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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Auf der Suche nach den Baumriesen

Wo Träume noch Wirklichkeit werden: die Westküste der USA.

Es gibt Orte auf der Erde, an denen selbst kühnste Träume noch Wirklichkeit werden können: wildzerklüftete, waldreiche Gebirge, schier undurchdringliche Wildnis, feinsandige Strände, atemberaubende Naturschauspiele wie die des urgewaltigen Ozeans, aber auch monumentale Architektonik sind der ideale Nährboden für Abenteuer aller Art.

Die Pazifikküste der USA gehört zu den magischen Regionen, die Touristen aus aller Welt in ihren Bann ziehen. Auf einer Reise von San Francisco bis in das Land der Baumriesen an der Grenze zum Staat Oregon erliegen wir den zahllosen Reizen unserer Umgebung.

1000 Kilometer gen Norden
Wir starten unsere Reise in San Francisco und verlassen die Stadt mit ihren 43 Hügeln Richtung Norden. Hier führt der Pazifik-Highway über die Golden Gate Bridge. Etwa 75 000 Tonnen Stahl, 130 000 Kilometer Metallkabel und rund 300 000 Kubikmeter Beton waren nötig, um das „Goldene Tor“ mit einer der schönsten Brücken der Welt zu überspannen. Mehr als 1000 Kilometer liegen vor uns.
Der Highway 1, die amerikanische Traumstraße schlechthin, gibt unserem Unternehmen von Kalifornien bis zu den Grenzen des Bundesstaates Oregon einen überschaubar abgesteckten Rahmen. Wir folgen dem Verlauf der Küste, wagen aber – angestachelt von einem unstillbaren Entdeckergeist – immer wieder Abstecher ins Landesinnere, wo wir unsere Gedanken während der Fahrt in die Weite des Raums schweifen lassen.

Haiwarnung am Stinson Beach
Schon kurz nach Beginn der ersten Etappe, nachdem wir die markanten Brückenpfeiler der Golden Gate Bridge hinter uns gelassen haben, wählen wir den Weg durch das pittoreske Künstlerdorf Sausalito, um von dort nördlich die Route durch das Muir Woods National Monument einzuschlagen. Über 10 Kilometer beschilderte Wanderwege machen die Muir Woods zum beliebten Ausflugsziel, nicht nur für Touristen. Dort begegnen wir erstmals den Giganten mit dem botanischen Namen „Sequoia sempervirens“, dem Redwood- oder auch Mammutbaum.

Nicht selten wird man in dieser Region vom Regen überrascht. Doch an diesem milden Spätsommertag haben wir Glück. Als wir das dichte Grün verlassen, eröffnet sich uns ein spektakulärer Blick auf den Pazifik. Als einer der schönsten Strände Kaliforniens gilt Stinson Beach, dessen feiner, weißer Sand zum Verweilen einlädt.

Die Warnung vor Haien, die unmissverständlich am Zugang zum breiten Küstenstreifen platziert wurde, ignorieren wir in unserem Freiheitsdrang geflissentlich. Und auch die zahlreichen Surfer, Strandläufer und Naturliebhaber scheinen sich kaum um die farbenfrohen und überaus anschaulichen Hinweise zu kümmern. Erst nachdem wir das kalte pazifische Nass verlassen haben und wieder in unserem Wagen sitzen, machen wir uns erstmals ernsthafte Gedanken um die Bewohner des Ozeans, die nicht erst seit der überzogenen Darstellung in Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ (1975) einen zweifelhaften Ruf besitzen.

Vielleicht lag unsere Gelassenheit beim Sprung in die Fluten aber auch daran, dass der letzte Angriff auf Menschen schon Jahre zurückliegt und sich die Hauptdarsteller zahlreicher „Hollywood-Reißer“ nur selten in direkte Strandnähe begeben.

Filmkulisse hautnah
Weiter Richtung Norden passieren wir das alte Schulhaus in Bodega, berühmt geworden durch Alfred Hitchcocks Thriller „Die Vögel“ (1963) und die minutenlange Sequenz, die Tippi Hedren vor dem sich nach und nach mit Krähen füllenden Baum zeigt. Das einst von den Russen erbaute Fort Ross passierend, nähern wir uns dem legendären und heute leicht heruntergekommenen Künstlerort Mendocino. In der malerischen Siedlung fanden 1955 die Dreharbeiten für den James-Dean-Filmklassiker „Jenseits von Eden“ statt.

Von einer überdimensionalen Holzbank am Rande des Ortes hat man hier einen ausgezeichneten Blick auf die hoch über dem Meer gelegenen Klippen. Doch unser Tatendrang verhindert ein längeres Verweilen. Rund 50 Meilen weiter erreichen wir endlich das „Redwood Empire“.

Der Redwood-Highway
Als „Redwood Highway“ wird der 480 Kilometer lange Teil des Highway 101 bezeichnet, in dessen Umgebung rund 97 Prozent aller kalifornischen Redwoods wachsen. Nur wenige der Baumriesen sind außerhalb dieser Region zu finden. Zwischen dem Gebiet südlich von Leggett und der Grenze zum Bundesstaat Oregon locken uns der Humboldt Redwoods State Park, die Avenue of the Giants von Philipsville nach Pepperwood sowie der 1968 gegründete Redwood National Park ins Freie.

Majestätisch erheben sich hier, 580 Kilometer vom Ausgangspunkt unserer Reise in San Francisco entfernt, die Sequoias über unseren Köpfen. Und wir haben die Qual der Wahl. Im Nationalpark gehören Wanderungen, Bootstouren und das Angeln zu den beliebtesten Aktivitäten. Mehr als 200 Kilometer Wanderwege wurden angelegt. Sie führen direkt durch die dichten Wälder, an den Flussläufen und der Meeresküste entlang. Jeder Pfad ist ein Erlebnis für sich.

Wer viel Zeit mitbringt, der sollte sich überlegen, ob er sich die 10-stündige Bahnfahrt zwischen Willits und Eureka entgehen lassen will, auf der man nicht weniger als 25 Tunnel und 30 Brücken passiert. Die spannende Fahrt bietet ganz besondere Einblicke in die Welt der Mammutbäume.

Reiseinformationen
Der Redwood National Park ist ganzjährig geöffnet. Allerdings sind Frühjahr und Herbst die schönsten Jahreszeiten in Nordkalifornien und vielleicht die beste Gelegenheit, um ausufernden Besucherströmen zu entkommen. Im Nationalpark gibt es insgesamt drei Campingplätze.

Die 65 Kilometer entfernte Stadt Eureka bietet bei Bedarf aber auch die Möglichkeit, nach dem Naturerlebnis den Komfort eines der unzähligen Motels zu genießen, um sich am nächsten Morgen gut erholt auf die nächste Etappe zu begeben.

nawe

Fotos: Patrick Nawe