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Von Ass bis Zocken
Spiele: Poker
Vom Saulus zum Paulus! – so ungefähr stellt sich der erstaunliche Wandel des Pokerspiels in den vergangenen 200 Jahren dar.
Nugget Town: An einem maroden Tisch des heruntergekommenen Saloons haben sich finstere Gestalten zum Pokerspiel eingefunden. Mürrische, vom harten Prärieleben zerfurchte Gesichter, verdeckt von ihrem tief ins Gesicht gezogenen Cowboyhut – so sitzen sie sich in ihren langen Trenchcoats missmutig, aber wachsam gegenüber.
Vor ihnen auf dem Tisch stehen Whiskey, Scotch und weitere machotypische Destillate. Die Karten werden aufgedeckt, und James „Wildcard“ Bill blättert genüsslich seine vier Asse um. Eine Sekunde später liegen der umgestoßene Tisch, die Gläser und die Einsätze in der Ecke, und die Läufe sämtlicher Bleibüchsen sind auf alle Beteiligten gerichtet. Wer jetzt nur mit der Wimper zuckt, verliert
Doch genug der Mythen.
Lang ists her
Das Pokerspiel wurde zwar nicht im Wilden Westen erfunden, aber jenes raue Bild begleitet uns seit Kindheitstagen. Seine Ursprünge vermutet man in einem persischen Kartenspiel namens Nas, das dem Five Card Stud (siehe Varianten des Pokerspiels) ähnelt. In Europa kam das Poch- oder Poque-Spiel auf, von dem sich der heutige Name (engl. to poke = stoßen) ableitet.
Ausgehend von New Orleans verbreitete sich das als anrüchig geltende Spiel dann ab dem frühen 19. Jahrhundert auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent. Besonders bekannt sind die schwimmenden Casinos, die Raddampfer, auf die man zunehmend auswich, da immer mehr Städte Gesetze gegen das Glücksspiel einführten. Auf fruchtbaren Boden fiel das Pokern auch zu Zeiten der Goldrausch-Ära. Casinos sorgten für Ablenkung und brachten so manchen Glücksjäger um das, was er soeben erst gefunden hatte.
Pokern heute
Dass sich das Image des Spiels vor allem in den letzten Jahren gewandelt und von der saloonfähigen Trickbetrügerei hin zu einer salonfähigen Freizeitbeschäftigung gemausert hat, liegt wohl nicht zuletzt auch an den „TV total“-Pokernächten, an den Poker-Sendungen nebst -analysen des DSF (Deutsches Sport-Fernsehen) und vor allem natürlich an den geradezu aus dem Boden sprießenden Onlinepoker-Portalen, wo sich Spieler aus der ganzen Welt um virtuelle Tische versammeln.
Aber auch heute mischen im übertragenen Sinne noch Fieslinge am Pokertisch mit. Zum Beispiel, wenn sich James Bond im jüngsten Auftrag Ihrer königlichen Majestät im „Casino Royal“ mit seinem kühlen Widersacher einen Nervenkrieg um die Pokerchips (Casino-Standard 9,5 Gramm) in Millionenhöhe liefert.
Die Varianten des Pokerspiels
Grundsätzlich unterscheidet man drei Kategorien des Pokerns: Stud Poker, Draw Poker und Holdem. Diese teilen sich wiederum in unzählige Spielarten auf.
Beim Stud Poker erhalten die Teilnehmer für ihre Gegenspieler offen einsehbare sowie verdeckte Karten. Dabei verändert sich oft die Position des Spielers, der die Runde eröffnet. Draw Poker ist die einzige Variante, bei der man keinerlei Einblick in die Karten der Gegenspieler hat. Und Five Card Draw ist jenes Spiel, wie es uns aus den „Western von gestern“ bekannt ist. Der Glücksfaktor spielt hier eine größere Rolle.
Flop, Turn und River
Besonders schnell wachsender Beliebtheit erfreuen sich aber neuerdings die Holdem-Varianten, speziell Texas Holdem. Dabei werden jedem Spieler vorab zwei Karten verdeckt ausgeteilt, in die nur er Einblick hat. Im Verlauf einer Runde erhalten alle Mitspieler dann, und zwar offen, erst drei Karten („Flop“), dann eine („Turn“) und schließlich noch eine Karte („River“), so dass schließlich fünf Karten offen ausliegen. Aus diesen insgesamt sieben Karten bildet man sein bestes Blatt, darf aber nur fünf der Karten verwenden.
Die Einsätze werden einmal am Anfang und dann nach jeder Phase gemacht, oder man steigt aus. Am Ende jeder Runde kommt es unter den im Spiel Verbliebenen zum Showdown.
Das Pokern wird oft mit dem Vorwurf des reinen Glücksspiels konfrontiert, ist aber weit mehr als das. Um den Tisch am Ende des Tages als Sieger zu verlassen, bedarf es der Strategie, des Bluffs und jeder Menge Kalkül. Vor allem aber braucht es Disziplin, sich selbst bei fortlaufend schlechtem Blatt nicht zum Spielen hinreißen zu lassen. Beherzigt man dies, hat man langfristig gesehen gute Karten.
Kleine Terminologie
Ass-Ass = American Airlines, Pocket Rocket oder Bullets
Ass-König = Anna Kournikova
(gutes Aussehen, gewinnt aber selten)
König-König = King Kong, Cowboys
Dame-Dame = Double Date, Siegfried and Roy, The Ladies
Zwei-Sieben = Beer Hand (schlechtestmögliche Hand)
Weitere Informationen unter www.dsf.de > poker
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