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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Weißes Gold

Das „Weiße Gold“ steht im Mittelpunkt der Thüringer Porzellanstraße. Auf etwa 340 km Länge verbindet sie Orte, in denen bereits seit Jahrhunderten Porzellan hergestellt und bemalt wird.

In dieser Region waren die Ausgangsbedingungen für die Porzellanproduktion ideal. Es gab ausreichend Rohstoffe für das Porzellan selbst (Kaolin, Quarzsand, Feldspat), aber auch genug Holz, Wasserkraft und gut ausgebildete billige Arbeitskräfte für seine Herstellung.

Es entstanden daher rasch eigenständige Porzellanmanufakturen, die im Gegensatz zu den großen fürstlichen Manufakturen vor allem Erzeugnisse für den bürgerlichen Haushalt herstellten: vom Tafelgeschirr über Tabakdosen bis zu dekorativen Figuren.

Strengste Geheimhaltung …

… war eigentlich befohlen, nachdem 1708 Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Friedrich Böttger im sächsischen Meißen das erste europäische Hartporzellan herstellten. Dieses Know-how gelangte dennoch nach Thüringen, wo um 1760 etwa gleichzeitig Georg Heinrich Macheleid, Johann Wolfgang Hamann und Johann Wolfgang Greiner dem Geheimnis der Porzellanherstellung auf die Spur gekommen waren und erste Porzellanmanufakturen entstanden. Jetzt war man von teuren Importen aus China unabhängig und konnte das weiße Gold auch für breitere Massen erschwinglich herstellen. Um bei wachsender Konkurrenz bestehen zu können, setzen die Manufakturen im Bereich des Thüringer Waldes ganz auf hochwertige und weltmarktfähige Produkte.

Diese Tradition ist über die Zeiten und politischen Gegebenheiten hinweg ungebrochen. Zu DDR-Zeiten in Volkseigentum überführt, produzierten die Betriebe vor allem für den osteuropäischen Markt und für den West-Export gegen Devisen. Nach der Wende wieder privatisiert, hatten viele Betriebe zunächst wirtschaftliche Schwierigkeiten, sind aber dank ihrer Tradition und neuen modernen Formenguts wieder gut im Geschäft.

Über 40 Designpreise …

… in etwa 10 Jahren kann einer der größten Betriebe entlang der Thüringer Porzellanstraße verbuchen. Die KAHLA/Thüringen GmbH exportiert ihre Produkte in 5 Länder und stellt neben Geschirr für den heimischen Haushalt auch Porzellan für Hotels und Gastronomie sowie individuell gestaltete Werbeartikel her. Durch Designwettbewerbe fördert die Firma junge Kreative, und die Ergebnisse bereichern die eigene Produktpalette mit modernen Formen und Farben.

Die in Könitz ansässige Könitz Porzellan GmbH hat sich seit Mitte der 90er-Jahre dank engagierter Mitarbeiter aus den roten Zahlen herausgearbeitet. Sie ist heute gleichermaßen auf die Herstellung von Bechern – in unzähligen Designs für den Fachhandel – und von Souvenir- oder Werbeartikeln spezialisiert. Ausgefallene Kollektionen und Präsenz auf Fachmessen machten die Marke international bekannt und führten inzwischen zur Gründung von Tochterunternehmen in Thailand und Australien.

Bei der Sitzendorfer Porzellanmanufaktur wird dem Besucher auf der „Vorführstraße“ die Porzellanherstellung erklärt und demonstriert. Deren Beginn geht hier auf das Jahr 1850 zurück, und noch immer werden hier Figuren, Raum- und Tafelschmuck sowie anderes Zierporzellan nach höchsten Ansprüchen gefertigt.

Den Elefant im Porzellanladen …

… findet man bei der Lichte Porzellan GmbH in Lichte, die auf eine Geschichte bis in das Jahr 1822 zurückblicken kann. Bereits zur Weltausstellung 1900 für ihre Erzeugnisse prämiert, stellt die Firma heute noch anspruchsvolles Gebrauchs- und Zierporzellan her und hat auch zahlreiche Großfiguren im Sortiment. In der großräumigen Betriebsverkaufsstelle kann man sich von der handwerklichen Kunstfertigkeit einen Eindruck machen.

1790 – so vermerkt es die Porzellanmarke – war das Geburtsjahr der Porzellanherstellung in Blankenhain. Die heutige Weimar-Porzellan GmbH ist 1995 neu gegründet worden und fertigt hochwertige Tafel- und Kaffeeservice sowie Sammel- und Mokkatassen vor allem im klassischen Dekor. Von der umfangreichen Produktpalette kann man sich im über 600 qm großen „Erlebniskauf“ einen Eindruck machen.

Neben den vielen weiteren Betrieben und Werkstätten, Städten und Orten entlang der Porzellanstraße kann man in zahlreichen Museen in die faszinierende Geschichte der Porzellanherstellung in der Region eintauchen. Und eines ist sicher: Man kann hier inmitten der reizvollen thüringischen Landschaft und dank der Gastfreundschaft und vieler kulinarischer Genüsse sein Glück finden – auch ganz ohne Scherben...

Weitere Informationen:

Förderverein „Thüringer Porzellanstraße“ e. V.

Landratsamt SLF/RU

Schlossstraße 24, 07318 Saalfeld

Telefon: (0 36 71) 8 23-4 55, Telefax: (0 36 71) 8 23-4 39

info(at)thueringerporzellanstrasse(dot)de

www.thueringerporzellanstrasse.de

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Fotos: Sitzendorfer Porzellanmanufaktur