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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Angewandte Science-Fiction

Das Heinz-Nixdorf-MuseumsForum zeigt die Sonderausstellung "Computer.Medizin"

Ist Zukunftsmusik vielleicht schon ein aktueller Hit oder wird womöglich noch daran getüftelt? Wer dieser Frage immer schon mal nachgehen wollte, den lädt noch bis zum 1. Mai 2007 das Heinz-Nixdorf-MuseumsForum in Paderborn zu einer Erkundungstour durch die neuesten Errungenschaften der Wissenschaft ein, hier speziell die im Gesundheitswesen.
Das Museum wurde 1996 gegründet mit dem Ansinnen, in einer Dauerausstellung die Geschichte der Kommunikations- und Informationstechnologie über eine Zeitspanne von knapp 5000 Jahren zu beleuchten und damit die Orientierung und Bildung der Menschen in der modernen Informationsgesellschaft zu fördern.

In diesem Rahmen stellen derzeit gut 100 Exponate, davon mehr als ein Drittel interaktiv, eindrucksvoll unter Beweis, wie unverzichtbar die moderne Technik im medizinischen Alltag geworden ist. Darüber hinaus wird deutlich, welche Bedeutung ihr auch in Zukunft zukommt und wie die Forschung Arbeitsplätze in dieser Branche schafft. Schließlich kann von einem Arbeitsplatzabbau im Zuge der Technisierung in diesem Fall überhaupt keine Rede sein. Als Beispiel sei an dieser Stelle Nordrhein-Westfalen genannt. Dort verdienen die meisten Arbeitnehmer mittlerweile ihre „Kohle“ im Gesundheitswesen.

Das geht unter die Haut

Auf einer Fläche von knapp 1000 m2 versprechen die bisweilen unglaublichen Exponate sogenanntes „Edutainment“ (ein Kunstwort, gebildet aus den englischen Begriffen
„Education“ und „Entertainment“) auf höchstem Niveau. Ausgangspunkt ist das Anatomische Theater. Ein kurzer Blick in die Vergangenheit zeigt, wie in Zeiten der Renaissance die Öffentlichkeit für den menschlichen Körper sensibilisiert wurde. Wesentlich tiefgründiger geht es mit heutigen Methoden ans Werk. Faszinierende Bilderwelten entstehen während virtueller Reisen, die im wahrsten Sinn unter die Haut gehen. Besucher haben die Möglichkeit, Schnittbilder eines Menschen zu erzeugen und das Skelett, den Blutkreislauf und das Nervensystem zu erkunden.

Was das Anatomische Theater angefangen hat, setzt der Bereich Blicke in den Körper fort. Die Besonderheiten von CT, Ultraschall, MRT, PET und Röntgen werden erläutert und per Simulation ausprobiert. Weiterhin werden an mehreren Stationen die Sehschärfe und das Hörvermögen ermittelt.

Die Wellness-Welle

Anschließend geht es in den Teilbereich Wellness und Alltag über. Neben Informationen zum Thema der Vorbeugung für ein gesundes Leben – und wie computergestützte Geräte hierbei helfen – locken diverse Angebote zum Mitmachen. Ein Laufband misst die Laufgeschwindigkeit und vergleicht sie wahlweise mit der des Marathon-Weltrekordhalters oder der von Ex-Außenminister Joschka Fischer. An der Kletterwand lassen sich vorprogrammierte Bewegungsmuster nachvollziehen.

Verständlicherweise nur beschränkt zum Test freigegeben ist das Exponat, das dem Begriff der „KI“ (Künstliche Intelligenz) eine ganz neue Bedeutung hinzufügt. Die intelligente Toilette von morgen misst bei der Benutzung unter anderem Werte wie Gewicht, Körperfett und den Blutdruck. Buchautor und Kabarettkünstler Erwin Grosche erläutert diese „Klo-Intelligenz“ auf seine unnachahmliche Art.

Doktorspielchen für jedermann

Eingriffe in den Körper versetzt Sie in einen OP-Saal der Zukunft. Hier bietet sich die Möglichkeit, die eigenen chirurgischen Fähigkeiten anhand einer virtuellen Blinddarmentfernung auszuloten. Ebenso Bestandteil dieses Abschnittes ist eine mediale Inszenierung der neuen Schwer­ionentherapie, mittels derer die Bestrahlung von Krebszellen punktuell erfolgt.

Den krönenden Abschluss bilden schließlich die Hilfen für den Körper. Eine mit einem leistungsfähigen Mikroprozessor ausgestattete Oberschenkelprothese befähigt zu einem natürlichen Gang, ein aus Japan stammender Ganzkörperroboter dient Gelähmten als Gehhilfe, und Licht ins Dunkel bringt künftig ein Netzhautimplantat für selbst nahezu Blinde.

Und wer die faszinierende Ausstellung in ihrer ganzen Pracht bestaunt hat, kehrt garantiert um diese eine Erkenntnis reicher heim: Das Unvorstellbare liegt durchaus im Bereich des Möglichen.

Weitere Informationen unter
www.computer-medizin.de

ath

Fotos: Jan Braun/Heinz-Nixdorf-MuseumsForum