Artikel Freizeit im Detail

 
Sie sind hier: Freizeit / Artikel
Donnerstag, 24. Mai 2012
...

Streifzug durch die Hochburgen

Typisches für die tollen Tage

Ob es nun Karneval oder Fastnacht heißt: In allen närrischen Hochburgen, im Norden oder Süden, Westen oder Osten, ist die ausgelassene Stimmung zu erleben. In der letzten Woche der tollen Tage – zwischen Weiberfastnacht (Donnerstag) und Aschermittwoch – gibt es vor allem zwei karnevalistische Stätten: die Straße und die Kneipe bzw. eine Mischung von beidem.

Aber schon zum kalendarischen Beginn des Treibens, am 11. 11. um 11.11 Uhr, werden die Menschen in den traditionellen Feierregionen von der närrischen Zahl „elf“ in ihren Bann gezogen. Obwohl der Straßenkarneval erst drei Monate später beginnt, wird am Tag der Eröffnung in vielen Städten kostümiert gefeiert. Daher gilt bereits im November eine wichtige Grundregel: Erscheine im Kostüm!

Rollende Kneipen im Rheinland

Wenn vom Karneval gesprochen wird, fällt vielen sofort das Rheinland ein. Dazu gehören in erster Linie die närrischen Hochburgen Köln, Düsseldorf, Aachen oder Bonn. Die Rheinländer sind bekannt für ihre offenherzige Art, hier bekommt man schnell Kontakt. An Karneval ist es geradezu eine Leistung, den Kontakt zu vermeiden. Ganz schnell kann es passieren, dass man – schwupps – von einer Schunkelmenge eingehakt wird.

Dann wird die Straßenbahn zur rollenden Kneipe, in der die Saison-Hits rauf und runter gesungen werden – live und a cappella von einem Chor, der sich an jeder Haltestelle neu formiert. Eine demokratische Musikgemeinde, in der jeder mal den Einsatz geben darf und alle singen, wie sie wollen. Entscheidend ist, den Text und nicht den Ton zu treffen.

Zwischen Selbstversorgung und Bewirtung

Der routinierte Karnevalist ist zunächst Selbstversorger: Er hat den Tresen um den Hals hängen, Flachmann und Glas baumeln an einer Schnur. Denn im Straßenkarneval ist Planung die halbe Miete, und nicht einmal echte Jecken verlassen sich darauf, dass es schon werden wird.

Ist der mobile Vorrat dann schließlich doch erschöpft, begibt man sich in die nächste Kneipe. Dort schlägt einem zuerst warme und stickige Luft entgegen. Wenn man dann ein freies Plätzchen ergattert hat, heißt es ganz schnell von irgendjemandem in der Runde: „Noch mal für alle“, und man bekommt vom Wirt ein Kölsch oder Altbier vor die Nase gesetzt.

Spaß an der Freude

„Anmache und Saufen“ – dieses Bild haben viele Außenstehende vom Karneval. Dabei liegen sie aber meist falsch. Echte Jecken freuen sich auf das Feiern, die gute Laune und den „Spaß an der Freud“ – und das völlig ohne Hintergedanken. In Köln wird von Fremden vor allem das „Bützen“ (Küssen) oft falsch verstanden. Gebützt wird im Karneval oft und gerne, auch zwischen Fremden. Damit sind keine Knutschereien gemeint, sondern kleine Küsschen.

Ritualisierte „Bützjer“ gibt es an Weiberfastnacht. Die jecken „Wiever“ gehen mit der Schere auf Männerjagd und schneiden deren Krawatten ab. Zusätzlich zur Trophäe gibt’s ein Küsschen. Das ist bekannt und geht oft so schnell, dass man sich kaum dagegen wehren kann. Die meisten Männer spielen das Spielchen gerne mit und hängen sich extra alte Schlipse um.

Rosenmontag in Norddeutschland

Auch im Norden Deutschlands treiben es die Narren bunt. Zum einzigen Rosenmontagsumzug in Schleswig-Holstein (Marne) kommen immer viele Gäste. Traditionell beginnt der Umzug erst am Nachmittag, damit die Kinder das Karnevals­treiben miterleben können. Der Startschuss fällt mit dem Sturm der Narren auf das Rathaus und der symbolischen Übergabe der mit Schokotalern gefüllten Stadtkasse an das Marner Prinzenpaar.

Für alle großen und kleinen Narren regnet es mehrere Stunden lang Kamelle, etliche Tonnen der Süßigkeiten stehen dafür bereit. Fantasievoll geschmückte Wagen und kostümierte Narren ziehen durch die Straßen und nehmen wie im Rheinland politische Themen aufs Korn. Die Norddeutschen tanzen, ganz entgegen ihrem Ruf als Karnevalsmuffel, verkleidet und bunt geschminkt am Straßenrand mit. Auch in Marne wird nach dem Umzug in den Kneipen und Gaststätten der Stadt weitergefeiert.

