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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Ein norddeutscher Quilt

Quilten – Kunsthandwerk mit Tradition

Was haben Rüdiger Ahlers und Fred Astaire gemeinsam? Nun, beide sind wahre Meister des Steppens! Doch mal Spaß beiseite, denn was dem einen das Tanzparkett, ist dem anderen die bunte Vielfalt an Stoffen, Mustern und individuellem Design.

Rüdiger Ahlers ist Gründer der kwilt-factory, einer Manufaktur für „Quilting“, die sich genau dort befindet, wo man sie zumindest nicht als Erstes vermuten würde: in einem ehemaligen Kuhstall, inmitten ländlicher Idylle, unmittelbar neben einem Golfplatz im Herzen von Schleswig-Holstein.

Ägypten lässt grüßen

Doch was genau ist eigentlich „quilten“? Der Begriff stammt aus dem Angloamerikanischen. Die genaue Übersetzung lautet „steppen“, die Bezeichnung „Quilt“ führt das Lexikon als „Überdecke“. Vor allem in den ländlichen Regionen Amerikas ist dieses Handwerk nach wie vor weit verbreitet.

Zum „Quilting-Bee“ treffen sich Großmütter, Mütter, Töchter, Tanten, Freundinnen und Nachbarinnen, vernähen in unzähligen Stunden per Hand Stoffreste zu so genannten Patchworkdecken und besprechen dabei all die großen und kleinen Dinge des Lebens. Wie herzzerreißend so ein Sinnieren über Gott und die Welt – und vor allem die Liebe – ausfallen kann, beschreibt das Filmepos „Ein amerikanischer Quilt“ mit Winona Rider.

Aber erst das Wattieren und Versteppen der Decken, also der zweite Schritt, bezeichnet das eigentliche Quilten. Die bunt zusammengewürfelten Kunstwerke, deren einzelne Stoffstücke oftmals wohl die ein oder andere Familiengeschichte und Kindheitserinnerung bergen, werden an folgende Generationen weitervererbt.
Das Quilt-Handwerk schaut auf eine sehr lange Tradition zurück und ist in der Volkskunst verwurzelt. Nachweislich waren Stepparbeiten schon vor über 2000 Jahren bekannt, und zwar in aller Welt: gequiltete Decken beispielsweise entdeckte man in ägyptischen Gräbern, gesteppte Panzerhemden dienten im Mittelalter ganzen Armeen als wärmender Schutz unter der eisernen Soldatenrüstung, und die Amish People (eine Religionsgemeinschaft, die vor über 300 Jahren von der Schweiz und den Niederlanden nach Amerika emigrierte) haben in ihrer vorindustriellen Lebensweise das Handwerk im eigentlichen Sinne nahezu perfektioniert. Der fertige Quilt besteht schlussendlich aus drei Schichten: Unterseite, mittlere Vlies-Schicht und dekoratives Top.

Garantiert ein Unikat

Die kwilt-factory fertigt halb manuell, halb maschinell. Spezialmaschinen (z. B. die „Gammill Quilting Machine“, eine Kombination aus Webstuhl und Nähmaschine) erleichtern zwar die Arbeit – das jeweils einzigartige Werk aber ist das Produkt einer kreativen Idee, hochkonzentrierten, filigranen Arbeitens, einer ruhigen Hand und einer gewissen Portion Mut, denn Rüdiger Ahlers und sein Team realisieren jeden noch so ausgefallenen Kundenwunsch. „Von der Stange“ gibt es nicht, denn jeder Quilt ist ein Unikat und – selbst wenn es sich um alltägliche Gebrauchsgegenstände handelt – ein Kunstwerk im klassischen Sinne.

Rüdiger Ahlers kam zum Quilten wie „die Jungfrau zum Kind“. Der gelernte Schifffahrtskaufmann hatte zunächst für drei Jahre als Quereinsteiger die Marketing-Leitung für eine Quilt-Manufaktur einer Bekannten in Irland übernommen. Während eines Großauftrags musste er selbst „mit anpacken“ und entdeckte so seine Begeisterung und sein Talent, das er bereits wenige Zeit später in seiner Heimatstadt Kiel zum Beruf machte.

