eigens für die bemannte Raumfahrt entwickelt, da Menschen binnen kürzester Zeit mittels dieser Übungen ihre Leistungsfähigkeit steigern konnten. Seinen Höhenflug setzte Aerobic Anfang der 80er-Jahre – ganz ohne NASA – fort. Jane Fonda stieg auf zur Hohepriesterin einer Gemeinde, deren Reliquie das Stirnband und deren Zeremonienkleidung der Stretchanzug wurde.

Es war zu dieser Zeit, dass auch Susan Schröder „infiziert“ wurde. Bei einer Vorführung im Kieler Karstadt-Sporthaus war es um sie geschehen. Und heute treffe ich die Powerfrau im „Exercise“, ihrem eigenen Fitness-Studio in Kiel. Es ist noch nicht viel geredet, aber eine Menge ausgestrahlt. Ihren Lebenshunger merkt man Susan deutlich an.

Die bewegte Frau

Dabei hatte die 1962 im nordfriesischen Niebüll Geborene zunächst nicht viel für Sport übrig. Durch den Schulsport mühte sie sich, ohne die richtige Sportart für sich ausgemacht zu haben. Lediglich Leichtathletik im Sommer bot eine willkommene Abwechslung zum Turnen im Winter, das ihr bis zuletzt ein Gräuel blieb. Nach ihrer Schulzeit verschlug es die frisch gebackene Abiturientin 1982 nach Kiel, wo sie als Volontärin bei den „Kieler Nachrichten“ arbeitete und Literaturwissenschaft einhergehend mit Kunstgeschichte studierte. Damals noch mit der Vorstellung, vielleicht einmal bei der „Zeit“ im Feuilleton zu landen, aber die Zeit hatte eine andere Geschichte für sie vorgesehen. Als sich beim NDR die Chance bot, als freie Mitarbeiterin einzusteigen und den journalistischen Horizont um die Erfahrung Fernsehen zu erweitern, verabschiedete sie sich nach reiflicher Überlegung von ihrem Studium.
Kurz darauf verschlug es sie zum Pro 7-Vorläufer Eureka. Der Sender baute eine Redaktion in Schleswig-Holstein auf und war auf der Suche nach – wie sollte es auch anders sein – jungen engagierten Mitarbeitern mit Fernseherfahrung und nur mäßigem Interesse an monetären Ressourcen. Dort war sie maßgeblich am Aufbau der Redaktion beteiligt und erlebte mit der Barschel-Affäre 1987 ihren journalistischen Höhepunkt.

Die Wende

„Nach einöm ’ö’epunkt ist es schwerö, weitör zu machön“, witzelt sie mit französischem Akzent. Diese Erkenntnis habe Pierre Brice ihr einmal in einem Interview anvertraut. Und tatsächlich: Stets nach der auf politischer, menschlicher und kriminalistischer Ebene anspruchsvollen Aufgabe konnte Susan nicht mehr die Zufriedenheit aus ihrer Arbeit ziehen wie zuvor.
Es folgten zehn Jahre als Job-Globetrotter. Sie wechselte zu Sat.1 in Hamburg, von da aus zu RTL in Luxemburg und anschließend wieder zurück zum NDR nach Kiel. Parallel dazu entwickelte sich ein ganz anderes Interesse.

Seit Susan 1983 erstmals mit Aerobic in Berührung gekommen war, hatte sie der Sport mit seiner Dynamik und Athletik gepackt. Neben ihrer Arbeit fing sie an, Unterrichtsstunden in Fitness-Studios zu geben. Das lief damals noch sehr unkompliziert. Entweder man konnte Leute motivieren oder nicht. Mehr und mehr stellte Susan für sich fest, dass sie ihre Zufriedenheit aus den täglichen eineinhalb Stunden Sport und nicht aus den acht Stunden im Büro zog. Eigentlich hätte sie für ihren Hauptberuf zurückstecken müssen, aber dazu war sie nicht gewillt. Sie wollte einfach alles über diesen, ihren Sport in Erfahrung bringen. Und ihn weitervermitteln!

