Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
Meine Gesundheitsapotheke
Alles in Butter!
„Nahrhafte“ Redewendungen – und was dahintersteckt
Lust auf ein kleines Sommerfest? Allerlei Köstlichkeiten liegen einem da auf der Zunge – im ganz konkreten wie im übertragenen Sinne. Jetzt wird gefeiert, dass die Schwarte kracht! Gemeinsam die Sahnehäubchen des Lebens genießen, sich die Trauben in den Mund wachsen lassen
So mancher erscheint zum Fest wie aus dem Ei gepellt. Man aalt sich auf dem Präsentierteller und zeigt sich von seiner Schokoladenseite. Sogar dem Spargeltarzan ist es gelungen, sich im Fitnessstudio etwas mehr Muskelschmalz anzutrainieren. Gewisse freche Früchtchen geben dem Affen kräftig Zucker, kochen den Suppenkasper mit ihrem süß lächelnden Erdbeermund butterweich – und bandeln prompt ein kleines Bratkartoffelverhältnis an.
Friede, Freude, Eierkuchen!
Andere Obst-und-Gemüse-Flirter aber haben Tomaten auf den Augen und werden ganz schön durch den Kakao gezogen. Wer zu kleine Brötchen backt oder sich die Butter vom Brot nehmen lässt, wird eben nie das Hähnchen im Korb sein!
Zu einem gelungenen Gesprächsstoff-Buffet gehören unbedingt natürlich auch ein paar Zimtzicken, treulose Tomaten und beleidigte Leberwürste, über die nun in bester Bierlaune hergezogen wird. Andere Partygäste interessieren sich für solche lukullischen Lästereien jedoch nicht die Bohne. „Das ist mir doch wurst“, sagen die, „alles kalter Kaffee, nix wie olle Kamellen“. Denen aber, mit denen heute einfach nicht gut Kirschen essen ist, die ständig ins Fettnäpfchen treten oder den anderen furchtbar auf den Keks gehen, wird die Petersilie vermutlich schon verhageln.
Da kann der fürsorgliche Gastgeber noch so sehr darauf achten, dass es hier nicht zieht wie Hechtsuppe und die Gäste keine Eisbeine bekommen
Na ja, schließlich wird überall nur mit Wasser gekocht. Insgesamt läuft das Fest doch wie geschmiert – alles in Butter! Aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen! Beim nächsten Mal wird der Braten rechtzeitig gerochen, da wird einen dieser abgebrühte und ausgekochte Partyservice nicht wieder so in die Pfanne hauen und eine gepfefferte Rechnung präsentieren!
Wo der Pfeffer wächst
Alles olle Kamellen!?
In der „Essenssprache“ lässt sich vieles treffsicher auf den Punkt bringen: Denn wenn eine Rechnung gezuckert statt gepfeffert wäre, würde man darüber ja schließlich nicht den Mund verziehen, oder? Möglicherweise aber wurzelt diese Redewendung auch darin, dass der Pfeffer im Mittelalter tatsächlich sehr teuer war. Schließlich kam er ja vom anderen Ende der Welt – eben von dort, wo der Pfeffer wächst. Wer unliebsame Mitmenschen ins Pfefferland verwünschte, dachte im 19. Jahrhundert aber auch gezielt an das südamerikanische Cayenne, wo es eine berüchtigte Strafkolonie gab.
Mit „Bei uns ist alles in Butter!“ beantwortete ein Berliner Gastwirt ursprünglich tatsächlich einmal ganz konkret die Frage, ob seine Speisen mit billigen Fetten zubereitet seien.
Mit „ollen Kamellen“ aber sind wider Erwarten keine vom Rosenmontagszug nachgebliebenen Naschereien gemeint, sondern zu lange gelagerte Kamillenpflanzen, die ihre Heilkraft und ihr Aroma verloren haben und dem Apotheker so nichts mehr nützen.
Hechtsuppe dagegen lässt man zwar tatsächlich lange ziehen, doch wahrscheinlich wurde hier schlichtweg der jiddische Ausdruck für Sturm – „hech supha“ – etwas eigenwillig eingedeutscht.
Ein Toast auf die Backfische!
Wer einen Toast ausbringt, folgt einer alten englischen Tischsitte, nach der vor einem Trinkspruch eine Scheibe Röstbrot in das Getränk getaucht wurde.
Der ebenfalls etwas altmodische Backfisch dagegen kommt nicht aus dem Ofen, sondern vom englischen „backfish“. Dieser Begriff bezeichnet Fische, die ins Wasser zurückgeworfen werden, weil sie noch zu klein für den Verkauf sind; ganz so, wie halbwüchsige Mädchen noch nicht für den Heiratsmarkt taugen.
Sie sind eben „weder Fisch noch Fleisch“ – eine Redensart aus der Zeit der Reformation, als viele sich nicht entscheiden konnten, ob sie sich zu den katholischen Lebensregeln (Freitag = Fischtag) oder zu den protestantischen (kein Fleischverbot) bekennen.
Treulose Tomaten und andere Zankäpfel
Warum aber sind Tomaten treulos? Weil sie in Italien so reichlich genossen werden – und deshalb mit den Italienern gleichgesetzt wurden, die im ersten Weltkrieg vertragsbrüchig wurden.
Auch das Bratkartoffelverhältnis verdanken wir kriegerischen Zeiten, in denen kurzfristige Liebesbeziehungen aus Versorgungsgründen recht verbreitet waren. Friede, Freude, Eierkuchen herrschte dann am Ende des zweiten Weltkriegs, das mit dieser allgemein verfügbaren Leckerei gefeiert wurde. Der Zankapfel dagegen wurde laut griechischer Mythologie von der Göttin der Zwietracht geschaffen. Er trug die Aufschrift „der Schönsten“ und entfachte einen Streit zwischen Hera, Athene und Aphrodite, der schließlich zum Trojanischen Krieg führte.
Das kommt davon, wenn man seinem Affen zu viel Zucker gibt – denn diese Leckerei steigerte nach früherer Vorstellung die Selbstverliebtheit dieser Tiere, die ohnehin schon als sehr eitel galten.
mimu