Fastnacht und Fasching im südlichen Deutschland

Im südwestdeutschen Raum haben sich unter dem Begriff „Schwäbisch-alemannische Fastnacht“ Formen der mittelalterlichen Fastnacht erhalten. Die geografische Grenze zum Karneval lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Etwa ab Mainz heißt es nicht mehr Karneval, sondern Fastnacht oder Fasching. Die ältesten Fastnachten findet man heute in Elzach, Oberndorf am Neckar, Rottweil, Schömberg und Überlingen.
Dort springen während der tollen Tage mit Stoff- und Holzmasken maskierte Narren durch die Straßen ihrer Stadt. Die alten Kostüme und Traditionen der alemannischen Fasnet sind zum Teil auch in Museen zu sehen.

„Schmutziger Donnerstag“

Die Hochphase der närrischen Tage startet auch hier am Donnerstag vor dem Aschermittwoch. An diesem Tag übernehmen die Narren die Herrschaft, stürmen das Rathaus und verlangen vom Bürgermeister den Schlüssel. Diese Tradition geht auf das Mittelalter zurück. Damals war es üblich, dass der Stadtregent die Schlüssel für die Tormauern der Stadt besitzt.

Je nach Region wird dieser Tag auch „fetter“, „schmutziger“, „unsinniger“ oder „schwerer“ Donnerstag genannt. Traditionell werden an diesem Tag Fastnachtskrapfen gebacken – daher auch der Name „schmutziger Donnerstag“, was auf Alemannisch „Fett“ oder „Schmalz“ bedeutet. Krapfen sind ein Gebäck, das in heißem Fett gebacken wird. Am besten schmeckt es frisch und wird bevorzugt noch lauwarm serviert.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei

Am Faschingsdienstag wird in manchen Gegenden die Fastnacht begraben: Teilweise gibt es Begräbnisumzüge, bei denen am Ende eine Puppe, die den Fasching darstellen soll, verbrannt oder begraben wird, bevor die christliche Fastenzeit beginnt.

Zum Aschermittwoch gehört das Geldbeutelwaschen: Die durch das Feiern der letzten Tage geleerten Geldbeutel werden in einen Brunnen oder fließendes Gewässer gehalten. Dadurch sollen sie wieder aufgefüllt werden.

Karneval kulinarisch

Was wird eigentlich an Karneval gegessen? Hier lautet die wichtigste Grundregel: Essen Sie etwas Deftiges, denn Sie brauchen eine solide Grundlage!

Solide Grundlage à la Tünnes und Schäl …

Als Kleinigkeiten für zwischendurch bieten sich würzige Häppchen an. Kleine Stückchen Schwarzbrot, mit einer kräftigen Matjescreme bestrichen, haben ihren Namen von den zwei legendären Figuren aus einem Kölner Puppentheater: Tünnes und Schäl.

Der Name Tünnes ist die rheinische Form von Antonius. Der wird als knollennasiger, rustikaler Typ mit friedlichem Gemüt und einer gewissen Bauernschläue dargestellt. Schäl bezieht sich einerseits auf das Schielen der anderen Figur, andererseits bedeutet der Ausdruck im Kölschen auch schlecht oder falsch, so dass der Name mit Absicht doppeldeutig ist.

Obwohl es diese beiden Gestalten in der Realität nie gegeben hat, werden sie zu den „kölschen Originalen“ gezählt. Denn sie verkörpern nach Ansicht der Kölner zahlreiche Eigenschaften der Bewohner der Stadt.

… oder etwas Süßes

Im Gegensatz zu „Kölle Alaaf“ lautet der karnevalistische Gruß in Düsseldorf: „Helau!“ Dort erwacht zum traditionellen Auftakt des närrischen Treibens der Hoppeditz am 11. 11.

In seiner Narrenschelte auf dem Marktplatz liest die Symbolfigur des Düsseldorfer Karnevals den Politikern der Stadt tüchtig die Leviten, die ihm dann auf die gleiche Weise antworten müssen.

Der Düsseldorfer Karneval ist ein fröhliches, buntes Volksfest, in dem es erlaubt ist, sich über die Welt und auch sich selbst lustig zu machen. Viele Angebote locken zu Kamelle oder Apfelmuffins. Zahlreiche Prunksitzungen, Bälle, närrische Jubiläen, Empfänge und Kostümfeste stehen auf dem Programm. Oder aber man geht einfach in die Kneipe
schunkeln.

Rezepte >>

md

Fotos: koelner-bilder.de (2), Fotos: Oliver Valentin (2), Fotos: UNT