Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Ein buntes Frühlingsfest
Ostern
Ohne Hasen und Eier geht in diesen Tagen gar nichts. Doch Ostern ist weitaus mehr: Es ist die traditionelle Feier anlässlich der Auferstehung Jesu Christi, und sie endet offiziell erst mit dem Pfingstfest.
Während man Weihnachten ja immer leicht die Befürchtung hat, dass das Fest im Familienchaos endet, hat Ostern im Allgemeinen doch einen besseren Ruf. Wenn man an Ostern denkt, dann stellt man sich sofort vor, wie Groß und Klein zusammen Eier ausblasen, sie farbenfroh anmalen und anschließend überall in Wohnung und Garten aufhängen.
Ostern – das sind fröhlich lachende Kinder, die wild durch den Garten rennen und die versteckten Eier suchen. Ostern – das ist eine bunt gedeckte Kaffeetafel, an der die Familie zusammensitzt. Ostern – das sind Hasen in 1001 Varianten. Ein nettes, harmonisches Fest eben.
Und dieser Schein trügt in der Tat nur selten. Doch Ostern hat auch eine zweite Seite, sozusagen einen „ernsten“ Hintergrund: Ostern ist für die Christenheit das älteste und wichtigste kirchliche Jahresfest, das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Und wer glaubt, dass am Abend des Ostermontags alles vorbei ist, der irrt. Denn offiziell zieht sich dieses Fest bis in den Mai hinein. Schließlich gehört die Zeit bis Pfingsten zum sogenannten „Osterfestkreis“.
Warum liegt es immer woanders?
Seit dem 2. Jahrhundert wird Ostern jährlich zum Gedächtnis des Todes und der Auferstehung von Jesus Christus gefeiert. Der Name „Ostern“ leitet sich von der germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostara ab, der zu Ehren das „Frühlingsfest der Tag- und Nachtgleiche“ gefeiert wurde. So weit, so gut. Was jedoch manchen jedes Jahr aufs Neue irritiert, ist die Terminierung dieses Festes. Heiligabend ist immer wieder am 24. 12., Weihnachten an den zwei folgenden Tagen. Das lässt sich gut merken. Wann jedoch Ostern ist, verrät oft nur der Blick auf den Kalender.
Dabei folgt auch das Osterfest strengen Regeln: Es wird am ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond gefeiert. Dem Osterfest geht in der evangelischen Kirche die Passionszeit bzw. in der katholischen die „österliche Bußzeit“, die Fastenzeit, voraus. An diese Zeit schließt sich die „österliche Freudenzeit“ an, die mit dem ebenfalls am jüdischen Kalender orientierten Pfingstfest endet. Um es auf den Punkt zu bringen: Der „Osterfestkreis“ beginnt am Aschermittwoch (immer der 7. Mittwoch vor Ostern) und endet am Pfingstsonntag (immer der 50. Tag nach Ostern).
Keine Tradition ohne Bräuche
Wussten Sie, dass all unsere Osterbräuche heidnischen Ursprungs sind? Egal, ob es sich um den Osterhasen, das Osterei oder das geweihte, katholische Osterwasser handelt, sie alle deuten auf das Erwachen der Natur hin, sind Symbole der Fruchtbarkeit oder der Heilkunst des Frühlings. Sich an Ostern mit Eiern zu beschenken, ist eine uralte Sitte. Tradition ist auch, dass der Osterhase sie bringt.
Ja, der Hase, der süße Meister Lampe, ohne den in diesen Tagen nichts läuft: Ob aus Schokolade zum Vernaschen, als Dekoration oder als Serviettenmotiv – vor Ostern kann man den langohrigen Mümmelmännern nirgendwo entgehen. Es ist also wichtig, dass Sie beim Decken Ihrer Osterkaffeetafel hier und da einen platzieren! Das bringt dann auch die Kinderaugen zum Strahlen, denn niedlich sind sie ja. So niedlich, dass manches Elternteil gerade über die Osterzeit häufig in Diskussionszwang gerät, warum man sich keinen Hasen (im Grunde genommen sinds dann ja die Kaninchen) anschaffen möchte. (Dazu unser Rat: Durchhalten ist hier die Devise! Für die Kleinen ist Ostern ja meistens doch am Montagabend vorbei und das Kaninchen gerät in Vergessenheit. Es sei denn, sie haben schon vom Osterfestkreis gehört
)
Doch zurück zum Thema: Was hat denn nun der Hase mit Ostern zu tun? Eier legen kann er schließlich nicht.
Warum Hasen? Warum Eier?
Grundlegend verbindet den Hasen mit den Eiern die Tatsache, dass sie beide seit Urzeiten als Symbole für Fruchtbarkeit und den Beginn neuen Lebens gelten. Sicher ist weiterhin, dass der Mythos vom flinken, Eier hinterlassenden Hasen sich in Deutschland im 19. Jahrhundert durchsetzte. Zunächst hielt der Osterhase in den Städten Einzug, denn die Landbevölkerung – besser vertraut mit der Natur – brauchte etwas länger, um von der Existenz des Osterhasen überzeugt zu werden. Doch als er sich dann allerorts endgültig etabliert hatte, waren alle anderen Eier-Boten, an die man früher glaubte, wie Hähne, Störche oder Füchse, „ihren Job“ ein für alle Mal los.
