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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Darf es etwas mehr Kunst sein?

Ein Anziehungspunkt nicht nur für Dichter und Denker: Thüringen.

Zugegeben: Als bekennender Kunstbanause befindet man sich im kleinen Bundesland östlich von Hessen vielleicht ein wenig auf verlorenem Posten – immerhin lauert nahezu überall zwischen Eisenach, Meiningen und Gera das Erbe eines Genies.

Aber auch wer mit Goethe, Schiller und deren Gleichgesinnten nicht so viel anzufangen weiß, verliert an Thüringen schnell sein Herz. Neben kulturellen Highlights wie Weimar und Erfurt verfügt die Region über eine Vielzahl an grünen Oasen – allen voran der schöne Thüringer Wald.

Im Olymp der Bildung

Gut 140 Jahre bevor Weimar der ersten Republik auf deutschem Boden ihren Namen gab, tat sich die Stadt schon einmal als Pate hervor – seinerzeit allerdings unter einem deutlich glücklicheren Stern. Denn während der Versuch einer Demokratie nach nur 14 Jahren in einer Katastrophe endete, steht die Weimarer Klassik noch heute für eine der bedeutendsten Kunstepochen überhaupt. Nicht nur Deutschlands »Dichterfürst« Goethe lebte und wirkte hier zu jener Zeit, auch Schiller, Herder und Hegel sowie die Gebrüder Humboldt prägten nachhaltig das kulturelle Geschehen zwischen 1770 und 1800.

Es ist Anna Amalia, die Frau des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach, die der provinziellen Residenzstadt – eher zufällig – zu Weltruf verhilft. Indem sie dem Dichter Wieland die Erziehung ihrer Söhne anvertraut, lockt sie in den Folgejahren auch viele andere Künstler nach Weimar und wird so quasi zur Schirmherrin einer epochalen Ära.

300 Kilometer Kulturgenuss

Weimar ist nur eine Station von vielen, die den Besuch des Bundeslandes lohnenswert macht, denn tatsächlich verbindet die »Klassikerstraße Thüringen« gleich neun geschichtsträchtige Städte miteinander.

In Eisenach begegnet der Besucher dem Theologen und Kirchenreformer Martin Luther, der nach Veröffentlichung seiner revolutionären 95 Thesen (unter anderem gegen den Kirchenablass) in der Wartburg Zuflucht fand. Gotha wiederum kann als Zentrum der deutschen Aufklärung betrachtet werden, denn niemand Geringeres als Voltaire hat hier, nach seinem Zerwürfnis mit Preußenkönig Friedrich dem Großen, noch eine Zeit lang verbracht, ehe er dem schwierigen Monarchen endgültig den Rücken kehrte.

Die Stadt Erfurt blick auf eine fast 1400-jährige Geschichte zurück. Im Mittelalter kreuzten sich hier die »Via Regia«, die von West nach Ost verlief, mit der nordsüdlich verlaufenden Handelsroute. Dieser Umstand machte den Ort zu einem wirtschaftlichen Knotenpunkt. Nicht minder bemerkenswert: Bereits 1392 öffnete hier die größte Universität Mitteldeutschlands ihre Pforten. Aber auch die Gegenwart der Stadt lädt zum Genießen ein – sei es der Anger (Erfurts Haupteinkaufsstraße), der Fischmarkt oder die Futterstraße, die einst von den Pferdefütterern gesäumt wurde.

Weitere Ausflugsziele auf dieser empfehlenswerten Route sind Jena (in dieser Stadt verbrachte Schiller nicht nur zehn Jahre seines Lebens, hier wurde er nach langem, bangem Warten endlich auch von Goethe erhört), Arnstadt (seit dem 17. Jahrhundert die »Bach-Stadt« schlechthin und zugleich das Tor zum Thüringer Wald) sowie Meiningen, dessen Hoftheater im 19. Jahrhundert Erfolge in ganz Europa feierte.

»Entspannen Sie sich!«

Thüringen lässt den Gedanken freien Lauf – auch jenseits von Museen, Wirkungsstätten berühmter Zeitgenossen und Ehrendenkmälern. Wer zwischendurch einfach nur mal Atem holen oder ein paar Schritte tun möchte, hat vielerorts Gelegenheit dazu – angefangen beim weitläufigen Thüringer Wald über die ausgedehnten Grünanlagen wie den Greizer Park oder den Englischen Garten in Meiningen bis hin zum Orangeriegarten in Gotha, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

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bth

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Das bekannte Goethe- und Schiller-Denkmal in Weimar wurde 1857 enthüllt und zeigt den eigentlich deutlich kleineren Schillder respektvoll in der gleichen Größe wie seinen Dichter-Kollegen.
Rund 1250 Jahre alt sind die Gemäuer des Erfurter Doms, der zum Glück auch den Bombenhagel des 2. Weltkriegs recht gut überstand.
Fotos: Shutterstock (2), Marion-Granel/Pixelio(1)