Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
Meine Gesundheitsapotheke
Benvinguts a Barcelona!
Sie ist nicht nur die Hauptstadt Kataloniens – Barcelona ist die Welthauptstadt der Herzen. Wer abreisen muss, ist fest entschlossen wiederzukommen.
Angenommen, man hätte den Hauptpreis gezogen und könnte nun wählen: Zwei Wochen Wellnessurlaub in der Karibik oder ein Wochenende in Barcelona ... Letzteres bitte – das ist doch keine Frage! Nun gut, das ist eine subjektive Meinung, aber die kommt nicht von ungefähr.
Im Nordosten der iberischen Halbinsel, auf einem fünf Kilometer breiten Plateau, vor dem sanft gerundeten Hintergrund der Collserda-Bergkette, thront die Fürstin des Mittelmeers. Das bedeutendste Wirtschafts-, Verkehrs-, Bildungs- und Kulturzentrum der Autonomen Gemeinschaft Katalonien wetteifert seit Generationen mit der spanischen Hauptstadt Madrid. Wie im Rest des Landes gilt auch hier das Kastilische offiziell als erste Amts- und Geschäftssprache, jedoch regt sich in Barcelona seit Jahren die Tendenz, das Katalanische, eine eigenständige romanische Sprache mit provenzalischem Einfluss, dem alleinigen Gebrauch zuzuführen. Im Alltag ist die spanische Hochsprache längst überflügelt, auch wenn man als Besucher mit Spanisch- oder Englischkenntnissen bestens zurechtkommt.
Eigenwilliges Profil einer Großstadt
Verschiedene Impulse haben den Charakter der heutigen Millionenstadt geprägt. Unterhalb des alten Zentrums finden sich umfangreiche Reste aus der Römerzeit. Während der Epoche der Gotik entstanden die schaurig-schöne Altstadt mit einer mächtigen Kathedrale als Mittelpunkt und die Ramblas, die berühmten Promenaden, die das Gebiet in das Barri Gotik und Barri Xino zerschneiden.
Der wirtschaftliche Wohlstand des späten 19. Jahrhunderts ließ in Windeseile eine planmäßig angelegte Neustadt entstehen. Die »Eixample« (Ausdehnung) – der Name ist nicht mit dem Wort »Exempel« verwandt, obwohl die jungen Stadtteile ein solches sehr wohl statuieren – wird gekennzeichnet durch einen Schachbrett-Grundriss, Platanenalleen und stattliche Gebäude im Stil des Modernisme (siehe weiter unten). Einen weiteren entscheidenden Anstoß in der Entwicklung zum Touristenmagneten gaben die Vorbereitungen auf die 25. Olympischen Sommerspiele, zum Beispiel durch die zukunftsorientierte Hafenerneuerung. Und wer erinnert sich nicht an die Hymne an diese Stadt, gesungen von Montserrat Caballé und Freddy Mercury, kurz vor seinem Tod?
Fließende Bewegungen, aus Stein gemeißelt
Caballé, Carreras – die Wiege vieler berühmter Persönlichkeiten stand in Barcelona. Lieblingskind der Stadt jedoch ist jener Baumeister, dessen Werke noch heute Architekturstudenten aus aller Welt herbeilocken: Antoni Gaudi. Er selbst erblickte zwar in der Provinz Tarragona das Licht der Welt, Studium und gesamtes Arbeitsleben aber verbrachte er in Barcelona. Seine Handschrift hat das Stadtbild am stärksten geprägt. Er verband historische Muster und pflanzenartig verschlungene Formen des Jugenstils und schuf mit seiner Liebe zum dekorativen, spielerischen und skurrilen Detail eine völlig neue Stilrichtung: die Modernisme (Wende 19./20. Jahrhundert). Da diese auf der Rückbesinnung Kataloniens auf seine ureigene Geschichte, Sprache und Kultur basierte, dehnte sie sich aus auf Literatur, Musik und Tanz.
»Temple de la Sagrada Familia« (»Kirche der Armen«) ist das bekannteste Werk und zugleich Wahrzeichen Barcelonas, obwohl es bis heute unvollendet ist. Von großer Berühmtheit sind außerdem die Casa Batlló, ein Wohnhaus mit frei schwingenden Formen und einer ornamentalen Fassade aus glasierten Keramikfliesen, die an eine Eidechse erinnert, und die Casa Milà. Das Gebäude, das augenzwinkernd auch als Steinbruch oder Steinhaufen bezeichnet wird, gleicht eher einer Plastik als einem Zweckbau. Man wird keine Geraden finden, stattdessen geschwungene Dachlinien und maskenhafte Kamine.
Für einen ganzen Tagesausflug eignet sich der Parc Güell. Hauptakzente der an einer Hügelflanke angelegten Grünanlage sind ein salamanderähnliches Majolika-Tier am Haupteingang sowie eine große Terrasse mit einer sich rundherum schlängelnden Mosaiksitzbank und sensationellem Ausblick auf Stadt und Meer.
Sightseeing, Shopping, Strand und Fiesta
Ein perfekter Tag beginnt am Placa de Catalunya. Entweder steigt man in einen der Doppeldeckerbusse für Touristen, fährt kreuz und quer durch die Stadt, steigt ein und aus nach Lust und Laune, oder man schlendert die Ramblas hinunter und gönnt sich unterwegs ein paar Tapas und Sangria (Achtung: günstiger in einer der Seitenstraßen). Die Fußgängerzone endet am Hafen. Hier erwarten den Besucher ein Einkaufszentrum, Diskotheken, ein 3-D-Kino und ein gigantisches Schauaquarium.
Etwas außerhalb des Zentrums befindet sich Camp Nou, Europas größtes Stadion, mit Museum für unsere Fußballfreunde. Aber siehe da – einen Ball kann man auch werfen! Direkt gegenüber steht das Palau Blaugrana, Heimstätte des siebenfachen Handball-Championsleague-Siegers, dessen Allerheiligstes im vergangenen Jahr erstmals von einem deutschen Verein, dem THW Kiel, siegreich erstürmt worden ist.
Aber abgesehen davon lässt sich wohl jeder, der diese Stadt besuchen kommt, wenigstens einmal dazu hinreißen, voller Begeisterung zu rufen: Barca! Barca!
Reisetipp
»Festes de la Mercé« - Patronats- und Stadtfest
Eine Woche lang, um den 24. September herum, feiert sich die Stadt selbst mit Open-air-Konzerten und traditionellen Tanzdarbietungen.
Parallel präsentieren die Winzer der Region ihre edlen Tropfen auf einem kleinen Weinfestival am Hafen.
Wer es weniger turbulent liebt, sollte einen anderen Zeitpunkt wählen.
Und zur Einstimmung folgende Buchtipps: »Der Schatten des Windes« und »Das Spiel des Engels« von Carlos Ruiz Zafón (beide erschienen im S. Fischer Ve






