Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Der Vergangenheit eine Zukunft erschaffen
Interessante Berufe: Restaurator
„Er erhält, was uns gefällt“ – das klingt recht beliebig, ist es aber gar nicht. Denn Alexander Renz gehört zu einer Berufsgruppe, deren Bezeichnung an eine Action-Figur oder einen Superhelden erinnert. Man nennt ihn auch
den Restaurator!
Freunde markiger wie schnörkelloser Aussagen finden in dem 1967 in Esslingen Geborenen einen Gleichgesinnten. „Ein Mann, ein Wort“ – so lautet die Devise des 40-jährigen Handwerkers. Gut nur, dass er für diesen Besuch eine Ausnahme gemacht und uns Einblicke in sein alles andere als schnörkelloses Tun gewährt hat.
Dabei schien sein Weg von Kindesbeinen an vorbestimmt. Das künstlerische Talent wurde ihm von seiner Mutter in die Wiege gelegt. Ganz klassisch begann er mit einer Ausbildung zum Maler und Lackierer in Kiel.
Mal was anderes
Im Rahmen seiner überbetrieblichen Ausbildung machte er sich nicht nur mit Denkmalpflege vertraut, sondern fand in dem Restaurator Oswald Haar auch einen vorbildlichen Mentor. Schon seit damals, also Mitte der Achtziger, trotzt jener Herr erfolgreich der Rente. Diese Identifikation mit dem Beruf würde auch Alexander nur allzu gern nachleben. Auch er will „arbeiten, bis ich umfalle“.
Über zehn Jahre Berufserfahrung später fühlte Alexander, dass es an der Zeit war für eine berufliche Frischzellenkur. Der mittlerweile erworbene Meistertitel war sein Schlüssel zur Akademie des Handwerks im westfälischen Raesfeld. Eine zweijährige Abendschule am Wasserschloss brachte ihm den staatlich anerkannten Abschluss des „Restaurators im Handwerk“. Wobei dieses Berufsbild klar vom Diplomrestaurator zu unterscheiden ist.
Wie der Name Restaurator nahelegt, versuchen beide, Dinge wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Doch kommt der Diplomrestaurator eher im Vorfeld zum Einsatz, tunlichst noch, bevor ein Wiederherstellen vonnöten wird. Durch Festigen und Säubern versucht er, das ursprüngliche Material zu erhalten. Somit tritt er eher als Konservator auf den Plan. Zwar ist auch der Restaurator im Handwerk bemüht, das Material zu bewahren, doch sollte dies nicht mehr möglich sein, wird er alles daransetzen, den ursprünglichen Zustand mit Hilfe möglichst authentischer Substanzen zu erreichen.
Der etwas andere Kulturreisende
Der Weiterbildung folgten einige Jahre auf Achse. Venedig, Bayern und schließlich wieder Kiel waren die Stationen. In Venedig ergatterte er ein Stipendium für das „Europäische Zentrum Venedig für die Berufe in der Denkmalpflege“, eines der wenigen Stipendien, die es im Handwerk gibt. Auf der Insel San Servolo, inmitten der Lagune, galt es dann, das umzusetzen, was er gelernt hatte – unter anderem an Werken der Renaissance (wie zum Beispiel Fresken).
Seine Beschäftigung in Bayern hat Alexander Renz einmal mehr seiner direkten Art zu verdanken. Statt einem Unternehmen in der Denkmalpflege wie gewünscht die Unterlagen zu schicken, nur um dann vielleicht irgendwann mal eine Antwort zu erhalten, überraschte er seinen Gesprächspartner am Telefon mit dem Vorschlag eines unbezahlten Praktikums. Einen Monat später wurde er übernommen. Die Kirche zu Einsbach in der Nähe von Dachau sollte sein bisher langwierigstes Projekt werden. Über ein Dreivierteljahr durfte er sich hier so richtig austoben. Von der Ornamentmalerei über Kalkfassungen bis hin zu Holzimitationen hat er durch die Bank weg alles gemacht. Apropos: Dreißig Kirchenbänke hat er auch noch im Alleingang restauriert.
Doch sein eigentlich angepeiltes Ziel, die Selbstständigkeit, ist für einen eingenordeten und zudem noch protestantischen Schwaben nun mal schwer umzusetzen in Bayern. Und so standen die Zeichen nach zweieinhalb Jahren auf Abschied.
Nicht nur im „Remake“-Geschäft tätig
Kaum zurück im Norden hat er sein Vorhaben in die Tat umgesetzt. Neben seinen Restaurationskünsten kann er dank autodidaktisch erworbener Schmucktechniken längst auch zahlreiche Aufträge in diesem Bereich annehmen. Darunter fallen Marmor-, Stein- und Holzimitationen, aber auch Schablonier- und Vergoldungsarbeiten. Auch dieser Aspekt seiner Arbeit hat Geschichte, gehen doch die meisten dieser Techniken auf unsere Vorfahren zurück. Die Farben rührt er sich nach alten Rezepten an, und die von ihm ausgeübte Form der Vergoldung, die Polimentvergoldung, reicht sogar bis ins alte Ägypten zurück.
Ein Traum von Raum
Besonderen Reiz übt die Illusionsmalerei auf ihn aus. Das hängt mit der Freiheit zusammen, sich nicht innerhalb fest vorgegebener Grenzen wie in der Restauration bewegen zu müssen, sondern etwas von Grund auf neu erschaffen und der eigenen Vorstellungskraft freien Lauf lassen zu können. Beeindruckend gut ist ihm diese Illusion von Raum und Tiefe im Kurmittelzentrum Zingst gelungen. Hier hat er vier Wänden, jede circa 25 Quadratmeter groß, den Anstrich eines täuschend echt wirkenden Schiffsdecks gegeben.
Wie trügerisch diese Malereien sind, veranschaulicht ein weiteres Beispiel. Auf Wunsch eines Kunden stellte er einen Putzschaden zeichnerisch da, indem er unter seinem aufgemalten Putz ebenfalls aufgetragene Backsteine erkennen ließ. Der Techniker allerdings, der auf dieser Fläche eine Klingel installieren sollte, wies den Maler auf dessen vermeintlichen Pfusch hin. Je nach Größe kann ihn ein solches Projekt zwischen zwei bis drei Wochen vereinnahmen. Vorskizziert wird dabei kaum! Ein solches Bild wächst nach seinen Aussagen während der Entstehung.
Und für die Zukunft? Da sieht Alexander Azubis oder sogar Angestellte. Doch das ist noch reine Zukunftsmalerei
ath
Weitere Informationen unter www.a-renz.de










