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Samstag, 04. Februar 2012
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... und die Haare im Wind!

Der Spätsommer lädt zu ausgedehnten Radtouren im Norden ein.

Vom langen Sommer nimmt wohl niemand gerne Abschied – immerhin ist die warme Jahreszeit stets auch mit einem positiven Lebensgefühl verbunden, mit (auch textiler) Leichtigkeit und vielen sportlichen Betätigungen in der freien Natur. Allerdings bieten Temperaturen jenseits der 24-Grad-Marke nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für Aktivitäten unter erhöhtem Körpereinsatz.

Aus diesem Grund schätzen insbesondere Naturfreunde und Freizeitsportler die noch lauen, aber eben nicht mehr heißen Spätsommertage. Wer im September auf seinen Drahtesel steigt, erlebt und erfährt die Umgebung von ihrer schönsten Seite – ganz besonders im hohen Norden.

Weitgehend flach, ist die Landschaft zwischen Sylt und Usedom wie geschaffen für einen Ausflug auf dem »bike«: Wälder und Felder, die Nähe zum Meer sowie lauschige Plätzchen garantieren abwechslungsreiche Streckenabschnitte, die viel zu schön sind, um sie in Rekordzeit abzufahren. Im Folgenden stellen wir Ihnen ausgewählte Touren in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vor.

Die Seeluft in der Nase: der Nordseeküsten-Radweg.
Selbst durchtrainierte Radsportler dürften Probleme haben, die 357 Kilometer lange Strecke zwischen der Unterelbe und der dänischen Grenze in einem Zug zu bewältigen – warum auch?!

Tatsächlich gestaltet sich der Trip, auf mehrere Tage verteilt, zu einem ebenso erholsamen wie erlebnisreichen Vergnügen. Eine herb-frische Meeresbrise, die hautnahe Begegnung mit dem faszinierenden Wattenmeer und der weiten, ebenen Marschenlandschaft, geruhsame Landpartien durch kleine Häfen, historische Städte und schmucke Dörfer – das alles und noch viel mehr erwartet den Radwanderer an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste.

Die Route verläuft am Eidersperrwerk, den Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal und dem Windpark im Kaiser-Wilhelm-Koog vorbei und bietet viele reizvolle Verlockungen für kleine Stopps. Die Fährhäfen locken mit Ausflugsfahrten zu Inseln und Halligen. Beeindruckende naturkundliche Erlebnisse versprechen die Seehundstation in Friedrichskoog und das Multimar Wattforum in Tönning. Und als literarischer Kontrapunkt lohnt ein Besuch Theodor-Storm-Haus in Husums Bilderbuch-Altstadt.

Unvergesslich schön: die Strecken direkt an den Deichen des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Auf der einen Seite die See unter einem unendlich hohen Himmel, auf der anderen die Idylle friedlich grasender Deichschafe sowie die Weite und Stille der Marschen. Welch ein erholsamer Kontrast zum Alltagsstress!

Nähere Infos unter: www.nordseekuestenradweg.de

Auf historischem Pfad: die »Alte Salzstraße«.
Kaum ein Rohstoff hat den Handelsstädten des Mittelalters auf vergleichsweise einfache Art zu solchem Reichtum verholfen wie Salz (vergleichen Sie hierzu auch den Reiseartikel über Venedig in dieser Ausgabe). Einfach, weil das Mineral nicht selten schon in geringer Tiefe in den Salzstöcken zu finden war und entsprechend schnell zu Tage gefördert werden konnte. Die Stadt Lüneburg besaß einen solchen Stock und wurde so zum Ausgangspunkt einer Handelsroute Richtung Lübeck, dem Tor zur Ostsee.

Die 3-tägige Radtour »Alte Salzstraße« führt Sie aus dem norddeutschen Flachland hinein in die sanfte Hügellandschaft der über 40 Lauenburgischen Seen. Die mächtige Elbe und der hohe Geestrücken bilden die ersten landschaftlichen Höhepunkte. Weiter geht es den größten Teil der Strecke entlang des romantischen Elbe-Lübeck-Kanals. Lauenburg, Mölln und Ratzeburg laden mit vielen Cafés, Restaurants und Museen zu lebhaftem Kleinstadtleben ein.

Weitere Infos unter: www.lauenburg.de/tourismus

Freie Fahrt in Mecklenburg-Vorpommern.
In puncto Fahrradfreundlichkeit steht das große Bundesland an der Ostsee auf der Beliebtheitsskala ganz oben – sieben Mal in Folge wählten die Mitglieder des ADFC Mecklenburg-Vorpommern zur schönsten Region bundesweit. Ein Netz von Radfernwegen mit insgesamt mehr als 2.300 Kilometern Strecke und unzählige weitere Routen durchziehen das Land von Nord nach Süd und von Ost nach West und überlassen es dem persönlichen Geschmack, ob man lieber in Meeresnähe radeln möchte oder das seenreiche Binnenland erkunden will.

Der Ostseeküsten-Radweg.
Von Travemünde bis nach Usedom an der polnischen Grenze reicht dieser zauberhafte Radtourweg, vorbei an historischen Hansestädten, mondänen Seebädern mit ihrer über hundertjährigen Geschichte und Architektur und idyllischen Fischerdörfern, zwischen denen der Blick ungehindert bis zum entfernten Horizont schweifen kann. 670 Kilometer insgesamt misst die Strecke, wobei sich 15 Tagestour-Abschnitte empfehlen:

Lübeck-Travemünde – 65 km – Wismar – 50 km – Rerik – 45 km – Rostock-Warnemünde – 41 km – Ahrenshoop – 39 km – Barth – 45 km – Stralsund – 60 km – Gingst – 59 km – Kap Arkona – 47 km – Sassnitz – 30 km – Sellin – 30 km – Putbus – 45 km – Stralsund – 35 km – Greifswald – 51 km – Wolgast – 33 km – Ahlbeck.

Mecklenburgischer Seenradweg.
Wer das Bundesland vom südlichen Ende kommend erkunden will, kommt um den Mecklenburgischen Seeradweg nicht herum. Seit 1999 schlängelt sich die inzwischen äußerst beliebte Tour quer durch die abwechslungsreiche Landschaft – von Lüneburg an der niedersächsischen Grenze, über Waren (Müritz) durch die Seenplatte bis zur Insel Usedom. Von unvermeidlichen Ausnahmen abgesehen, verläuft die 607 Kilometer lange Trasse abseits stark frequentierter Straßen.

Am Wegesrand liegen mehr als 80 freundliche Herbergen, die Biker auch für eine Nacht aufnehmen und sie gern mit Ersatzteilen und Informationen zur Umgebung versorgen. Einige bieten zudem an, das Gepäck zum nächsten Etappenziel zu befördern. Besonders in der Mitte macht der Weg seinem Namen alle Ehre. Ein See folgt dem anderen, und jeder lädt zur erfrischenden Badepause oder zur Boots­partie ein.

Weitere Infos zu diesen und weiteren Radtourwegen in Mecklenburg-Vorpommern finden Sie unter: www.auf-nach-mv.de

espa

Leuchtturm Westerheversand.
Elbe-Lübeck-Kanal.
Die »Alte Salzstraße« führt an sanften Hügeln vorbei zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten.
Dom zu Ratzeburg.
Praktisch: Kartenhalter für den Lenker.
Kap Arkona auf Rügen.