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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Die alte Stadt und das Meer

Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund

Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt hat seit ihrer Gründung vor fast 800 Jahren ein enges Verhältnis zum Meer. So ist es kein Wunder, dass hier im Laufe der letzten 50 Jahre das größte meereskundliche Museum der Republik entstanden ist.

Ein sicherer Hafen

Schon die Lage direkt am Ostsee-Meeresarm Strelasund gegenüber der Insel Rügen macht die Stadt zu einem Tor zur größten deutschen Insel, die von hier aus einfach zu erreichen ist. Früher per Schiff, heute über den Rügendamm und ab 2007 über die entstehende Rügenbrücke.

Weil Stralsund durch die Vorlagerung Rügens recht sturmgeschützt ist und dicht an den baltischen Ländern liegt, wurde die Stadt bald ein wichtiger Bestandteil der Hanse, jenes Handelsbundes, der noch bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts den Ostseeraum dominierte. Auch als Marinestützpunkt war Stralsund wegen seiner Lage stets beliebt.

Zu Zeiten der DDR entwickelte sie schließlich eine besondere Bedeutung für die Fischerei, denn die meisten Schiffe der DDR-Hochseeflotte wurden hier gebaut. Heute stellt die ehemals volkseigene Werft erfolgreich Containerschiffe für den internationalen Handelsverkehr her.

Wissensflut

Diese Entwicklungen machten Stralsund zu einem idealen Ort für die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Themen Meer und Schifffahrt. Das Museum wurde 1951 eigentlich als normales Naturkundemuseum mit vielseitigen Interessen aus der Taufe gehoben und befindet sich seitdem im ehemaligen Katharinenkloster der Stadt. Nach einer Schwerpunktlegung der Ausstellungsthemen auf die Meereskunde wurde es 1974 schließlich komplett umstrukturiert. Die stetig wachsende Größe der Ausstellung erforderte im Laufe der Zeit aber verschiedene Erweiterungen, so dass das Museum heute eigentlich aus vier Teilen besteht – der fünfte ist bereits im Bau …
Im Schnitt besuchen heute jährlich etwa 600 000 Menschen die Ausstellungen des Deutschen Meeresmuseums, und damit ist es eines der meistbesuchten Museen im Bundesgebiet.

Meer erleben

Auf über 3000 qm erstrecken sich die Dauer- und Sonderausstellungen im Stammhaus des Deutschen Meeresmuseums, die sich mit spannenden Schaubildern, Schautafeln, Präparaten und Modellen präsentieren.

Die Einrichtung bietet in ihren Räumen dem neugierigen Besucher zahlreiche Informationen zur technisierten Fischerei und ihren Auswirkungen, zum Umwelt- und Meeresschutz, zur wissenschaftlichen Meeres- und Ozeanforschung und außerdem zu Flora und Fauna des Ostseeraumes.

Publikumslieblinge sind die knapp 50 Aquarien mit über 600 lebenden Meerestieren, darunter Riesenschildkröten und farbenprächtige exotische Südseefische, z. B. Bambushaie, Doktorfische, Rotfeuerfische oder Steinfische (die giftigsten Fische der Welt).

Aber auch die einheimischen Wasserbewohner wie Stichlinge, Plötze, Aale, Störe, Seehasen oder andere sind hier in ihrem Element zu sehen.

Darß muss man gesehen haben

Wer Natur und Meer hautnah erleben und „be-greifen“ möchte, sollte das „NATUREUM Darßer Ort“ besuchen. Die seit dem Jahr 1991 bestehende Außenstelle liegt an der Nordspitze des Darßes, einer ca. 40 Kilometer westlich gelegenen Halbinsel im Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“. Die Themen, die hier besonders anschaulich präsentiert werden, sind unter anderem der regionale Naturraum, die Besonderheiten der Ostseeküste, Leuchtturmgeschichte und das Freigelände, in dem man sich viele Exponate in natura ansehen kann.

Das 1999 eröffnete NAUTINEUM auf der kleinen Insel Dänholm zwischen Stralsund und Rügen beherbergt die etwas größeren Exponate des Deutschen Meeresmuseums – nämlich ganze Schiffe und riesige Walskelette. Hier kann man unter anderem verschiedene original Fischereifahrzeuge mit ihren verschiedenen Fangtechniken oder historische Schiffe und Seezeichen der baltischen Seefahrt besichtigen, dazu wissenschaftliche Tauchboote und Unterwasserlabore.

Übrigens ist das NAUTINEUM der einzige Ort in Deutschland, an dem Wale seziert werden dürfen.

Neue Strömungen

Auch für die Zukunft und neue Formen der Präsentation ist das Deutsche Meeresmuseum gerüstet. Die Sonderausstellung „MeeresWelten“ auf der nördlichen Hafeninsel befindet sich in einer futuristischen, halbkugelförmigen Traglufthalle. Hier werden Themen wie „Sinnbilder und Visionen“, „Das unheimliche Meer“ und die künstlerische Wahrnehmung des Meeres modern und multimedial dargestellt. Im Zentrum der Ausstellung wurde ein Experimentierfeld installiert, in dem interaktive Exponate, Multimedia-Installationen und animierte Filme zum Einsatz kommen.

Ebenfalls auf der nördlichen Hafeninsel der Stralsunder Altstadt entsteht bis 2008 das neue OZEANEUM. Auf rund 9700 qm werden die Besucher hier bald entlang einer aufregenden thematischen Route durch die Unterwasserwelt der gemäßigten und polaren Breiten geführt – mit Aquarien bis zu 3000 cbm Größe.

Weitere Informationen …

… zu den saisonalen Öffnungszeiten der Teilbereiche des Deutschen Meeresmuseums, Eintrittspreisen und zur Anfahrt gibt es im Internet auf
www.meeresmuseum.de
oder telefonisch unter (0 38 31) 2 65 02 10.

flo

Fotos: Deutsches Meeresmuseum