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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Die goldene Stadt

Ein Streifzug durch Prag.

Zwischen den beiden Erhebungen „Hradschin“ und „Vyšehrad“ und geteilt vom Strom der Moldau liegt eine der wohl geschichtsträchtigsten Städte Europas. Spätestens seit Öffnung der Ostgrenzen und der Ernennung zum Weltkulturerbe durch die UNESCO ist die Metropole mit der zauberhaften Altstadt zu einem der beliebtesten Zielorte für Touristen geworden.

Losgelöst von den Fesseln des Eisernen Vorhangs kann Prag endlich seine große Historie im schönsten Sinn zur Schau stellen. Aber natürlich schwelgt die Stadt nicht nur in ihrer Vergangenheit. Ihre überaus lebendige Theater- und Musikszene macht sie auch für junge Menschen äußerst interessant.

Alles in allem: heimelig
Das Besondere an der „goldenen Stadt“ Prag liegt neben der historischen Bedeutung vor allem in der Schönheit ihrer Architektur. Nahezu einhundert Türme und zahllose Prachtbauten schmücken das Stadtbild – und schaffen es doch nicht, es zu überladen. Prag bleibt trotz allem beschaulich, fast gemütlich.

Zweifellos hat der glückliche Umstand, dass Prags Kern von großen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verschont geblieben ist, seinen Anteil daran. Die Stadt wirkt auf den Besucher daher mitunter wie ein großes öffentliches Geschichtsmuseum. Und mit der Einwohnerzahl von 1,2 Millionen und einer Größe von rund 500 Quadratkilometern halten sich die Ausmaße der tschechischen Hauptstadt durchaus in Grenzen, einer der erfreulichsten Vorteile im Vergleich mit vielen anderen europäischen Metropolen.

Die Prager Burg
Die mehr als 1000 Jahre alte Prager Burg überragt die Stadt und bietet eindrucksvolle Perspektiven. Einst residierten hier Könige, Prinzen und Bischöfe, heute hat der tschechische Staatspräsident auf dem 75 Meter hohen Hügel „Hradschin“ seinen Amtssitz. Der weiträumige Komplex mit insgesamt drei Burghöfen ist durch zahlreiche kleine Verbindungsgassen geprägt. Sie verbinden die großen Gartenanlagen, die St.-Georgs-Basilika, den St.-Veits-Dom und zahlreiche Funktionsgebäude der Burg.

Auf der Prager Burg fand am 23. Mai 1618 ein überaus bedeutsames Ereignis der europäischen Geschichte statt. Die heftigen und langwierigen Auseinandersetzungen evangelischer Stände mit ihrem katholischen Landesherren und dem böhmischen König in Bezug auf die Religionsfreiheit hatten zum Sturm auf die Hofkanzlei geführt. Im Zuge des gewaltsamen Eindringens in die Festung warfen die aufgebrachten Vertreter der Stände zwei anwesende kaiserliche Statthalter samt Schreiber aus dem Burgfenster. Alle drei überlebten den Sturz zwar, doch die verwerfliche Tat war gleichzusetzen mit einer Kriegserklärung. Der Konflikt zwischen böhmischen Protestanten und katholischen Habsburgern führte zum Dreißigjährigen Krieg.

Die Karlsbrücke
Die Karlsbrücke ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt Prag. 1357 von Karl IV. nach einer Überschwemmung in Auftrag gegeben verbindet die Brücke Altstadt und Burgseite. Die knapp zehn Meter breite Karlsbrücke ruht auf 16 Pfeilern und überspannt die Moldau auf einer Länge von einem halben Kilometer. Die insgesamt 30 Heiligenfiguren verleihen der Brücke einen besonderen Charme, ebenso die beiden mächtigen Türme. Die für den Verkehr gesperrte Brücke ist heute tagsüber die Heimat zahlreicher Händler, Künstler und Musiker.

Wem sich die Gelegenheit bietet, der sollte sich einen abendlichen oder sogar nächtlichen Spaziergang in Richtung der beleuchteten Prager Burg nicht entgehen lassen. Mit Glück ist zu dieser Stunde kaum einer unterwegs, so dass sich eines der zahllosen Fotomotive verwirklichen lässt.

Smetanas Moldau
Unweit der Karlsbrücke erhebt sich ein stattliches Monument. Hier ehrt die Stadt den großen Komponisten Bedřich (Friedrich) Smetana (1824–1884), der mit seinem Werk „Die Moldau“ – ein Abschnitt des sechsteiligen Zyklus der Dichtung „Mein Vaterland“ – den Strom unsterblich gemacht und der Nachwelt ein ausgezeichnetes Bild seiner Heimat hinterlassen hat. Auf rund 30 Kilometern durchzieht die Moldau das Stadtgebiet und ist für Besucher von nah und fern ein steter Anziehungspunkt.

Prager Braukultur
Während die Stadt Prag im 18. Jahrhundert noch weit über 1000 Brauereien beherbergte, sind es heute im ganzen Land nur noch 100 Betriebe, die den Gerstensaft zu brauen verstehen. Trotzdem sind die Tschechen mit einem durchschnittlichen Bierkonsum von über 160 Litern pro Kopf und Jahr weiterhin Weltspitze. Und wer das traditionelle Ambiente Tschechiens liebt, der findet in einer der zahlreichen kleinen Gassen gewiss den passenden Ort zum Einkehren.

Längst kein Geheimtipp mehr – aber immer noch überaus beliebt bei Touristen aller Herren Länder – ist der „Goldene Tiger“, in dem bereits der einstige tschechische Präsident Václav Havel mit seinem US-amerikanischen Kollegen Bill Clinton ein zünftiges Bier genossen hat.
 Als weitere tschechische Köstlichkeiten nicht nur in diesem Lokal sind zu nennen: Schweinebraten, marinierter Lendenbraten, Becherovka (ein Kräuterlikör) und als zünftiger Abschluss eine Portion Palatschinken.

Günstige Reisezeiten
Die Sommerzeit bringt für Besucher der Stadt die üblichen Gefahren ausufernder Touristenzahlen mit sich. Daher bietet sich der Herbst als ideale Reisezeit förmlich an. Die Besucherströme lassen nach, das Wetter aber bietet weiterhin die gewohnten Vorzüge.

nawe

Fotos: Shutterstock, Patrick Naawe