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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Добро пожаловать в Киеве! *

* Herzlich willkommen in Kiev!

Hauptstadt der Ukraine und für manche die grüne Lunge Europas.

Kaum angekommen, zieht die 2,5-Mio.-Metropole den Besucher sofort in ihren Bann: mit ihrem verwirrenden Kontrast von goldenen Zwiebeltürmen und gewaltigen Hochhaussiedlungen, märchenhaften Parkanlagen und chaotischem Verkehr, emporragenden Symbolen vergangener Sowjetzeiten und quietschbunten Modeboutiquen.

Es ist erst gut zwei Jahre her, da waren die Ukraine und Kiev über Monate in aller Munde. Das Zauberwort hieß „Orangene Revolution“: das Aufbegehren des Volks gegen Korruption, Machtmissbrauch und Wahlmanipulation im Zeichen dieser leuchtenden Farbe.

Так!


(Aussprache: tak; Bedeutung: so!)
Так! – so lautete dann auch das Motto der Menschen auf der Straße, die nach den ukrainischen Präsidentschaftswahlen im Herbst 2004 lautstark ihren Unmut über die Machthaber äußerten und schließlich den westlich orientierten Oppositionellen Viktor Juschtschenko als Präsidenten durchsetzten. Und in der Tat prägt auch westlich anmutende Werbung das Straßenbild in der Hauptstadt. Man darf sich nicht einschüchtern lassen von waghalsigen Manövern hoffnungslos überfüllter Trolleybusse, aber eben auch nicht von der überwältigenden Gastfreundschaft! Einmal tief durchatmen – und sich dann einfach durch die Großstadt treiben lassen, entlang des mächtigen Dnjepr, über dicht bewaldete Hügel, durch pulsierende Einkaufspassagen oder unterirdisch – mit der Metro kreuz und quer durch die Hauptstadt.

Достопримечательности


(Aussprache: dostoprimetschatjelnosti; Bedeutung: Sehenswürdigkeiten)
Sieht man einmal von dem beklemmenden Gefühl ab, das der offensichtliche Wohlstand der Kirche hervorruft – denn in der Ukraine existiert Armut noch in ihrer ursprünglichen Bedeutung –, sind Pracht und Handwerkskunst der Kirchen, Klöster und Kathedralen schlichtweg atemberaubend.

Doch auch der Botanische Garten, eine Schwanensee-Vorstellung im Opernhaus, das Tschernobyl-Museum, der Bessarabische Markt und und und … sind einen Besuch wert! Auf seine Art magnetische Wirkung hat der „Khreschtschatik“, Hauptverkehrsader und größte Straße des Zentrums. Geradezu volksfestartig geht es hier am Wochenende zu, mit Bierständen, Livemusik und Feuerwerk. Entlang des „Khreschtschatik“ bekommt man so ziemlich alles, was man sucht, und alles, was man nicht braucht. An den jungen Prachtboulevard, erst 1934 vollständig asphaltiert und im Zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleichgemacht, grenzt der Platz der Unabhängigkeit, auf Russisch „Plosch­tschad Nesavisimosti“, auf Ukrainisch „Majdan Nesalezhnosti“ – ein geeignetes Beispiel dafür, wie groß mitunter die Unterschiede zwischen Amts- und Volkssprache sind!
Wer nun den Drang verspürt, sich an der Volkshochschule für einen Slavistik-Grundkurs anzumelden, sollte sich das ganz genau überlegen … Ein Beispiel: Während die deutsche Sprache nur schlappe vier Fälle zu bieten hat, kommt das Russische mit nicht weniger als sechs quälenden Fällen aus, und das Ukrainische setzt sogar noch einen weiteren obendrauf. Aus purer Boshaftigkeit? Mitnichten, nehmen Sie es also sportlich!

Сувениры


(Aussprache: suveniry; Bedeutung: Kitsch)
Zunächst erwirbt man eine landestypische Holzkeule mit folkloristischen Verzierungen und praktischen Zacken am oberen Ende. Grobmotoriker können damit ihr бутерброт (Aussprache: buterbrot; Bedeutung: Wurst-Käse-Stullen aller Art) aufspießen, Hausfrauen können damit fremde Eindringlinge abwehren … der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Stets im Angebot sind außerdem Matrjoschkas (die Puppe in der Puppe in der Puppe …), Trikots von Dynamo Kiev, kleine Bäumchen aus Draht und Bernstein, Orden aus dem Zweiten Weltkrieg und vieles mehr, worüber sich die Daheimgebliebenen sehr „freuen“ werden.

Кушайте, кушайте!


(Aussprache: kuschajtje, kuschajtje!; Bedeutung: essen Sie, essen Sie!)
Liebe geht durch den Magen – und die Ukrainer lieben ihre Gäste sehr! Da gibt es nur ein kleines Problem, mit dem der „verzärtelte“ Magen fertig werden muss: Hauptbestandteil der ukrainischen Küche ist Schweinespeck. Und wer im Wörterbuch nach dem Wort für Beilagen sucht, findet на гарнир (Aussprache: na garnir; Bedeutung: zur Garnierung).

Unbedingt probieren sollte man Blini (kleine Pfannkuchen) mit Kaviar, Pelmeni, Borschtsch, Tee mit Konfitüre statt Zucker und Kaffee mit Zitrone statt Milch. (Für alle, die das so gar nicht anspricht, hier noch ein Tipp: Direkt am Khreschtschatik sind gleich mehrere McDonald’s.)

Was bei uns als Mangel an Tischmanieren anmutet, ist hingegen ein Relikt der kommunistischen Revolution: Man hebt sich demonstrativ vom schnöden Adel ab! Ein Steak z. B. isst man nicht mit Messer und Gabel, sondern nur mit der Gabel: einfach mittig aufpieksen und rundrum abbeißen. Und Kascha (morgendliche Buchweizengrütze) entfaltet erst geschlürft ihren vollen Geschmack. Unhöflich ist es übrigens, einfach so einen Schluck Wein oder Vodka zu trinken – erst ein Trinkspruch (ca. 10 Sekunden bis 10 Minuten.), dann mit allen gemeinsam trinken!

Обычаи


(Aussprache: abytschai; Bedeutung: Gebräuche)
Der Kiever ist freundlich, hat gutes Gehfleisch und ist im Allgemeinen praktisch veranlagt. Das ukrainische Mobilfunknetz z. B. sieht vor, dass die ersten zwei Sekunden gratis sind. So sollte man sich schnell daran gewöhnen, dass immer und überall mehrere Handys klingeln und kurz hineingerufen wird, wo man sich befindet. Das wiederholt sich so lange, bis man sich dann (vielleicht auch rein zufällig) schließlich begegnet.
Vor allem für deutsche Touristen ist auch die Art und Weise bisweilen erstaunlich, wie sich der Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel zu verhalten hat. Möchte man in einen Bus steigen, hält man am Straßenrand den Arm raus. Ist der Bus bereits knüppelvoll, steigt man einfach trotzdem ein. Möchte man ein Ticket kaufen, gibt man seinem Vordermann Geld in die Hand, der reicht es weiter, bis es schließlich über viele helfende Hände bis zum Fahrer gelangt. Das Wechselgeld kommt auf demselbem Wege genau abgezählt zurück.

Die Menschen, die Stadt – einfach faszinierend!

In diesem Sinne: Счастливого пути – Gute Reise!

tide

Foto: Tina Denecken, Karte: mein coop magazin