Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Darfs noch etwas Farbe sein?
Interessante Berufe: Filzerin
Wie bunt man es mit einem alten Handwerk treiben kann, zeigt Doris Kautz aus Gadendorf bei Lütjenburg.
KAUTZereien“ steht auf dem kleinen Schild geschrieben, das den Besucher vor der Eingangstür begrüßt, und natürlich hockt ein gezeichneter Eulenvogel dieser Gattung gleich daneben. Erst beim Weiterlesen erfährt man, worum es hier eigentlich geht: um Werke aus Wolle, Stein, Holz und Meer.
Das mit dem Meer kann man bei Doris Kautz durchaus wörtlich nehmen. Immerhin liegen zwischen ihrem Häuschen im schleswig-holsteinischen Gadendorf und der Ostsee gerade mal sechs Kilometer. Kein Wunder also, dass Muscheln, Steine und anderes natürliches Treibgut ebenso zu ihren Arbeitsmaterialien zählen wie die Wolle, aus denen sie Filztextilien aller Art und jeder Form herstellt.
Von (fast) nichts kommt viel
„Ich muss werkeln“, sagt die gebürtige Pansdorferin, „sonst fehlt mir was.“ Stimmt wohl, denn woran es in ihren gemütlichen vier Wänden keinesfalls fehlt, das sind Zeugnisse ihrer Kreativität. Wie etwa ein archaisch anmutender Bildrahmen, dessen Seitenteile aus gestrandeten Holzstücken bestehen und der auch ohne Motiv bildschön aussieht. Oder von Hand bemaltes Einschlagpapier, mit dem das persönliche Geschenk noch eine Spur persönlicher wird. Und natürlich eine Vielzahl bunt schillernder, wollener Filze, die sich dem Betrachter in Gestalt von Blusen, Tops, Westen, Jacken, Schals und Hüten präsentiert. Wie zur Vorführung bereit hängen die gefilzten Textilien dicht an dicht auf Bügeln von einer Stange herab – und wer diese Unikate betrachtet, erliegt schnell dem Verlangen, sie auf der bloßen Haut zu spüren.
Der Hang zum Schöpferischen – vermutlich ist er Doris Kautz in die Wiege gelegt worden. Ebenso wie die Liebe zur Natur und zu allem Natürlichen. Dass sich diese Neigungen unter ihren Händen einmal paaren würden, bedurfte allerdings einer gewissen Vorlaufzeit. Nach dem Studium der Sozialpädagogik schulte sie zunächst eine andere ihrer Gaben, die der „sozialen Kompetenz“, wie es recht verklausuliert im Fachjargon heißt. Insgesamt sieben Jahre arbeitete sie mit psychisch erkrankten Menschen. Wichtige Jahre waren das für sie, Jahre, in denen jede einzelne Begegnung zur Erkenntnis führte, dass die Seele stets Anspruch auf eine individuelle Wahrnehmung hat. „Übrigens nicht nur die von Zweibeinern“, wie sie mit Blick auf ihre beiden Katzen liebevoll ergänzt.
„Da ist doch noch was
“
Unausgefüllt war ihr Leben in dieser Zeit gewiss nicht, denn wer sich ganz und gar auf das Schicksal anderer einlässt, „hängt seinen Kittel nach Dienstschluss nicht einfach an den Kleiderhaken“. Aber war es auch die Erfüllung? Einen entscheidenden Schritt in diese Richtung bedeutete der Um- und in gewissem Sinne auch Rückzug aufs Land, wo sie seit Herbst 2000 wohnt. Kein Rückzug vom Leben, vielmehr ein Rückzug von der Unmöglichkeit zu leben. „Zweifellos hat die Stadt ihre Vorzüge“, sagt sie, „aber schauen Sie doch selbst
“ Und dann geht der Blick durchs Fenster hinaus in den großen Garten, wo sich Bäume, Beete und Sträucher vor dem Meereshorizont wie zu einem Gemälde gruppieren.
Da wundert es kaum, dass selbst der Computer in ihrem Wohnzimmer zum Möbelstück wird. Ganz einfach, weil er nach Gebrauch wieder unter einer schönen Decke verschwindet. Eine notwendige Anschaffung, die ihr die buchhalterischen Arbeiten erleichtert. Zu denen zählt auch das Organisieren ihrer Filz-Kurse. Jetzt, nach den vielen Ausstellungen zu Weihnachten, konzentriert sie sich wieder verstärkt darauf, ihr Wissen und Können an andere zu vermitteln.
In der Regel sind es Frauen, die sich für ihre Wochenendseminare anmelden. Das obligatorische Versprechen zu Beginn, das jeder Teilnehmer am Ende ein schönes Stück von eigener Hand mit nach Hause nimmt, hat sie bisher immer eingelöst. Was wohl mit ein Grund ist, warum so manche ihre Kurse wiederholt besuchen.
Kleider machen Leute – und auch Elfen
Filz lässt sich sehr vielseitig verarbeiten, die Anmutung der Kleidungsstücke reicht von urwüchsig über kuschelig bis elegant. Höchste Zeit also für eine abschließende Modenschau. Und spätestens die führt aufs Schönste vor Augen, wie gut die Filzerin aus Gadendorf ihr Handwerk versteht.
Das „kleine Schwarze“ (oder auch Bunte – denn nach eigenem Bekunden „rutscht“ ihr bei Einfarbigen gern mal die Farbe aus) ist ebenso vertreten wie die warme Jacke für kalte Tage, der Hut für Zauberer, die Schuhe für Narren sowie Elfenleibchen und -blusen für Feen. Letztere sind zarte Kreationen aus weicher Wolle und Seide, zeitlos schöne Stücke, die ein Hauch Mystik umgibt. Insgesamt eine Kollektion aus märchenhaften und alltagstauglichen Unikaten.
Ein wenig Filzkunde
Beim Filzen handelt es sich um ein sehr altes Handwerk, das im asiatischen Raum schon vor ca. 2500 Jahren zur Herstellung u. a. von Zelten, Kleidung und Satteldecken verwendet wurde. Filz entsteht, indem Wolle mit Druck mechanisch bearbeitet wird; bei diesem Vorgang verhaken sich die Wollfasern untrennbar miteinander.
Beim Nassfilzen wird heißes Seifenwasser verwendet, das beispielsweise mittels der Reibe- und Rolltechnik in die Wolle eingearbeitet wird. Beide Techniken eignen sich insbesondere für Hüte oder flächige Teile. Für kleinere Filzarbeiten wie Kuscheltiere eignet sich das Trockenfilzen – hierbei wird die Verzahnung der Wollfasern durch spezielle Filznadeln erreicht, die mit kleinsten Widerhaken versehen sind.
Unterschiedliche Wollarten filzen auch unterschiedlich gut, hervorzuheben sind etwa Gotland- und Merinowolle. Übrigens: Interessant gestaltet sich das Filzen mit Wolle auf anderen Stoffen wie Seide oder Baumwolle. Dadurch können feine, fließende Verläufe geschaffen werden.
Kontakt
Wer sich ein Kleidungsstück (oder auch etwas anderes) nach individuellen Wünschen filzen lassen möchte oder Interesse hat an einem Kurs, meldet sich bitte telefonisch an bei:
Doris Kautz
Karkredder 8, 24321 Gadendorf
Telefon/Fax: (0 43 81) 41 89 36
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