So etablierte sich der Autodidakt binnen kürzester Zeit zum einzigen Quilting-Manufakteur Schleswig-Holsteins, dessen Arbeiten von namhaften Inneneinrichtern, Raumausstattern und Hotels bis weit über die Grenzen Deutschlands hinaus hoch geschätzt werden. Als Spezialist für die Konfektionierung von Tagesdecken erhielt kwilt-factory 2004 den Großauftrag, 75 Tagesdecken aus edler Seide für die neuen Luxussuiten des Berliner 5-Sterne-Hotels Adlon, dem zweitteuersten Hotel der Welt, herzustellen. Doch auch für Privatpersonen sind die gesteppten Arbeiten, ob schlicht oder aufwendig, interessant und durchaus erschwinglich (ein Kissenbezug ist ab ca. 60 Euro, eine Tagesdecke für ein Doppelbett ab ca. 200 Euro zzgl. Stoff erhältlich).

Fast nichts ist unmöglich

Die Manufaktur ist zugleich Werkstatt sowie Ausstellungs- und Verkaufsfläche. Und das Angebot ist vielfältig: Sessel, Sitzhocker, Tagesdecken, Deko- und Bodenkissen, Taschen, ja sogar Handytaschen, Wandbehänge und Wandbespannungen sowie ausgewählte Stücke aus der Welt der Damen- und Brautmode, dazu Accessoires aller Art, die sich wunderbar kombinieren lassen, zum Stöbern und Kreieren einladen. Alle Stoffe, die vor Ort aus dem „Stoffbuch“ ausgewählt werden, sind binnen einer Woche lieferbar, doch auch selbst gefertigte Patchworkdecken werden hier weiterverarbeitet, sprich „gequiltet“ (inklusive Steppen, Futterschicht und Unterstoff ab 40 Euro pro qm). Besteppt wird frei oder nach Muster, als Karo-, Längs-, Diamant- oder Muschelsteppung.

Rüdiger Ahlers ist zudem spezialisiert auf Kontursteppen (Outline Quilting), das durch die kunstvoll strukturierte Oberfläche das Muster plastisch bzw. reliefartig herausarbeitet und dem Motiv Dreidimensionalität verleiht. Ob Sonderanfertigung von individuellen Ideen, Weiterverarbeitung von Patchwork oder Aufbereitung und Nachbau von Polstermöbeln, in erster Linie geht es stets um die Veredelung von Stoffen.
Doch auch traditionelles Kunsthandwerk folgt aktuellen Trends! Sehr gefragt ist derzeit der „Ethno-Style“, dementsprechend begehrt sind die Exponate der Produktlinie von Andrew Martin. Die eleganten, exotischen Materialien des Londoner Stoffdesigners sind seit 2002 fester Bestandteil der kwilt-factory-Kollektion.

Schöne Geschenkideen unterm Weihnachtsbaum

Einen guten Einblick über die Mannigfaltigkeit des Materials, die verschiedenen Techniken und die Möglichkeiten des Quiltens an sich gewährt die Homepage der Manufaktur: www.kwilt-factory.de
Mit Sicherheit lohnenswert aber ist ein Besuch des Betriebes selbst, denn dort kann man ganz in Ruhe schauen, fühlen und staunen, was genau sich hinter dieser Kunstfertigkeit verbirgt. Und bestimmt findet sich dort bereits die ein oder andere Geschenkidee zu Weihnachten. Schließlich steckt in jedem gequilteten Einzelstück viel Mühe, die Individualität des Künstlers und somit auch ein Stückchen Persönlichkeit. Lassen Sie sich überraschen, wie aktuell und gleichermaßen zeitlos die Kunst des Quiltens ist!



kwilt-factory
Gut Uhlenhorst, 24229 Dänischenhagen
Telefon: (0 43 49) 91 49 49, Fax: (0 43 49) 91 49 99

tide

Fotos: Bevis , K. Bridstrup