Ein Leben mit, für und von dem Sport

Die Trainerscheine, sowohl die B- als auch die A-Lizenz, hatte sie längst nachgeholt, da ging am 11. 1. 1999 für Susan ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Nach etlichen gebauten Luftschlössern und Partnern, die im letzten Moment doch kalte Füße bekamen, konnte sie sich mit ihrem eigenen Fitness-Studio „Exercise“ selbständig machen. In einer ehemaligen Autowerkstatt finden seither wöchentlich 54 Kursstunden statt. Versteht sich von selbst, dass die Chefin hier noch selbst „turnt“. 26 Stunden in der Woche ist sie aktiv.

Nur am Sonntag gönnt sie sich eine Pause, und auch das nicht konsequent. Die restlichen Stunden übernehmen andere qualifizierte TrainerInnen. Zum Programm zählen neben dem klassischen Aerobic auch Step Dance, Spinning, Pilates, „Rücken Vital“, „Bauch Total“ und weitere auf spezielle Wünsche zugeschnittene Kurse.

Wie etwa „Kraft Plus“, das sich die Steigerung der Alltagskraft zum Ziel setzt, oder das in Kooperation mit einer Hebamme entwickelte Programm „Mama Fit“. Susan verweist mit Stolz auf das Konzept, das einzige Fitness-Studio in Kiel zu sein, welches ganz ohne Kraftmaschinen auskommt. Einen Lieblingskurs hat sie dabei nicht. Sie will die Freude am Sport in jeder Stunde gleichermaßen vermitteln.
Und damit auch junge Mütter die Gelegenheit für ihren Sport haben, gibt es zu bestimmten Zeiten Kinderbetreuung im Hause.
Diäten einschränken

Susan kommt ins Strahlen, wenn sie über ihren Beruf redet. Das Miteinander mit Menschen, das Austoben in der Halle, sich um die Werbung oder die Lohnbuchhaltung zu kümmern, oder wenn anderweitige Angelegenheiten wie Reparaturen anstehen – Susan schätzt die Vielseitigkeit ihres Betätigungsfeldes. Nur auf das leidige Thema Diäten angesprochen verfinstert sich ihre Miene kurzzeitig. Denn von Letzteren hält Susan überhaupt nichts. Grob gesagt, stellt man seinen Körper mit einer Diät nur darauf ein, weniger Energie zu verbrauchen. Führt man ihm dann wieder mehr Kalorien zu, kommt es zum zweiten „Jo“ des Jo-Jo-Effektes. Vernünftiger ist es da, seinen Körper durch Sport auf einen höheren Energieverzehr einzustellen, und in seinen Ernährungsgewohnheiten umzudenken. Nicht weniger, anders essen ist das Stichwort.

Die Frage nach der eigenen Zukunft und ob dies denn nun wirklich endgültig ihre letzte Berufsstation sei, ringt Susan dann wieder ein Lächeln ab. Solange sie die Euphorie am Sport authentisch vermitteln könne, würde sie sich auch da-rüber keine Gedanken machen. Denn, wie alles in ihrem Leben, würde sich auch das ergeben.

Nun stünde erst mal eine Woche Urlaub an. Ob es wenigstens dort Entspannung unter der Kokospalme gäbe? Keine Chance, auch im Urlaub sucht sie die Action. Zum Snowboarden geht es. Aber wer weiß, vielleicht ist für jemanden, der sportlich derart aktiv ist, das Snowboarden nicht mehr als eine Entspannungsübung. Na dann, Hals- und Beinbruch! Aber nicht zu viel, schließlich muss das „Arbeitsmaterial“ geschont werden.

Weitere Informationen finden Sie unter www.exercise.de

ath

Fotos: Bevis