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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Ein tierisch gutes Heilverfahren

Interessante Berufe: Ausbilderin für Therapie- und Behindertenbegleithunde

Die Ausbildung von Therapie- und Behindertenbegleithunden ist die letzte in einer Reihe vieler Fähigkeiten, die Katharina Scholz in einem Zeitraum von über 17 Jahren erworben hat. Zwar hat sie gewisse Ähnlichkeiten mit der Figur des Dr. Dolittle, doch von „wenig tun“ (engl. „do“ = tun, „little“ = wenig) kann gar nicht die Rede sein.

Ein Leben lang lernen wir, heißt es, und das mag wohl auch stimmen. Doch ist mir bisher kaum jemand begegnet, auf den diese Weisheit so zutrifft wie auf die gebürtige Bremerhavenerin. Zunächst studierte sie Grundschulpädagogik, im Anschluss daran Kommunikationsdesign. Letzteres Studium kam ihr insbesondere für ihren „Pfoten-Treff“, ein Geschäft für Hunde- und Katzenbedarf, zugute. Was an Werbung anfiel, gestaltete sie kurzerhand selbst.

Zwischen 1992 und 1995 erweiterte sie erneut ihren Horizont mit einer Ausbildung zur Tierheilpraktikerin, Schwerpunkt Tierpsychologie. Doch da hört es nicht auf. In zwei weiteren Jahren eignete sie sich Methoden der klassischen Homöo­pathie an. Zuletzt nahm die Ausbildung zur Physiotherapeutin sie drei Jahre lang in Anspruch. Für sie ein wichtiger Schritt! Denn ohne das Wissen über die Krankheiten der Menschen und deren Auswirkungen, wollte sie die Ausbildung von Therapie- und Behindertenbegleithunden nicht in ihr Programm aufnehmen.

„90 % der Fehler macht der Mensch, nicht der Hund“
Seit 1980 hat Katharina eine eigene Hundeschule, in der sie sowohl Welpen-, Junghund- und Benimmkurse anbietet, als auch Kurse mit sportlichem Ausbildungsziel. Jedoch nicht auf Wettbewerbsniveau! Den Wunsch, die Tiere speziell auf den Gewinn von metallenen Regalfüllern abzurichten, hat sie nie verspürt. Ganz im Gegensatz zu den jüngst hinzugekommenen Kursen für Therapie- und Behindertenbegleithunde, auf die sich die heute 48-Jährige äußerst gewissenhaft vorbereitet hat.
Dieses Verantwortungsbewusstsein äußert sich auch in der Frage, wen Katharina für ihre Kurse aufnimmt. So testet sie nicht nur das Tier, sondern auch deren Besitzer im Vorfeld gründlich. Schlechte Karten hat, wer sich einfach nur über seinen qualifizierten Vierbeiner als Therapeut profilieren will. Mit Unverständnis reagiert sie auch auf Aussagen der Art, Hunde seien die „besseren Menschen“. Wer später mit einem Hund therapieren will, sollte Mensch wie Tier gleichermaßen lieben.

Wichtigste Voraussetzung für den Hund ist, dass er Menschen gegenüber absolut aggressionsfrei ist. Was das bedeutet, demonstriert Katharina im nächsten Moment anschaulich an Xena, einer ihrer eigenen Therapiehündinnen, die mit einer Engelsgeduld alles über sich ergehen lässt. Und um der Frage zuvorzukommen: Während dieses Interviews ist kein Tier zu Schaden gekommen! Ein weiteres Ausschlusskriterium sind gesundheitliche Einschränkungen, auf die sie die Tiere hin untersucht. Selbst wenn ein Hund nur im Affekt nach einem Menschen schnappt, weil er etwa unwissentlich an einer schmerzhaften Stelle angefasst wurde, ist er für eine Therapie nicht einsetzbar.

Das Prinzip macht langsam Schule
Wie alle tiergestützten Therapien, so muss auch die Hundetherapie um ihre Anerkennung kämpfen. Zwar werden Blindenführhunde seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ausgebildet, dennoch hinken wir auf diesem Gebiet weit hinterher. Erst mit Bekanntwerden und dem medialen Interesse an der Delfintherapie geriet auch die Hundetherapie plötzlich wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Während die Arbeit mit Hunden in den USA und auch bei unseren skandinavischen Nachbarn schon seit Jahrzehnten gang und gäbe ist, trägt hierzulande kaum eine Krankenkasse die Kosten dafür.
Doch finden sich auch unter anerkannten Ärzten zunehmend Befürworter dieser Therapieform. So erzielt zum Beispiel Frau Dr. med. Constance Bischet in ihrer Stralsunder Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie mit ihrem Whippet-Rüden Friedrich erstaunliche Erfolge. Die Anwendungsgebiete sind zahlreich. Autismus, ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom), Multiple Sklerose, Demenz und Depressionen sind nur einige der Krankheitsbilder, für die diese Behandlung infrage kommt. Dabei wird je nach Krankheit auf ein bestimmtes Ziel hingearbeitet. Im Falle von Depressionen zum Beispiel gilt es, den Patienten aus seiner Verbarrikadierung zu holen und ihn wieder neu zu motivieren.

Ein Doc auf vier Pfoten
Katharina selbst ist abwechselnd mit zwei Therapiehunden im Einsatz. Zum einen wäre da die erfahrene Whippethündin Xena und zum anderen die noch im Ausbildungsstadium befindliche Dalmatinerhündin CaraMia. Oberstes Gebot ist, dass der Hund über die Dauer des jeweiligen Einsatzes entscheidet. Man muss die Signale zu deuten wissen und darf den Hund unter keinen Umständen zu irgendetwas zwingen. Das Stichwort Geduld spielt auch in der Behandlung eine große Rolle und entlohnt immer wieder mit kleineren Wundern.

Erst kürzlich stellte sich bei einem ihrer ehrenamtlichen Besuche im Altenheim dieser „Wau!“-Effekt ein. Von einer Patientin hieß es, sie hätte keinerlei Feinmotorik mehr. Die Sitzung begann und eine geschlagene Viertelstunde passierte überhaupt nichts. Dann aber rutschte die Patientin immer näher an Xena heran und Katharina bemerkte, dass ihr Augenmerk auf die rote Leine gerichtet war. Einmal in die Hand gedrückt, band sie damit ganz behutsam eine Schleife um Xenas Hals. Das anschließende Lob ließ sowohl Hund wie Patient scheinbar bis über beide Ohren strahlen. Und genau dieses Lächeln der Seele ist es, was Katharina als ihren schönsten Lohn ansieht.

Eine feine Intuition bewies zuletzt auch CaraMia. Obwohl sonst eher in höheren Dezibel-Bereichen bellend, versuchte sie es am Bett eines bettlägerigen Multiple-Sklerose-Patienten stattdessen mit einem zart dahingehauchten „Wuff“. Und tatsächlich: Der so Angesprochene stieg auf seine Weise in das „Gespräch“ ein. Da kann man nur anerkennend sagen: Gut gebellt,


Weitere Informationen: www.canicura.de

CaraMia! ath

Fotos: Henrik Matzen