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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Kaffeeklatsch und Umzugskartons

Sie haben gewonnen!

Als Michaela Staudt aus Friedrichsort auf ihrem Handy angerufen wurde und erfuhr, dass sie eine Kaffeetafel mit allem Drum und Dran gewonnen hatte, konnte sie es erst gar nicht glauben: „Was ist los? Wovon sprechen Sie?“
Sie befand sich gerade mitten im Umzug und hatte über den Stress ganz vergessen, dass sie in ihrem Urlaub, im Liegestuhl am Strand von Friedrichsort, die Karte aus dem mein coop magazin ausgefüllt hatte.
 So war dann auch die Reaktion von Lebensgefährte Dietmar Dobmeier: „Bist du verrückt? Weißt du wie viele Kisten hier noch rumstehen?“ Es sah wirklich noch sehr wüst aus, aber unter diesem Druck hatten sie wenigstens genug Ansporn, sich schnell einzurichten, und so hat sich das Chaos bis heute zu einem geordneten Chaos verringert …

Dabei ist von dem Umzug zumindest im Erdgeschoss nichts mehr zu sehen. Nur die Suche nach den Kaffeefiltern und einer Blumenvase in den Kisten im Keller lässt noch etwas vom Durcheinander erahnen.

Brot und Salz zum Einzug

Trotzdem hat sich Michaela aber von Anfang an wie ein Weltmeister gefreut und auch gleich reichlich Leute eingeladen. Arbeitskollegen, alte Bekannte und Nachbarn sollten zum Schlemmen kommen. Aber wegen eines Unfalls, aus Zeitmangel und wegen Krankheit mussten bis auf die Nachbarn aus der alten Wohnung leider alle absagen. So wurde schnell und hektisch umdisponiert, denn irgendwer muss die Torten ja bewältigen. Und so versammeln sich an einem der letzten warmen Sommertage neue und alte Nachbarn im Garten des kleinen Reihenhauses, um die Terrasse einzuweihen. Die letzten Sonnenstrahlen lassen es der Seele gut gehen, und Dietmar träumt schon davon, im nächsten Sommer das Grillgewinnspiel zu gewinnen und hier den Geruch von Fleisch zu schnuppern.

„Wir wollen das gewinnen“, berichtigt ihn Michaela, denn seit die 37-jährige Verwaltungsangestellte bei der Bundeswehr und der 37-jährige Busfahrer mit Michaelas Sohn Max, 9 Jahre alt, in das Haus gezogen sind, gibt es kein „Mein“ und kein „Dein“ mehr. Dass sie noch nicht geheiratet haben, liegt einzig daran, dass sie sich nicht auf einen gemeinsamen Nachnamen einigen können.

Kostbare Zweisamkeit

Dabei ist natürlich auch klar, dass sie so viel Zeit wie irgendwie möglich zusammen verbringen. Leider ist das nicht so viel, da durch Dietmars Schichtdienst selbst am Wochenende wenig Zeit bleibt. Wenn Michaela dann neben ihrem Vollzeitjob doch mal etwas Muße hat, widmet sie sich gern ihren Pflanzen und der Gartenarbeit. Dafür hat sie ja in ihrem neuen Zuhause mit schnuckeligem Garten auch endlich genug Platz. Sonst verbringen die beiden ihre Zeit mit Dingen, die „man eben so mit einem Kind macht“: Radfahren, Schwimmen, Kino und manchmal auch einfach in „ihrem“ Friedrichsort am Strand liegen und Kreuzworträtsel lösen.

Früher hat sie auch gern selbst gebacken oder mit Freunden abends gekocht, plaudert sie beim Kaffee. Aber das lässt die knappe Zeit schon lange so gut wie nicht mehr zu. Solche Abende sind mehr als selten geworden und der Kuchen wird, wenn es denn mal einen gemütlichen Kaffeeklatsch gibt, meist beim Bäcker um die Ecke gekauft – oder, wie heute, eben gewonnen. Bei solchem Stress ist natürlich Urlaub umso wichtiger, und so fliegt die ganze Familie im Herbst in die Türkei in ein kleines Dorf in der Nähe von Antalya zum Entspannen.

Heute gibt es aber schon mal ein bisschen Urlaub vom Alltag, obwohl die Entscheidung zwischen Apfel-Walnusskuchen, Schwarzwälder Kirsch- oder Benjamin-Blümchen-Torte auch eigentlich verdammt anstrengend ist.

sd

Foto: Henrick Matzen