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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Buda, Pest und viel Natur

Ungarische Impressionen

Als am Abend des 11. September 1989 die Nachrichtenbilder über den Bildschirm flimmern, erstarrt die Welt in ungläubigem Erstaunen: Bürger der DDR betreten österreichischen Boden – und kein Grenzbeamter verlangt nach ihren Papieren. Allerdings sind es auch keine Vopos, die dort ihren Dienst tun, sondern ungarische Staatsdiener, die auf Weisung ihrer Regierung handeln. Der eiserne Vorhang hat einen Riss bekommen, rund 500 km südlich von Berlin.

Im Westen viel Neues

Im Rückblick auf Ungarns jüngere Geschichte wundert es kaum, dass ausgerechnet hier der Fall der Mauer seinen Anfang nimmt. Von allen Warschauer-Pakt-Staaten zeigte das Land der Puszta stets am unverhohlensten seine Sympathie für westliche Strukturen und Moden, und natürlich tat es das nicht ungestraft. Die Reformbestrebungen gipfelten im Ungarn-Aufstand von 1956 und endeten mit dessen blutiger Niederschlagung durch sowjetische Truppen am 4. November desselben Jahres. Es brauchte Jahre, ehe sich die Psyche der Nation davon erholte und abermals eine geistig-kulturelle Liberalisierung einleiten konnte. Im Zuge dessen entwickelte sich Ungarns Wirtschaftssystem zum erfolgreichsten der Comecon-Staaten.

Auf ins Gellertbad

Vorschusslorbeeren tun niemals gut – das gilt auch für eine Stadt wie Budapest, die zu den schönsten Metropolen Europas zählt. Womöglich liegt es an ihrer Größe und der Hektik in den Straßen, weshalb ein Besucher erst einmal innehalten muss. Schon aus diesem Grund empfiehlt sich ein Gang in eines der vielen Thermalbäder; dort findet man die nötige Entspannung, um „der Schönen“ anschließend seine Aufwartung zu machen. Wer sich angesichts des reichen Angebots nicht entscheiden kann, trifft mit dem geschichtsträchtigen Gellertbad an den Ufern der Donau eine gute Wahl. Auch wenn das berühmte Hotel einen leicht angestaubten Charme versprüht und das obligatorische Geigenspiel beim Essen nicht jedermanns Sache ist: Im wohltuenden Nass und beim Schwitzbad zeigt sich die Tradition des Hauses von ihrer angenehmsten Seite.

Verschaffen Sie sich Überblick

Ursprünglich bestand Ungarns Hauptstadt aus drei Teilen: Pest, Buda und Obuda. 1872 wurden sie unter dem Namen Budapest zu einer Einheit. Der Donaustrom teilt das hügelige Buda mit seiner Burg vom flacheren Pest. Und Letzteres dient dem Touristen in der Regel auch als Ausgangspunkt für seine Streifzüge.

Nach dem erholsamen Aufenthalt im Schwitzbad hat der ein oder andere nicht nur Lust, sondern wohl auch genügend Elan, auf den Gellertberg gleich gegenüber hinaufzustapfen. Er liegt, wie das Bad, auf der Budaseite und bietet einen wunderschönen Panoramablick über die Stadt mit ihren gut 2 Millionen Einwohnern. Von hier aus zu sehen sind u. a. das Parlament, der Burgberg und selbstverständlich die mächtige Donau.

Der Burgberg hatte schon im Mittelalter eine strategisch wichtige Bedeutung, erhebt er sich doch immerhin fast 200 m über den Meeresspiegel. Der Besucher findet hier einen einladenden Mix aus heimeligen Gassen, schönen Plätzen, vielen kulturellen Einrichtungen und natürlich zahlreichen Cafés zum Verweilen. Ehe man wieder den Weg nach unten antritt, sollte man unbedingt noch einen Blick auf das Denkmal des heiligen Märtyrers Gellert werfen, dem die Erhebung ihren Namen verdankt.

Immer der Nase nach

Sobald wieder die Pester Seite erreicht ist, entscheidet der Appetit darüber, ob man an dem fest vorgenommenen Kultur-Fahrplan festhält oder doch erst mal einen Abstecher zum Lehel-Markt macht. „Ist doch nur eine weitere Markthalle“, wird der noch unkundige Tourist vielleicht sagen und an die unzähligen anderen denken, die er bereits auf seinen Reisen kennen gelernt hat. Der 1890 erbaute Lehel-Markt aber, dies wird auch er bei seiner Ankunft einräumen, stellt nicht nur aufgrund seiner Größe alle Konkurrenten in den Schatten, er ist ein architektonisches Glanzstück und ein wahres Mekka für alle Feinschmecker. Da­rüber hinaus dienen die riesigen Hallen als Begegnungsstätte für alle sozialen Schichten. Vegetarier seien allerdings gewarnt: Das in großen Mengen präsentierte rohe Fleisch birgt als regionale Delikatesse gern auch mal einen Schweinekopf. In dem Fall sollte man sich umgehend den zahlreichen Gemüseständen zuwenden.

Dicke Luft

Bei allen Genüssen, die Budapest dem Auge und dem Gaumen zu bieten hat, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Ungarns Hauptstadt trotz allem eines bleibt: eine Großstadt. Das Überqueren einer der Hauptverkehrsadern gerät somit ebenso zu einem Geduldsspiel wie das Auffinden eines lauschigen Plätzchens inmitten des Zentrums. Der alles dominierende Autoverkehr und die endlosen Staus in der Rushhour lassen sich nur schwer ausblenden und stellen auch den gesundheitlichen Profit eines jeden Jogging-Laufs bedenklich in Frage. Doch keine Sorge: Wem die Stadt zu hektisch wird, der kann sich auf die Margareteninsel zurückziehen. Sie liegt, genau zwischen Buda und Pest, in der Donau, misst 2,5 km Länge und lässt dank vieler Blumenrabatte und schöner Grünflächen wirklich jeden den Trubel auf dem „Festland“ vergessen. Das glauben Sie nicht? Dann fragen Sie doch mal eines der vielen Liebespärchen, die hier regelmäßig anzutreffen sind. Sofern es nicht gerade stört …

Die Puszta lockt

Fahrradfahrer und Kanuten kommen in Ungarn voll auf ihre Kosten. Flach wie eine Tischplatte präsentiert sich die große Tiefebene, die Puszta, östlich der Donau. „Meer der Ebene“ nannte sie einmal ein ungarischer Dichter – und das klingt auch viel romantischer als „Leere“ und „Ödnis“, wie es in korrekter deutscher Übersetzung heißt. Ganz abgesehen davon, dass die Puszta sehr abwechslungsreich ist.
Anziehungspunkt Nummer eins ist selbstverständlich der 77 km lange Balaton (Plattensee), an dessen meist grünen Ufern sich ungezählte Badeorte säumen. Insbesondere Familienurlaube gestalten sich hier sehr stressfrei, da der See recht flach ist und selbst kleinere Kinder risikolos im Wasser planschen können. Darüber hinaus ist das Freizeitangebot sehr vielfältig.

Nördlich und westlich des Sees zeigt sich Ungarn durchaus hügelig, während südlich eines der besten Rotweingebiete des Landes lockt. Wer allerdings dem berühmten Tokaj auf die Spur kommen will und das zum Weltkulturerbe zählende Weingebiet Tokaji-Hegyalja in Augenschein nehmen möchte, sollte den Norden des Landes aufsuchen.

espa

Weitere Informationen finden sich unter
www.touristiklinks.de/stadt/budapest/

Fotos: C. Mixdorf, Karte: mein coop magazin