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Donnerstag, 24. Mai 2012
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Sich gruseln kann so schön sein

Historie der Gruselfilme

Was immer den Menschen dazu bewegt, sich freiwillig dem Schrecken auszusetzen: Zu Halloween tut er es besonders gern. Höchste Zeit also für ein paar gruselige Filmempfehlungen.

Bleibt nur zu fragen, was überhaupt ein Gruselfilm ist. Und was ihn von einem Horrorstreifen unterscheidet oder gar von einem Psychothriller. Ohne den Experten dieser Genres nahetreten zu wollen: Gänsehaut will wohl jede dieser Spielarten erzeugen. Verzichten wir also an dieser Stelle auf eine wissenschaftliche Analyse und widmen uns ganz dem Wunsch des Zuschauers, hinterher schlecht schlafen zu wollen.

Mehr noch als bei einem Melodram, einer Komödie oder einem Beziehungsfilm misst sich die Wirkung eines „Schockers“ an seiner Entstehungszeit. Mit anderen Worten: Was einen früher einmal das Fürchten lehrte, bedient heute eher die Lachmuskeln. Wenn Christopher Lee alias „Dracula“ seine Fangzähne lüftet oder Riesenspinnen wie „Tarantula“ auf Beutejagd gehen, werden dieser Tage vermutlich nur noch eingefleischte Fans in Verzückung geraten. Dennoch: Auch solchen Klassikern gebührt ein Platz im Olymp des Schauderns.

Monstermäßig gut
In DVD-Playern findet man ihn wohl kaum noch, dafür aber, ein wenig eingestaubt, in mancher privaten Cinemathek:
Murnaus Nosferatu – Symphonie des Grauens. Der Stummfilm aus dem Jahr 1922 gilt als erste filmische Adaption von Bram Stokers Dracula. Knapp 60 Jahre später bearbeitet Regisseur Werner Herzog den Stoff erneut und besetzt die Titelrolle mit Deutschlands inzwischen längst verstorbenem Vorzeigebösewicht Klaus Kinski. Ein Leckerbissen nicht nur für Vampire.

Wer Ridley Scotts Alien schätzt, wird vielleicht auch an John Carpenters The Thing Gefallen finden. Zwar hat sich der Streifen aus den 70er Jahren schon eine gewisse Patina zugelegt, die Schaffung von „Suspense“ im Geiste Hitchcocks aber gelingt ihm selbst aus heutiger Sicht noch brillant. Wenn etwa die Kamera durch die schmalen Gänge der Eisstation fährt und sich langsam dem Rücken des Funkers nähert, dann kann das eigentlich nur noch eines bedeuten … Tut es aber nicht. Das wahre Grauen entsteht eben in den Köpfen der Zuschauer, und die kann man gern auch mal in die Irre führen.

Die Idee, das Unheil aus dem fernen All kommen zu lassen, ist nicht sonderlich neu. Schon in Die Dämonischen aus den 50er Jahren droht der Feind aus dem Weltenraum. Mysteriöse Samen mutieren zu Kapseln, verschlingen die Menschen und ersetzen sie durch seelenlose Klone. Dem Original folgten gleich zwei Remakes, von denen Die Körperfresser kommen mit Donald Sutherland eindeutig das bessere ist.

Der wahre Thrill
Man muss allerdings nicht derart weit ausholen, um Monstern zu begegnen: Der scheinbar nette Nachbar von der Ecke tut es auch. Einen der ersten triebgesteuerten Serienmörder auf der Leinwand mimte Karlheinz Böhm in Peeping Tom – Augen der Angst aus dem Jahr 1959. Leider war die (deutsche) Öffentlichkeit damals noch nicht reif für derartige Abgründe der Seele. Der Film kam auf den Index, und für Böhm bedeutete er fast das Ende seiner Karriere.

Nur ein Jahr später dann der nächste Paukenschlag – dieser jedoch mit Erfolg. Millionen Augenpaare schauen durch ein kleines Loch in der Wand. Ihr Blick fällt auf einen Duschvorhang, hinter dem sich die Silhouette einer Frau bewegt. Die Kamera taucht in die Szene ein, zeigt nasses, blondes Haar, aufsteigenden Wasserdampf, einen Duschkopf, aus dem, messerscharf, unzählige Strahlen auf den Betrachter herabstürzen, ein Stück Seife auf seiner Wanderung über die Nacktheit von Arm und Bein. Zwanzig, dreißig Sekunden lang bleibt der Zuschauer mit der Duschenden allein. Dann naht das Unheil, langsam, doch unaufhaltsam. Der Rest ist Geschichte.

Mit Norman Bates in Psycho betritt zu Beginn der 60er Jahre eine Figur die Kinoleinwand, die bis dahin schlimmstenfalls in den Niederungen unserer Fantasien beheimatet war. Eine Figur, die wie ein Blindgänger ohne erkennbare Ursache explodiert. Die eben noch schüchtern lächelt und im nächsten Moment das Grauen zelebriert. Keine Frage: Bates alias Anthony Perkins hat den Psychopathen – zumindest im Dunkel unserer Wohnstuben – gesellschaftsfähig gemacht.
Das Muster – Mörder/Mörderin mit Dachschaden, dabei jedoch höchst intelligent – hat unzählige Regisseure inspiriert und macht noch heute großen Umsatz an den Kassen. Nennenswerte Beispiele sind
Basic Instinct (das Original wohlgemerkt), Das Schweigen der Lämmer und natürlich Halloween, gleichfalls von John Carpenter und bereits 30 Jahre alt.

Es geht aber auch leiser
Fast schon vergessen und eine Klasse für sich ist der Streifen Cruising mit dem jungen Al Pacino. Als noch unerfahrener Cop wird er in die Hardcore-Schwulenszene eingeschleust, um einen Serienkiller zur Strecke zu bringen. Der allerdings ist Nebensache. Was den Film so sehenswert macht, ist die Figur des Polizisten, der sich dem düster brutalen Sado-Maso-Milieu schutzlos ausgeliefert sieht.

Schauer der feinen englischen Art vermitteln hingegen Filme wie The Others und The Sixth Sense – auch wenn sie aus Amerika kommen. Beide Werke spielen elegant mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und verzichten auf großartige Schockelemente. Fast schon romantisch präsentiert sich The Village. Was wie eine klassische Gruselmär aus dem 19. Jahrhundert beginnt, entpuppt sich … aber das wollen wir hier lieber nicht verraten. espa

Fotos: Shutterstock, amazon.de