Artikel dieser Ausgabe aus Freizeit
Meine Gesundheitsapotheke
Wenn Sie es mal wieder auf Spaß anlegen
Spiele: Carcassonne
2001 wurde Carcassonne zum „Spiel des Jahres“ gekürt. Mittlerweile wurde das Spiel um Burgen, Bauern und Ritter weltweit über drei Millionen Mal verkauft. In seiner unnachahmlichen Art beweist es, dass sich Einfachheit und Komplexität nicht immer gegenseitig ausschließen.
Es war einmal ein kleines Dorf in Frankreich. Im Gegensatz zu einer bekannten literarischen und unbeugsamen Variante, hatte es mit den römischen Legionen keine Probleme. Im Gegenteil, die Römer selbst hatten Carcassonne im 1. Jahrhundert v. Chr. gegründet. Heute zählt die Stadt in Frankreichs Süden zu den besterhaltenen Festungsstädten Europas.
Hierhin verschlug es 1996 den studierten Musiker und Theologen Klaus-Jürgen Wrede auf einer Urlaubsreise, bei der sich der Katholik auf die Spuren der Katharer (eine als Ketzer verfolgte Glaubensgemeinschaft) begeben hatte. So führte ihn sein Weg also in die besagte Stadt im Département Aude. Wrede war schwer beeindruckt von den mittelalterlichen Festungsanlagen, und auf der Heimreise hatte er ein schönes Souvenir im Gepäck: die Idee zu seinem Spielehit!
Einfach ist am schwersten
Zwar war nun die Idee geboren und es stand das Konzept fest, ein Spiel zu entwickeln, in dem es um feudale Machtspiele ging, doch wie es nun mal so ist, entsteht der Erfolg nicht über Nacht. Der Komponist in Wrede verglich die Situation mit dem Schreiben von Musik: In beiden Fällen komme die Idee von selbst und dränge mit Nachdruck nach außen – bei der Musik zeige sich dieser Drang in Noten, bei einem Spiel in Regeln.
Dem 1963 in Meschede im Sauerland Geborenen lag viel an der Reduktion des Spielprinzips auf klare Strukturen und einfache Spielbarkeit – ohne dabei jedoch am taktischen Reiz zu sparen! Ein Jahr und viele Testspielrunden vergingen, ehe dieser Prozess zu seiner Zufriedenheit abgeschlossen war. Und das Ergebnis kann sich sehen und vor allem richtig gut spielen lassen.
Eine neue Welt des Spiels
Carcassonne ist kein starres Brettspiel. Mit jeder Partie erfindet es sich quasi neu. Ein Brett gibt es in dem Sinne auch gar nicht. Stattdessen dient ein Tisch oder eine etwaige andere Unterlage als Spielfläche für die mittelalterliche Landschaft, die sich aus vielen kleinen quadratischen Plättchen jedes Mal anders zusammensetzt. Die von der in Brettspielkreisen bekannten Grafikerin Doris Matthäus gestalteten Plättchen zeigen Wiesen, Klöster, Straßenabschnitte und Teile einer Stadt.
Auf den ersten Blick erscheint das Spiel recht simpel. Ein Startplättchen liegt offen aus, während die restlichen Plättchen als verdeckter Stapel danebengelegt werden oder in einen Beutel wandern. Reihum nehmen die Spieler während ihres Zuges eines der verdeckten Plättchen auf und fügen es der bereits bestehenden Landschaft hinzu. Anschließend hat man die Option, einen seiner Gefolgsleute (Pöppel) auf einem Abschnitt des gerade gelegten Kärtchens zu platzieren. Je nachdem, wo man ihn einsetzt, wird der Pöppel zum Ritter (Stadt), Wegelagerer (Straße), Mönch (Kloster) oder Bauern (Wiese).
Entscheidend beim Einsetzen ist, dass niemals zwei Figuren dasselbe Gebiet für sich beanspruchen dürfen. Eine Konkurrenzsituation kann aber daraus entstehen, wenn vormals unabhängige Stadtteile, Straßen oder Wiesen zu einem großen Ganzen zusammenwachsen. Dann wird das Anlegespiel im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Spiel, in dem man sich auch schon mal mit seinen Mitspielern anlegt. Und genau dieses Taktieren und vorausschauende Planen macht, mit einer gewissen Portion Glück, den Charme von Carcassonne aus.
Im erweiterten Sinne
Wem das Basisspiel dann doch zu lapidar erscheint, für den halten die Erweiterungen neue Einwohner und Gebäude bereit. Da gibt es Wirtshäuser und Kathedralen, Burgfräuleins und Drachen, Händler und Baumeister – ja, sogar blaues Blut in Gestalt des Königs oder des Grafen lässt sich zu einem Spiel herab. Kein Jahr vergeht ohne einen neuen Ableger des Carcassonne-Universums. Dabei ist das Grundspiel mit den Erweiterungen beliebig kombinierbar, wird durch Letztere aber nicht grundlegend verändert. Es widerfährt ihm nur eine taktische Neuausrichtung!
Und wenn Sie es noch gar nicht in Ihrer Sammlung haben, dann doch hoffentlich bald zumindest auf der Rechnung. Denn hier ist Ihr Geld zur Abwechslung wirklich mal gut angelegt.ath
Weitere Informationen unter
www.hans-im-glueck.de






