Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Die besondere Note
Im Gespräch mit Kinderliedermacher Matthias Meyer-Göllner
Das übliche Prozedere nach einem Interview ist, die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten und sie anschließend zu sortieren. Dieses Mal allerdings gab es eine geringfügige Änderung im Protokoll, denn die ganze Aufmerksamkeit genoss der mir mit auf den Weg gegebene runde Tonträger.
Obschon ich nicht unbedingt in die Zielgruppe falle, sollten „Fränkie Frosch und die Mondscheintomate“ doch auf schnellstem Weg in den CD-Spieler wandern. Schon nach wenigen Takten erschloss sich mir das als Theorie Erzählte auch auf musikalischer Ebene! Musik als soziales Erlebnis, als Sprachrohr der vielen Sprachen, als verbindendes Element.
Und jetzt kennt der kindliche Entdeckerdrang kein Halten mehr! Da springen einem die Schlussakkorde der Melodie zum aktuellen ZDF-Sportstudio im jazzigen Lied „Der Klaviervampir“ förmlich in die Ohren, fällt es einem beim Hören der „Mondscheintomate“ wie Sonaten von den Augen und stimmt der bezeichnende Titel „Bum bum bumbum bum“ mit der eindeutigen Anleihe bei Pippi Langstrumpfs TV-Musiktrailer nostalgisch.
Das kam ja wie berufen
Matthias musikalische Vielseitigkeit kommt nicht von ungefähr. Bereits zu seinem 10. Geburtstag wurde ihm eine Gitarre geschenkt, die fortan zu seinem steten Begleiter wurde. Nach seinem Abitur und dem daran anschließenden Zivildienst entschied sich der 1963 in Neumünster Geborene für ein Studium der Germanistik und Geschichte. Bereits nach kurzer Zeit wechselte er an die PH (Pädagogische Hochschule), wo er auf ein Lehramt an Sonderschulen in den Fächern Musik und Deutsch studierte. Während des Studiums ergab sich eine glückliche Fügung. Eine Kommilitonin sprach ihn darauf an, ob er nicht Interesse hätte, in einem Kindergarten Musik zu machen. Matthias hatte! Einmal wöchentlich sprang er ein.
Ab 1989 schrieb er Lieder für Kinder, 1992 folgte seine erste produzierte Kassette. Mit dieser Veröffentlichung einher ging die Gründung des Musikverlags „Irmi mit der Pauke“. Als Matthias 1993 sein Studium mit dem ersten Staatsexamen beendete, stand er vor der Wahl, entweder ein Referendariat zu beginnen oder den bereits eingeschlagenen Weg zu verfolgen.
„Kann man denn davon leben?“
Doch so offensichtlich die Entscheidung im Nachhinein ist, so groß war auch der Schritt dahin gehend, sich selbst „einzugestehen“ und zu sagen, dass man ja nun Kinderliedermacher sei. Nicht unbedingt aufbauend kam die Matthias Meyer-Göllner am häufigsten gestellte Frage hinzu: „Ja nun (Räuspern)
kann man denn davon leben?“ Diese Frage ist vielleicht weniger Zeichen einer plötzlich volksumgreifenden Fürsorge als vielmehr der Haltung gegenüber dem Berufsbild. Ein junges Berufsfeld fernab von Diplomen und einer soliden Ausbildung, keine greifbaren Qualifikationen – das sind zu viele Unbekannte für einen ernsthaften Beruf. Weit verbreitete Meinung ist, dass ein Kinderlied nahezu jeder aus dem Ärmel schütteln könne. Das Kinderlied steht in der Kulturhierarchie weit unten.
Das Kulturliedgut
Einen großen Beitrag zur Aufpolierung dieses Bildes hat Matthias Vorbild Frederik Vahle geleistet, der Urvater des neuen deutschen Kinderliedes. Dieser, von einem Publizisten darauf angesprochen, ob er nicht etwas zum Thema Kinderlied verfassen könne, antwortete: „Tut mir Leid! Mit dem Kinderlied habe ich mich bisher wenig befasst. Ich war eher im Bereich Kultur tätig.“ Der selbstbewusste Auftritt und das freche Aufbegehren imponierten dem jungen Matthias. Mitte der 70er-Jahre waren die Liedtexte auch politisch ambitioniert. Da war das Thema Mieterstreik schon mal Inhalt eines vergnüglichen Kinderliedes.
