Artikel dieser Ausgabe aus Reise & Kultur
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350 Kilometer lang Urlaub ...
Mecklenburg-Vorpommern verwöhnt Küstenbesucher mit feinsandigen Stränden, wunderschön erhaltenen Ortschaften und reichlich Kultur.
Ein Teil der Republik weiß es bereits seit Generationen, für alle anderen ist es eine der Entdeckungen nach dem Mauerfall: Die Ostseeküste zwischen Dassow und Usedom bietet Erholungssuchenden landschaftliche und kulturelle Vielfalt im Breitwandformat.
Fragt man Menschen aus den alten Bundesländern nach sehenswerten Regionen an der ostdeutschen Ostseeküste, so steht die Insel Rügen ganz oben auf der Antwortliste. Und zuweilen auch recht einsam. Tatsächlich ist für viele Bundesbürger selbst 20 Jahre nach der Wiedervereinigung dieser Küstenstreifen noch ein Brief mit sieben Siegeln. Höchste Zeit, das zu ändern …
Übers Wasser flanieren
Seebrücken gehören zur Bäderkultur wie guter Weißwein zu einem edlen Fischgericht – Mecklenburg-Vorpommern hat gleich mehrere zu bieten. Wer das Bundesland aus westlicher Richtung bereist, wird bereits nach 30 Kilometern fündig: in Boltenhagen. Das drittälteste Seebad Deutschlands lädt seine Besucher aber auch zu einem Spaziergang an seiner Steilküste ein, die einen grandiosen Blick über die Mecklenburger Bucht erlaubt. Vorausgesetzt natürlich, man ist nicht gerade in ein Werk von Uwe Johnson vertieft, das auf dem Weg hierher im Literaturhaus eben dieses großen Literaten in der Ortschaft Klütz erstanden wurde.
Deutlich weitläufiger fällt das gleichfalls dort liegende Schloss Bothmer aus. Anfang des 18. Jahrhunderts im Auftrag der englischen Krone erbaut, diente es zunächst dem Reichsgrafen Hans Casper von Bothmer und seinen Nachkommen als Wohnsitz. Zu Zeiten der DDR wurde dem adligen Flair allerdings ein schnelles Ende bereitet und die Anlage in ein Altenheim umfunktioniert.
Nächste Anlaufstation in östlicher Richtung ist Timmendorf-Strand auf der Insel Poel. Gäste aus Schleswig-Holstein mögen an dieser Stelle Einwände erheben, doch das Städtchen ähnlichen Namens nördlich von Lübeck ist nicht gemeint. Timmendorf-Strand liegt an der südlichen Spitze des grünen Eilands und hat sich als familienfreundliche Urlaubsinsel einen besonderen Ruf erworben. So gestattet ein sanft abfallender Meeresgrund auch kleinen Badegästen einen ungefährlichen Aufenthalt im Wasser.
Vor dem Zeitenlauf bewahrt
Geduld zahlt sich manchmal aus – so wie im Fall der Hansestadt Wismar. 2002 wurde die »Backsteinstadt« Mecklenburg-Vorpommerns in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Zu Recht, denn sie besitzt einen der besterhaltenen Stadtkerne Europas. Wer nur auf der Durchreise ist, sollte die wenige Zeit mit einem Bummel verbringen, die schönen Fassaden bewundern und den Ausflug mit einem Restaurantbesuch am Hafen beschließen. Allen anderen sei empfohlen, in die Kirchen der Stadt einzukehren und das Schabbelhaus und das Zeughaus aufzusuchen.
Wer vor der Weiterfahrt Richtung Osten noch einmal Seeluft schnuppern möchte, kommt um den Ort Rerik nicht herum. 170 Meter ragt die Seebrücke dort ins Wasser. Es geht aber noch länger hinaus, nur Geduld. Zuvor jedoch wird die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst angesteuert, wo den Gast Ahrenshoop als kulturelles Zentrum erwartet. Als der Maler Paul Müller-Kaempff im Jahre 1889 den Ort erstmalig entdeckte und sich drei Jahre später mit zahlreichen Malerkollegen hier ansiedelte, legte er den Grundstein für die heutige Künstlersiedlung. Mit der Eröffnung des »Kunstkaten« im Jahre 1909 schufen sich die Künstler erstmalig selbst die Möglichkeit, ihre Werke öffentlich zu zeigen und zum Kauf anzubieten. Heute sind inzwischen acht Galerien und Ausstellungshäuser in Ahrenshoop ansässig und präsentieren klassische und moderne Kunst aller Genres.
Ebenfalls sehens- beziehungsweise hörenswert die Klanggalerie »Das Ohr«. Sie enthält, dem Grundriss eines Ohres folgend, Räume mit Hörstationen, audiovisuellen Bereichen im »Gehörgang« sowie Tonstudio und Konzertraum mit zwei Flügeln im »Innenohr«. Die Ausstellungen im audiovisuellen Bereich wechseln, und natürlich werden auch Konzerte geboten.
Im Sand die Grenze überqueren
Über Rügen ist schon viel geschrieben worden (auch hier im Magazin), weshalb wir Deutschlands größte Insel links liegen lassen und Kurs nehmen auf Usedom. Die letzte Station vor der polnischen Grenze ruft Erinnerungen an die Bäderkultur der alten Zeit wach. Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin – so heißen die drei großen Kaiserbäder, die auch heute nur wenig von ihrem einstigen Charme eingebüßt haben.
Das Binnenland der Insel ist ebenso attraktiv wie die Küstenregion, weshalb ein längerer Aufenthalt in jedem Fall empfohlen werden kann. Zumal die acht Kilometer lange Meerespromenade inklusive Radweg die längste in ganz Europa ist. Und übers Wasser schlendern kann man auch, die Seebrücke in Heringsdorf misst 508 Meter!
Alternativ kann man am Strand weiter Richtung Osten wandern – doch wundern Sie sich nicht, wenn die Spaziergänger plötzlich polnisch sprechen …
bth








