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Donnerstag, 23. Februar 2012
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Die Weisheiten der Steine.

Täglich liegen sie uns auf der Zunge: kluge Redewendungen für alle Lebenslagen. Doch was steckt dahinter?

Treffsichere Worte bringen so manchen »Stein ins Rollen«. Dabei kann es sich um Steine von sehr unterschiedlicher Größe, Art und Herkunft handeln …

Wer »steinalt« wird, lebt sinnbildlich so lange wie das Urgestein der Erde. »Steinreich« dagegen ist man, wenn man Berge von Edelsteinen besitzt.

Bibelsteine.
Die Steinigung war früher eine weit verbreitete Todesstrafe, die nach den Geboten Mose auch für Ehebruch verhängt wurde. Das Neue Testament (Johannes 8,1 – 11) berichtet, dass Schriftgelehrte und Pharisäer einst eine Ehebrecherin zu Jesus brachten und ihn fragten, ob sie diesem Gebot Genüge tun sollten. Jesus antwortete: »Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.« Da zogen sich die Ankläger einer nach dem anderen verschämt zurück, denn das konnte keiner von sich behaupten.
Jesus vergibt der Frau und ermahnt sie, künftig nicht mehr zu sündigen. Sie soll also keinen neuen »Stein des Anstoßes« schaffen, von dem anderswo in der Bibel ebenfalls die Rede ist (Jesaja 8,12 und 1. Petrus 2,8).

Reimsteine.
Mit der Hand auf der Bibel schwören US‑Bürger bis heute vor Gericht, dass sie die Wahrheit sagen. Früher wurden wichtige Eide direkt in der Kirche abgelegt. Mit der Schwurhand auf dem Altarstein, unter dem sich meist ein Reliquienschrein mit den Gebeinen von Heiligen befand, wurde hier wortwörtlich »Stein und Bein geschworen«.

An dieser recht einleuchtenden Erklärung der Redewendung fehlt einigen Sprachforschern jedoch die Präposition; denn man schwört ja immer »auf« oder »bei« etwas. Vielleicht entstand der Spruch auch nur, weil Stein und Bein sich so schön reimen?

Spielsteine.
Ein mittelalterliches Brettspiel dagegen steckt dahinter, wenn wir »bei jemandem einen Stein im Brett haben«, also sein Wohlwollen genießen. Beim Vorläufer unseres heutigen Backgammons – »Tricktrack«, »Puff« oder »Wurfzabel« genannt – hatte man gute Gewinnchancen, wenn man zwei nebeneinander liegende Felder mit seinen Spielsteinen belegen und so den Gegner blockieren konnte. Diese gute Stellung der Steine wurde dann zum Sinnbild für gute Erfolgsaussichten schlechthin. Der Zusatz »bei jemandem« kam erst später hinzu; vielleicht, weil bei der »Tricktrack«-Blockade ein Stein dem anderen wie ein guter Freund zur Seite steht.mimu

Illustrationen: Gerrit Hansen