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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Das höchste Glück der Erde ...

Fürstliche Hofreitschule Bückeburg

Die einzigartige barocke Hofreitschule in Bückeburg bittet zum Tanz der noblen Pferde.

Wir schreiben das Jahr 1110. Graf Adolf von Schauenburg wird von Herzog Lothar von Süpplingenburg mit der Grafschaft Holstein belehnt … So oder so ähnlich könnte unsere Geschichte an dieser Stelle beginnen. Aber so weit wollen wir dann doch nicht ausholen.

Wir betreten das Schloss und schlendern durch den Gelben, den Grünen, den Weißen und den Goldenen Saal, bestaunen den Gobelin- und den Großen Festsaal, durchschreiten andächtig die Kapelle und den Marmorgang, verweilen ein wenig im Jagdzimmer, genießen die Sonne im Innenhof und etwas Süßes im Parkcafé. Nur Biergarten und Wohnmobilstellplätze erinnern uns daran, dass ein neues Jahrtausend längst angebrochen ist.

400 Jahre im Schritt, Trab und Galopp
Herzstück Bückeburgs aber ist die Fürstliche Hofreitschule, ein Projekt der Familie Krischke unter der Schirmherrschaft Alexanders Fürst zu Schaumburg-Lippe. Deutschlands einzige Schule der barocken Hofreitkunst ist zweifellos einer der schönsten Fürstenhöfe Europas, ein lebendiges Denkmal am Fuße des Weserberglandes, 1609 erbaut durch einen Urahn des Fürsten und bis heute berühmt für seine Bückeburger Rassepferde. Zu den Hofanlagen gehören der historische Marstall (gebildet aus dem althochdeutschen „marha“ für Mähre und „Stall“; bezeichnete in fürstlichen Hofhaltungen die Gebäude für Pferde, Wagen, Kutschen und Geschirr bzw. die Gesamtheit aller Pferde eines Fürsten), das Marstallmuseum, zwei Stalltrakte, ein Reithaus und der Schulhengststall.
Die herrschaftliche Equipe besteht aus hauptberuflichen Bereitern, dem Hofreitmeister Wolfgang Krischke, der ersten Oberbereiterin Christin Krischke und der Hofbereiterin Diana Krischke, sowie aus nebenberuflichen Bereitern, Gastreitern, dem Stallmeister, Hofkutscher, Servicepersonal und einem Hoffotografen.

Tanz der nobelsten Pferde der Welt
Der Marstall beherbergt 18 Hengste der heute noch existierenden Barockpferderassen, z. B. Lusitanos, Lipizzaner und Knabstrupper. Für jedes Tier gibt es nur einen Bereiter, einen „tierischen Kollegen“ als Double für Vorführungen sowie einen weiteren „Kollegen“, der sich noch in der Ausbildung befindet.

Das niedersächsische Bückeburg ist die Heimat einer weltweit anerkannten Akademie barocker Reitkunst, die sich ganz deren Erhaltung, Vermittlung und Pflege verschrieben hat. Es gilt, die Praxis der „Hohen Schule über der Erde“ (die schwierigsten Dressurlektionen), der Kunstgangarten und Damensattel-Reiterei, der angewandten Reit- und Fechtkunst sowie des in der Hochzeit des Mittelalters weit verbreiteten Tjostens (Duell mit der Lanze) im authentischen Stil zu bewahren.

Die Akademie unterscheidet zwischen passiven Gästen, die ohne Pferd die Hofreitschule und Reitkunstseminare besuchen, und aktiven Gästen, die mit ihren Tieren am Reitunterricht teilnehmen – sofern in der Aufnahmeprüfung das erforderliche Mindestniveau bestätigt werden kann.

Reitkunst – Kulturerbe der Menschheit
Seitengänge, Piaffe, Passage, ja sogar Galopp-Pirouetten … Wohl nur die Kenner unter uns sind jetzt nicht verdutzt. Die verschiedenen Reitkunstseminare bauen inhaltlich aufeinander auf und vermitteln neben Hintergrundwissen zu Geschichte, Pferdegesundheit und Ausrüstung das richtige Verhältnis von Lob und Strafe, schulen intensiv das „Kennerauge“, bieten einen beeindruckenden Blick hinter die Kulissen und decken das ganze Spektrum historischer Waffengänge zu Pferd ab. Der Unterricht geschieht einfühlsam, zielorientiert und basiert auf der Freude an der Arbeit mit dem Pferd.

Barocke Pracht erwacht zu neuem Leben
Eine Führung mit einem Hofbereiter – den krönenden Abschluss bildet das Verwöhnprogramm für die Schulhengste mit Äpfeln und Möhren – wird nicht nur Pferdeliebhaber begeistern. Wer Lust hat, Bückeburg wie ein Fürst zu erleben, möge bitte in einem der nostalgischen Linzerwagen Platz nehmen zu einer romantischen Fahrt durch Schlosspark und Altstadt. Ein reichlich gefüllter Picknickkorb ist mit von der Partie.

Ob Sektempfang, Quiz oder ausgiebiges Stöbern in der Souvenirboutique – ein Aufenthalt in Bückeburg ist immer kurzweilig. Absolutes Highlight aber sind die majestätischen Reitkunstdarbietungen: lebendige Vorführungen zu klassischer Musik, begleitet von anschaulichen Erklärungen und verschönt durch barocke Künste wie Gesang, Kammermusik, Tanz, Falknerei und Fechtkunst. Im Zentrum stehen natürlich die prächtigen Hengste, die alle Facetten der Reitkunst in eleganter Präzision präsentieren.

Zum Beispiel das Programm „Mystische Nacht“ – zwei Stunden Unterhaltung der fürstlichen Art – verzaubert das Publikum immer wieder aufs Neue mit Livemusik, Illuminationen, Special Effects und Gastkünstlern aus allen Himmelsrichtungen.

Die „Gala der Künste“, die prächtigste der lebendigen Vorführungen, überrascht mit neuem Programm. Kostüme vieler Epochen können ebenso bewundert werden wie edle Schulhengste. Eine anspruchsvolle Choreografie, garniert mit folkloristischen Elementen, verspricht eine unvergessliche Darbietung. Neu im Veranstaltungskalender: die „Parade der Fürstenpferde“.

1000 schöne Ideen also, die auch in Form eines Geschenkgutscheins immer gut ankommen. Einen ausführlichen Überblick bietet die Internetseite mit Terminen, Fotogalerie und virtueller Marstallboutique: www.die-hofreitschule.de.
Telefon (0 57 22) 89 83 50.

tide

Fotos: Niels Stappenbeck