Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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Auf den Spuren von Moby Dick
Das Kieler Schifffahrtsmuseum präsentiert bis zum 24. Mai die Ausstellung »Walfang im Eismeer«.
Ob als Lieferant von Tran, Fleisch oder Fischbein, als Stoff für Mythen und Romane oder als Symbol der Umweltbewegung: Wale faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten. Eine große Sonderausstellung im Kieler Schifffahrtsmuseum widmet sich diesem spannenden Kapitel der Kultur- und Seefahrtsgeschichte.
In Kooperation mit dem Zoologischen Museum der Universität informiert die abwechslungsreiche Schau über das Leben und Verhalten der Wale und gewährt Einblicke in die Geschichte des Walfangs, in das Leben und Arbeiten auf den Walfangschiffen und in den Wandel der Fangtechnik. Zu sehen ist auch die beeindruckende Vielfalt der Produkte, die aus dem Wal gewonnen wurden und den Fang zu einem einträglichen Wirtschaftszweig werden ließen.
Vom riskanten Fang bis zur skrupellosen Massenjagd
An den Küsten Schleswig-Holsteins tauchten die geheimnisvollen Meeressäuger nur selten auf. Doch seit dem 17. Jahrhundert machten sich von hier aus immer mehr Männer auf, um zwischen Grönland und Spitzbergen die begehrten Wale zu jagen. Von den nordfriesischen Inseln und Halligen, von Glückstadt und Elmshorn, Altona, Flensburg und sogar aus Kiel kamen Mannschaften und Schiffe.
Als im 19. Jahrhundert Erdöl den Tran als Schmiermittel ablöste, wurde die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie beliefert. Seifen, Salben, Suppen, Farben, Margarine oder Lederpflegemittel waren auf den Wal als Rohstofflieferanten angewiesen. Der industrielle Walfang mit schnellen Schiffen und Harpunenkanonen ließ die Fangzahlen auf mehrere Hundert Tiere pro Schiff ansteigen. Aus dem Walfang für den eigenen Verbrauch wurde so eine massenhaft betriebene Schlächterei. Heute dagegen ist mit Öl vom Wal kein Geld mehr zu machen.
Hauptattraktion der Ausstellung ist das Skelett eines 20 Meter langen Finnwales, der 1984 vor der Hamburger Hallig gestrandet war. Die originalgetreue Rekonstruktion eines kleinen Walfangbootes, ausgestattet mit Harpunen und anderen Gerätschaften, macht deutlich, wie mühselig und gefährlich einst die Jagd auf den Wal war. Davon zeugen auch zahlreiche Gemälde, Grafiken und Dokumente in der Ausstellung. Schiffsmodelle, Dioramen und Alltagsgegenstände aus Walfängerfamilien ergänzen die Schau und machen 400 Jahre schleswig-holsteinische Walfanggeschichte lebendig.
»Walfang im Eismeer«
im Kieler Schifffahrtsmuseum, Wall 65
Laufzeit: bis 24. Mai 2010
Geöffnet: Di.-So. 10-17 Uhr, ab 15. April täglich 10-18 Uhr
Eintritt: 3,00 Euro, ermäßigt 1,50 Euro; Kinder bis 10 Jahre frei
Zur Ausstellung erscheint auch der Katalog »Auf Walfang. Schleswig-Holstein im Eismeer« von Tim Erlenbusch und Doris Tillmann im Boyens Buchverlag für 12,90 Euro.
Nähere Infos unter: www.kiel.de/kultur




