Artikel dieser Ausgabe aus Freizeit
Meine Gesundheitsapotheke
Voll im Weihnachtstress
Bin ich geschafft«, stöhnt Carlotta und lässt sich auf einen Sessel im Clubhaus fallen. »Das war die dritte Klassenarbeit diese Woche. Und alles kurz vor den Weihnachtsferien.«
»Ich weiß im Moment auch nicht, wo mir der Kopf steht«, murrt Olli. »Hab` ja schließlich neben der Schule auch noch so was wie ein Privatleben.« Müde schlurft er zu dem kleinen Kühlschrank in der Ecke und nimmt eine Flasche Cola raus.
»Habt ihr schon Weihnachtsgeschenke gekauft?«, wechselt Paula das Thema und schrickt zusammen, als Olli schnauft wie ein wütender Stier.
»Hör` mir bloß damit auf«, knurrt er mit zusammengebissenen Zähnen, »wenn ich heute noch mal White Christmas hören muss, krieg` ich echt `nen Anfall. Wisst ihr, wie oft ich in letzter Zeit für den Einkaufsservice unterwegs war? Freiwillig betrete ich die nächste Zeit kein Geschäft mehr!«
In diesem Augenblick fliegt die Tür zum Clubhaus auf und Onur wird von einer heftigen Windböe hereingeweht.
»Brrrrr«, macht er und schüttelt sich. »Was für ein Mistwetter. Sagt mal, konntet ihr Mathe?«
Als seine Freunde nur genervt aufstöhnen und mit den Augen rollen, grinst er breit. »Okay, dann ging es euch ja auch nicht besser als mir. Wie sieht´s aus ... wollen wir ins Kino gehen?«
Dazu braucht er die anderen nicht erst lange zu überreden. Schnell haben sie ihre Sachen gepackt und machen sich auf den Weg. Doch kurze Zeit später bereuen sie ihren Entschluss fast. Der Bus kommt nur langsam voran und ist brechend voll. Wie die Sardinen in der Dose stehen die Fahrgäste dicht an dicht gedrängt und atmen jedes Mal erleichtert auf, wenn durch die offene Tür an einer Haltestelle etwas frische Luft hereinströmt.
Am ZOB steigen die vier aus und schieben sich mit den vielen anderen Passanten in Richtung Fußgängerüberweg.
»Wären wir bloß zuhause geblieben«, schimpft Olli leise vor sich hin und wischt sich ein paar Regentropfen aus dem Gesicht.
Endlich stehen sie vor der Kinokasse. Plötzlich schreit Paula auf: »Mein Portmonee!« Überrascht gucken die anderen sie an. »Mein Portmonee ist weg ... geklaut ...!« ruft Paula aufgebracht.
Carlotta versucht sie zu beruhigen. »Hast du es vielleicht zuhause liegen lassen? Oder im Clubhaus?«
Doch Paula schüttelt energisch den Kopf. »Nein, ich weiß genau, dass ich es vorhin in meine Tasche gesteckt habe«, antwortet sie und ist den Tränen nahe. »Mein ganzes Geld ... ich wollte doch morgen Weihnachtsgeschenke kaufen ...«
Auf Kino hat an diesem Abend niemand mehr Lust, betrübt machen sie sich auf den Heimweg. Plötzlich klingelt Carlottas Handy.
»Ja, hallo?«, meldet sie sich und ruft dann erfreut aus: »Wie ... echt? Ist ja klasse ... wir sind gleich da!«
Strahlend guckt sie Paula an. »Jemand hat dein Portmonee gefunden, da war meine Handy-Nummer drin. Wir treffen uns gleich am Karussell auf dem Weihnachtsmarkt!«
Als die Freunde kurze Zeit später im Lichterglanz der Weihnachtsbuden mit dem ehrlichen Finder einen heißen Apfelpunsch trinken, breitet sich nicht nur im Magen ein wohliges Gefühl aus. Und Paula glaubt ihren Ohren nicht trauen zu können, als sie hört, wie Olli auf einmal zu »White Christmas« mitsummt.
Catrin Liebscher