Wie viel Botschaft in so einem Lied sein darf oder muss, ist eine Frage des persönlichen Stils eines Kinderliedermachers. Pädagogisch wertvoll bzw. kindgerecht sind nicht ausschließlich Lieder, die den Lehrplan nacharbeiten. Matthias jedenfalls verzichtet weitestgehend auf gesungene Botschaften, insbesondere auf solche mit erhobenem Zeigefinger. Der Spaß steht bei ihm deutlich im Vordergrund.
Die Arbeit auf der Bühne
Wer für und mit Kindern arbeitet, der muss sich etwas von seinem inneren Kind bewahrt haben. Dieser Meinung war nicht nur Erich Kästner, sondern dessen Überzeugung teilt auch Matthias. Das kindliche Element hat er sich in dem erhalten, was er seinen intuitiven Zugang zur Welt nennt. Generelle Begeisterungsfähigkeit sei dies, ob für ein Spielzeug oder eine Idee. Auch am Tag vor dem Geburtstag noch aufgeregt zu sein, gehöre dazu. Dank dieser Begeisterung findet er jedes Mal wieder schnell den Draht zu Kindern. Und die geben es ihm während seiner Auftritte mehrfach zurück. Es ist die kindliche Euphorie, die auf ihn überschwappt, aus der er seine Lebensenergie zieht.
Er auf der anderen Seite will den Kindern Musik als soziales Erlebnis vermitteln. Durch Musik, die zum Tanzen, Lachen, Mitsingen oder gar Mitschreien animiert.
Die Arbeit auf dem Papier
Die Ideen für seine Lieder nimmt Matthias aus alltäglichen Situationen oder Begegnungen. Das Kind einer Bekannten sagte einmal: „Mama, nur noch ein Mal schlafen, dann ist schon wieder morgen.“ Das war die Geburtsstunde eines Liedes. Besondere Freude bereitet Matthias auch die Zusammenarbeit mit der Literatur. Für das Bilderbuch „Plock – der Regentropfen“ schrieb er ein Musical, für Hörbücher instrumentale Begleitmusik. Seit 2000 werden Matthias Tonträger vom Jumbo-Verlag vertrieben. Seither tourt er auch verstärkt überregional. Im Jahr 2002 belegte Matthias bei einem bundesweit ausgeschriebenen Kinderlieder-Wettbewerb den 3. Platz mit seinem „Klaviervampir“.
Im gleichen Jahr nahm er an einem von der GEMA ausgerichteten Förderseminar für Textdichter teil. Gemeinsam mit 9 anderen Musikern aus den unterschiedlichsten Genres textete, komponierte und arrangierte er. Und auch wenn das musikalische Reifen ein steter Prozess ist, dieses Seminar hat ihn merklich vorankommen lassen. Im vergangenen Jahr produzierte er zwei Videoclips, „Kalenderbus“ und „Ein Handtuch und ne Trommel“, die seither in regelmäßigen Abständen um 8.40 Uhr auf dem KIKA ausgestrahlt werden.
Die After-Work-Party
Privat hört Matthias gern Jamie Cullum, die Dixie Chicks und die über seinen Sohn kennen gelernten Green Day. Gerade hat er Global Kryner für sich ausgemacht, eine Band, die aktuelle Pop-Hits im Gewand traditioneller Volkslieder covert. Eine besondere Art der Entspannung ist für den Holstein-Fan ein Besuch im Fußball-Stadion. Während dieser 90 Minuten, und dies sei der schönste Luxus, könne er komplett abschalten. Abschalten und mit Freunden dumme Sprüche machen. Und einen Gesang zum Besten geben, der eines Matthias Meyer-Göllner wohl auch nur in diesem Umfeld würdig ist!
Weitere Informationen erhalten Sie über
www.irmimitderpauke.de
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