Auch der Brauch, zum Osterfest Eier zu färben und zu verstecken, hat eine lange Tradition und ist bis zum heutigen Tage nicht nur bei allen Kindern, sondern auch bei so manchem Erwachsenen sehr beliebt. Die ersten kunstvoll bemalten Eier tauchten übrigens bereits im 13. Jahrhundert auf. Damals wie heute waren bzw. sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, und so zeigt sich spätestens Ostern, wer ein wahrer Künstler ist.
Der Brauch des „Eiertitschens“ (= Eierhärtens) dagegen ist längst vergessen. Als diese Tradition noch gepflegt wurde, sammelten die jungen Männer schon Wochen vor Ostern Eier mit besonders harter Schale – in der Hoffnung, dass dann beim „Eiertitschen“ ihr Ei am längsten unbeschädigt blieb. Bei diesem Wettkampf nahmen zwei Spieler je ein Ei in die Hand. Ein Spieler fing an und schlug mit der Spitze seines Eis auf die Eispitze seines Gegenspielers, mit der Absicht, dessen Schale zu zerbrechen. Sieger war, dessen Ei heil blieb.
Das letzte Mahl
Auch der Gründonnerstag ist ein bedeutsamer Tag in der Ostergeschichte. Denn an diesem Tag nahm Jesus sein letztes Mahl zu sich. Um dieses letzten „Abendmahls“ zu gedenken, essen die Christen vielerorts am Gründonnerstag grüne Speisen, wie zum Beispiel Spinat oder grüne Bohnen. Und obwohl es so schön zu den grünen Speisen passen würde, der Name Gründonnerstag leitet sich nicht von der Farbe ab, sondern geht auf das alte Wort „Greinen“ für Weinen zurück.
(Kar-)Freitag ist Fischtag
Längst Tradition geworden ist es, am Karfreitag, dem höchsten und gleichzeitig traurigsten aller christlichen Feiertage, Fisch zu essen. Überall auf der Welt gedenken die Christen auf diese Weise der Kreuzigung Jesu. Warum ausgerechnet Fisch? Nun, weil der Fisch eben jenes Symbol ist, mit dem sie sich zur Zeit der Christenverfolgung untereinander zu erkennen gaben.
Vertreibt den Winter!
In vielen norddeutschen Regionen werden in der Nacht auf Ostersonntag Osterfeuer angezündet. In Hamburg zum Beispiel ist dies ein besonderes Schauspiel, weil dort mehrere große Osterfeuer entlang der Elbe brennen, ein Spektakel sondergleichen, das man besonders gut vom Wasser aus sehen kann. Mit diesen Osterfeuern werden alte heidnische und volkstümliche Frühlingsbräuche fortgeführt. Symbolisch wird versucht, mit ihrer Hilfe „die Sonne auf die Erde herabzuziehen“ und den Winter zu vertreiben. Außerdem sollten sie einst Hexen und alles Böse abwehren.
Das Licht der brennenden Osterräder steht für den Sieg über die Dunkelheit des Winters. In den Alpen, aber auch in einigen norddeutschen Regionen werden am Karsamstag große Räder aus Reisig oder mit Stroh ausgestopfte Eichenräder in Brand gesteckt und mit langen Stangen von den Bergen ins Tal hinuntergerollt. Kommen die Osterräder gut am Fuße des Hanges an, so glaubt man, dass ein ertragreiches Erntejahr bevorsteht.
Ein ganz besonderes Wässerchen
Ein alter heidnischer Brauch besagt, dass ein Bad in einem fließenden Bach am Ostersonntag Jugend und Schönheit bewahrt, Krankheiten heilt und Unglück abhält. Um es vor Krankheit zu schützen, trieben die Menschen sogar ihr Vieh am Ostermorgen in die Bäche. Mancherorts schöpft man noch heute in der Nacht auf Ostersonntag Wasser aus einem Bach oder Brunnen. Dieses sogenannte „Osterwasser“ gilt als Symbol der Fruchtbarkeit. Dem Brauch gemäß müssen junge Mädchen es schweigend und gegen den Strom schöpfen, damit das Wasser seine Heilkraft behält, und weder auf dem Heimweg noch zu Hause darf ein Tropfen davon verschüttet werden. Außerdem darf sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg kein Sterbenswörtchen gesprochen werden.
Die Karwoche
Die letzte Woche vor Ostern heißt Karwoche. Sie beginnt mit dem Palmsonntag, an dem die Christen den Einzug Jesu von Nazareth in Jerusalem feiern. Am Gründonnerstag feiert das Christentum das letzte Abendmahl. Am Karfreitag wird des Todes Jesu am Kreuz gedacht, am Karsamstag ist Grabesruhe und am dritten Tag (Ostersonntag) ist die Auferstehungsfeier, da Jesus – so sagt es die Bibel – an diesem Tage auferstanden ist.
chris










