Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
Meine Gesundheitsapotheke
Ein kleines Stück vom Paradies
Zu Gast in der Dominikanischen Republik.
Noch nie habe ich Schöneres gesehen.« Diese Worte schrieb Christoph Kolumbus 1492 in sein Bordbuch. Die karibische Insel, die vor ihm lag, taufte er auf den Namen Isla Espanola (heute Hispaniola). An jenem Tag und an jenem Ort nahm die Entdeckungsgeschichte Amerikas ihren Anfang.
Die neun Millionen Einwohner starke Dominikanische Republik, der Einfachheit halber auch gerne als »DomRep« betitelt, teilt sich eine Insel mit dem westlichen Nachbarn Haiti. Unter allen Karibikstaaten verbucht sie die größte Urlauberzahl. Das Flair des unberührten Paradieses ist dahin? Mitnichten.
Der Reisende hat es selbst in der Hand. Es spricht absolut nichts gegen jene himmlischen All-inclusive-Hotelanlagen, solange man einen Blick über den luxuriösen Gartenzaun wirft!
Eine Naturschönheit mit Ecken und Kanten
Das Land strotzt nur so vor geschichtlichen und landschaftlichen Höhepunkten. Jede der verschiedenen Ferienregionen hat ihr ganz eigentümliches Flair. An der dicht besiedelten Südküste konkurrieren das türkise Karibische Meer mit dem Zauber der Altstädte. Der Westen bietet Ruhe und Ursprünglichkeit. Der Osten mit seinen Fischerdörfern gilt als Bilderbuch-Karibik.
Der Norden zeigt sich sportlich, unkompliziert bis wildromantisch. Hier, an der Atlantikseite der Insel, etablierten sich die ersten großen Ferienkomplexe, umrahmt von einem blühenden Hinterland mit ausgedehnten Reisfeldern und Palmenhainen, einer heißblütigen Strandkultur und einer quirligen Hafenstadtatmosphäre.
Postkartenmotive, wohin man blickt
Pico Isabel de Torres, der 793 Meter hohe Berg, ist meist in silbrig schimmernde Wolken gehüllt und war es auch an jenem Tag, als Kolumbus ihn erblickte. Er taufte ihn Monte Plata
(Silberberg), und die dem Berg zu Füßen liegende Stadt heißt bis heute Puerto Plata (Silberhafen). Sie ist die zweitälteste des Landes und mit rund 130 000 Einwohnern die größte der gesamten Nordküste.
Pittoreske karibische Siedlungen, prall gefüllte Obstgärten und bunt bemalte Holzhäuser im Stadtkern geben der Stadt ihr farbenfrohes Gesicht. Der viktorianische Stil des Pavillons im Zentralpark findet sich in den zahlreichen mit hölzernen Schmuckleisten verzierten Bürgerhäuschen wieder.
Das berühmte Bernsteinmuseum zeigt eine beachtliche Sammlung der bis zu 50 Millionen Jahre alten Harztropfen. Sie gehören zu den größten Schätzen des Landes, sind besonders klar und reich an faszinierenden Einschlüssen (zum Beispiel Insekten).
Strandurlauber zieht es vor allem an die vorgelagerte Bernsteinküste Costambar. Bernstein wird man hier zwar nicht finden, dafür gepflegte Strände mit Kokospalmen, klarem Wasser und die herzliche dominikanische Lebensart.
Urlaub im Schlaraffenland
Alle hundert Meter findet sich ein Bistro, ein Kiosk oder eine Strandbar, sodass es dem Besucher an nichts mangeln wird. Und der Service? Formulieren wir es so: Hektik ist etwas anderes! Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, sehr temperamentvoll beim Merengue-Tanz, aber sonst eher gemächlich. Eine Attitude, die bei diesen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit durchaus vernünftig ist, an die sich der eine oder andere »Bürogestresste« jedoch erst gewöhnen muss.
Neben den kulinarischen Verlockungen aus dem Meer, die frischer als frisch auch direkt am Strand feilgeboten werden, stehen zum Beispiel Kochbananen, Reis und Bohnen, saftig-süße Früchte und eisgekühlte Drinks auf der Speisekarte. Pina Colada und Cuba Libre – so schmeckt Traumurlaub!
Me gusta – Das gefällt mir
Neben Hahnenkampf und Baseball gibt
es noch eine weitere Beschäftigung, die den dominikanischen Alltag prägt: Domino. Man sieht es überall, am Strand, im Zentralpark und auf der Veranda. Da wundert es nicht, dass sich der Kosename »Dominokanische Republik« etabliert hat.
Die Gemütlichkeit, die dieses Spiel begleitet, fehlt im Straßenverkehr gänzlich: chaotische Fahrweise, unvollendete Brücken und Schlaglöcher, die einen Kleinwagen verschlucken würden (zugegeben, das ist ein wenig übertrieben). Unternehmungslustige kommen trotzdem nicht zu kurz. Wer nicht auf eigene Faust mit Bus oder Leihwagen los möchte, findet in jedem großen Hotel vielseitige Freizeitangebote wie Quad-Touren (Ganzkörper-Schlammpackung gratis), Tauchen, Golf, Ausreiten, Rafting oder Wasserfallwandern. Gezahlt wird in der heimischen Währung (Dominikanische Peso) oder gegebenenfalls in Dollar und Euro. Für Touristen gelten leider meist andere Preise. Ein wenig Verhandlungsgeschick kann also nicht schaden.
Als Reisezeit empfiehlt sich die Phase von Dezember bis April. Der stets leichte Wind an der Nordküste ist äußerst angenehm. Von August bis Oktober herrscht Hurrikan-Zeit, jedoch ist hier eher der Süden des Landes in Mitleidenschaft gezogen, und die einzigen Auswirkungen rund um Puerto Plata sind Wellen und schnell vorübergehende Sommerregenschauer – für manchen Touristen eine herrliche Dusche unter freiem Himmel, während der Dominikaner die Beine in die Hand nimmt. Vor allem für die Damen der Schöpfung kommt nasses Haar einer Katastrophe gleich ...
Aber ist das nicht letztlich der Reiz an einer Reise, die liebenswerten Eigenarten aneinander zu entdecken? Wir fliegen um die halbe Welt, nach Puerto Plata, und finden liebe Freunde!tide






