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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Damals war’s...mitten im Leben!

Mittelalterliche Märkte im süddeutschen Raum

Wollten Sie sich schon immer einmal als „edler Recke“ oder „holde Maid“ fühlen? Heldenhaft im Turnier beweisen, dass da ein echter Ritter in Ihnen steckt –oder derart verlockend mit den Burgfräulein-Röcken rascheln, dass sich umgehend eine stolze Zahl bedingungsloser Minne­diener um Sie schart? Kein Problem! Die guten alten Zeiten sind oft zum Greifen nah …

Zeit für eine Zeitreise!

Jede Menge „Mittelalter, Mummenschanz und Völlerei“ können Sie zum Beispiel vom 8. bis 10. September 2006 auf dem „Schlossspektakel zu Argenbühl-Ratzenried“ (in der Nähe von Wangen im Allgäu) oder vom 13. bis zum 15. Oktober auf dem „Historischen Markttreiben zu Meersburg“ (am Bodensee) erleben. Beides wird von „MMV Inge Belz, Veranstaltungsagentur für mittelalterliche und historische Themenfeste“ arrangiert.Hier können Sie die schnöde moderne Welt des computerregierten Arbeitsplatzes hinter sich lassen und stattdessen tief in das Reich der Edelleute, Bogenschützen, Küfer, Wagner und Schmiede, Gaukler und Propheten eintauchen.

Der „Marktsprech“ gehört dazu

Doch bevor Sie tauchen: Üben Sie den „mittelalterlichen Marktsprech“! Oder wundern Sie sich wenigstens nicht da­rüber, dass vor Ort so komisch geredet wird.„Seyd gegrüßet, ehrenwerte Leut’“ ist das Mindeste, was Sie zum Empfang erwarten dürfen, und mit „Gehabt Euch wohl“ nimmt man stilecht Abschied voneinander.Beim Marktsprech sind der Fantasie und dem persönlichen Improvisationstalent kaum Grenzen gesetzt. Hauptsache, es klingt irgendwie nach „Luther (oder noch älter)-Deutsch“ – und moderne Begriffe werden tunlichst vermieden. So werden Euros zu „Silberlingen“, Feuerzeuge zu „Taschendrachen“ und Laptops zu „magischen Glasscheiben“.Den „Marktsprech“ hat – streng historisch gesehen – zwar niemand gesprochen, bevor sich die Mittelaltermärkte ab den 1980er-Jahren wachsender Beliebtheit erfreuten, aber er macht jede Menge Spaß!

Zurück in eine „neue“ alte Welt

Nicht nur für Ohr und Zunge, sondern auch fürs Auge gibt es auf mittelalterlichen Märkten viel zu erleben. Künstler, Handwerker und Händler aus ganz Deutschland sorgen für ein buntes Treiben in stilechter Kostümierung und Ausstattung.

Hier kann man sich in der historischen „Zimmerey“ und „Töpferey“ oder im Spinnen und in der „Färberey“ auf pflanzlicher Grundlage kundig machen und auch Gerbern, Bognern und Punzierern, Filzern, Seilern und Laternenmachern wie in alter Zeit noch direkt auf die Finger schauen. Auch Selbermachen ist oft erlaubt – vor allem für die Kleinen, die hier liebevoll „die Bälger“ genannt werden.

Von den Händlern werden mittelalterlich anmutende „Gewandungen“, Kopfputz und passender Schmuck feilgeboten. Man kann sich hier aber auch mit Trinkhörnern, hölzernen Küchenutensilien oder Spielzeugschwertern, „Hexerey“-Bedarf (wie Heil- oder Runensteinen, Karten und Pendeln), „Kräutereyn“ und vielem mehr versorgen.
Auch für das leibliche Wohl ist natürlich gesorgt. Zum Beispiel mit Spezialitäten wie wilden Kartoffeln, Drachengrillwurst, Dinkelsuppe, Sau am Spieß, orientalischen Trockenfrüchten und Nüssen frisch aus der „Brennerey“. Die Mundschenke des Marktes halten Kirsch- und Honigbier, Most und Fruchtbowlen, historische Weine und diverse Elixiere mehr bereit.

Für zeitgemäßen Ohrenschmaus dagegen sorgen Musiker mit Dudelsäcken und Trommeln. Feuerzauberer, Märchenerzähler, Wahrsager und des Gauklervolkes mehr unterhalten das Publikum.

Und natürlich reisen zu den Markttagen auch zahlreiche hochmittelalterliche Edelleute „zum Anfassen“ an. Sie schlagen hier ihr Lager auf, um die Besucher aus der modernen Zeit mit stilechten Tafelrunden, höfischen Tänzen und Schaukämpfen zu erfreuen. Beim „Schlossspektakel zu Argenbühl-Ratzenried“ sind zudem auch eine Tavernenschlägerei und sogar die Inquisition zu erwarten.

Ganz authentisch? Spaß haben!

Akademische Historiker finden an der „Authentizität“ solcher Spektakel sicher einiges zu kritteln. Doch hier findet ja schließlich kein wissenschaftlicher Kongress für experimentelle Archäologie statt, sondern ein Volksfest mit besonderem Flair; und da ist Spaß das Allerwichtigste! Den werden Sie ganz bestimmt auch haben, wenn Sie einen Tag lang einfach einmal auf das „Zeiteisen“ statt auf Ihre Armbanduhr schauen – und sich ganz wie ein noch an „Zauberey“ glaubender Mittelaltermensch (oder wie Ihre Kinder!) von der bunten Welt um sich herum faszinieren lassen. Also: Spielen Sie doch einfach mit!

Termine im Mittelalter

8. bis 10. September 2006
Schlossspektakel zu Argenbühl-Ratzenried

13. bis 15. Oktober 2006
Historisches Markttreiben zu Meersburg

Weitere Informationen zu diesen Veranstaltungen finden Sie in Internet unter
www.mmv-ib.de

mimu

Fotos: Inge Belz