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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Die fiesen Matenten

Täglich liegen Sie uns auf der Zunge: Redensarten für alle Lebenslagen. Doch wissen wir immer so genau, was wir gerade sagen?

»Mach‘ jetzt keine ›Besuch-mein-Zelten‹!« Steckt das – wortwörtlich genommen – dahinter, wenn wir jemanden auffordern, keine unnötigen Schwierigkeiten beziehungsweise »Fisimatenten« zu machen? Nicht zwingend.

Die beliebteste – und charmanteste! - Deutung führt den Ursprung der Fisimatenten auf die Zeit der französischen Besetzung Deutschlands während der Napoleonischen Kriege (1804-1815) zurück.

Zweideutige Angebote

Mit der Einladung »Visitez ma tente, mademoiselle!« (= »Besuchen Sie mein Zelt, mein Fräulein!«) sollen die schmucken französischen Soldaten damals versucht haben, neugierige junge Mädchen auf ein Schäferstündchen in ihr Lager zu locken. Das war den deutschen Müttern natürlich gar nicht recht, und so warnten sie ihre Töchter energisch, wann immer diese ausgingen: »Mach mir ja keine ›fisi ma tenten‹«.

Auf gut Alt-Amtsdeutsch

Lange bevor sich französische Zelte in ein neues deutsches Wort für Unfug verwandelten, war in der »Cronica van der hilliger Stat van Coellen« aus dem Jahr 1499 jedoch bereits von »visimetenten« die Rede.

In der lateinischen Amtssprache des späten Mittelalters waren mit »Visae patentes« ordnungsgemäß auf ihre Echtheit hin geprüfte Patente gemeint. Eine solche Prüfung aber bereitete scheinbar so viele Schwierigkeiten, dass diese Dokumente im 16. Jahrhundert zum Inbegriff der bürokratischen Umständlichkeit wurden.

Unnötige Schnörkel

Weit vor der Franzosenzeit gab es auch die »Visamente«, die üppigen Verzierungen auf den Wappen der Herrscherhäuser, die auf Kampfausrüstungen wie Schilden oder Helmen eher funktionslos und damit überflüssig waren. Mit »Mach doch nicht dauernd Fisimatenten« soll ein im Gebrauch von Fremdwörtern nur sehr bedingt begabter Wappenmaler seinen Lehrjungen einst aufgefordert haben, sich endlich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Mit einer Prise Boshaftigkeit

Eine interessante Neuinterpretation des alten Wortes mit der mehrgleisigen Herkunft schließlich bieten diejenigen, die fälschlicherweise »Fiesematenten« schreiben – und das Machen derselben damit kurzerhand für böse, gemein und widerwärtig erklären.

mimu

Illustrationen: Gerrit Hansen