Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Den richtigen Ton treffen
Historische Straßen: Im Ruppiner Land lockt die Deutsche Tonstraße mit Kultur und Geschichte
Am Anfang gab es vier in der Eiszeit entstandene Becken mit riesigen Tonvorkommen. Dann brachte der Rohstoff den wirtschaftlichen Aufschwung und machte das Ruppiner Land zum größten Ziegeleistandort Europas. Heute ist der Ton das touristische Kapital dieser Region im nördlichen Brandenburg. Die 215 km lange Deutsche Tonstraße spürt die Zeugnisse jener Epoche auf und lädt ihre Besucher ein, den Spuren von Ton, Kachelöfen und Ziegeleien zu folgen.
Ton in Ton
Die Herstellung von Tonwaren gehört zu den ältesten Produktionstechniken der Menschheit und lässt sich bis 5000 v. Chr. zurückverfolgen. Nicht nur das Kunsthandwerk machte sich die Entwicklung zunutze. Gerade auch die Bedeutung des Tons als Baumaterial war von größter Tragweite für die Entwicklung der Mark Brandenburg, besonders vom 12. bis 14. Jahrhundert. Durch die Baukunst der Mönche in der romanischen Klosterarchitektur Brandenburgs fand die Ziegelbautechnik eine weite Verbreitung. In einer Region, in der wenig bearbeitbarer Naturstein vorhanden war, wurde jetzt der massive Bau von Gebäuden möglich.
Die klassische Keramik besteht aus Tonmineralien zusammen mit Quarz, Feldspat, Glimmer, Kalk und farbgebenden Verbindungen, die entsprechend den gewünschten Eigenschaften der Fertigprodukte gemischt werden. Durch Zusatz von Wasser entsteht eine Masse, die in die gewünschte Form gebracht wird. Erst durch das Trocknen und das anschließende Brennen wird das Material hart und dicht, bei Temperaturen über 1000 °C auch wasserdicht.
Für jede Tonart
Die Strecke der Deutschen Tonstraße bietet viele bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten, die um das Thema Ton als Material kreisen. Keramikwerkstätten und Galerien gewähren Einblick in das handwerkliche und künstlerische Schaffen vieler Generationen. Es gibt aber auch zahlreiche idyllische Seen, die aus den Tonstichen entstanden sind und heute vielen Tieren und Pflanzen Raum zum Leben geben.
Ausgangspunkt der Route ist die Stadt Velten, die einst für ihre Veltener Kachel mit weißer Schmelzglasur und für die Kachelöfen international berühmt war. Bis zum Jahre 1900 wurden über 30 Ofenfabriken errichtet, die jährlich ca. 100 000 Kachelöfen herstellten. Das „Ofen- und Keramikmuseum“ gilt als Perle unter den Museen der Mark Brandenburg und stellt auf zwei Etagen der alten Ofenfabrik neben alten Öfen, Ofenteilen, Kacheln und Ofenschmuck auch Gefäß und Zierkeramik aus. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Gebiet an der oberen Havel mit ca. 50 Betrieben der größte Ziegelstandort Europas mit dem längsten Industriebahnnetz. Die beiden Weltkriege ließen die Ziegelindustrie zusammenbrechen. Im Jahr 1991 schloss auch die letzte Ziegelei ihre Tore. Um der Nachwelt die einstige Produktionsweise zu erhalten, wurde auf dem Gelände mehrerer Ziegeleien in Mildenberg der Museumspark „Technische Denkmale Mildenberg“ aufgebaut. In einem gut erhaltenen, begehbaren Ringofen ist eine Ausstellung untergebracht. In einem anderen Gebäude ist eine restaurierte Dampfmaschine zu sehen. Eine zur Personenbeförderung umgebaute Werksbahn verbindet die verschiedenen Museumsteile. In dem 1997 restaurierten Ofen 3 kann die interessante Bauweise und Funktion des Hoffmannschen Ringofens erkundet werden, da das Innere des Baukörpers mit seinen Kanalführungen zugänglich gemacht ist.
Eine der touristischen Anziehungspunkte im Norden von Brandenburg ist die Kleinstadt Rheinsberg, wo schon Friedrich II. königlich residierte. Auch durch die literarischen Werke von Kurt Tucholsky und Theodor Fontane wurden Schloss und Park berühmt. Doch Rheinsberg hat noch mehr zu bieten, unter anderem Keramikmanufakturen mit Werksverkauf, die aus dem 13. Jahrhundert stammende gotische Feldsteinkirche oder auch das Zinnfigurenmuseum.
Und am Abend einen Gin TONic
Die Deutsche Tonstraße hält für ihre Besucher neben den kurz vorgestellten Sehenswürdigkeiten noch zahlreiche weitere interessante Stationen bereit. Und auch um das leibliche Wohl muss sich hier niemand sorgen: Das Angebot an Restaurants mit traditioneller Küche ist groß und lädt ein zu weiteren Entdeckungen und Genüssen.
jp








