Artikel dieser Ausgabe aus Freizeit
Meine Gesundheitsapotheke
Schöne Spiele unterm Weihnachtsbaum
Neue Familienspiele
Wann ist ein Mann ein Mann? Oder wann wird das Kind zum Mann? Wann darf der Mann das Kind in sich rauslassen und wie oft? Dürfen auch Frauen Kinder sein wollen? Fragen über Fragen! Und warum?
Auslöser war die Begegnung mit einem kleinen Jungen. Jüngst kehrte ich, zwei Brettspiele unter den Arm geklemmt, vom Flohmarkt heim, als mich dieser in ein Gespräch verwickelte. Nachdem geklärt war, dass ich tatsächlich mit Spielen – ja, ein erwachsener, hünenhafter Mann mit Spielen – unterwegs war, fragte er mich, was ich denn mit den Spielen vorhabe? Ich erklärte ihm, dass ich damit spielen wolle. Was einen ungläubigen Blick seinerseits zur Folge hatte! „Ja, denn du musst wissen, ich bin ein Spielkind“, versuchte ich mich verlegen zu rechtfertigen. Sein ungläubiger Blick schlug um in ein heiteres Lachen. Sich seiner Sache sicher verkündete er mir: „Nein, du bist ein Mann!“
Ob er mit seinem Urteil immer noch so vorschnell gewesen wäre, hätte er gewusst, dass ich mich nur wenige Tage später 450 Kilometer quer durch die Republik mühen würde mit dem Ziel, Spiele zu sehen, Spiele zu kaufen und Spiele zu spielen auf der Spielemesse in Essen? In jedem Fall hätte er sich ein paar Empfehlungen geben lassen können – und die sollen er und alle Leser von mein coop magazin hiermit bekommen.
„Elasund“ – ein Abenteuer auf Catan
Das musste ja irgendwann so kommen. Schließlich konnten die Cataner, Catalenser, Catanesen oder wie auch immer man die Bürger Catans sonst nennen möchte, nicht ewig in kleinen Siedlungen dahinvegetieren. In Elasund – Die erste Stadt schlüpfen die Spieler in die Rolle von Baumeistern mit der Aufgabe, eine prächtige Stadt zu errichten und dabei möglichst viele Siegpunkte einzuheimsen. Das Spiel enthält Elemente des Erfolgsspiels Die Siedler von Catan, ohne seinen großen Bruder dabei zu kopieren. Handelswaren fehlen ebenso wie die vorher damit verbundene Handelsphase. Geblieben ist das Würfelsystem mit zwei sechsseitigen Würfeln. Eine Sechs und eine Acht stehen der Wahrscheinlichkeit halber also auch weiterhin hoch im Kurs. Eine Sieben ruft den Seeräuber auf den Plan. Dazu wartet das Spiel mit einer besonderen Gemeinheit auf: Die vom Gegner errichteten Gebäude lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen einreißen und überbauen. Das wirkt sich auf die bis dahin erzielten Siegpunkte aus.
Klaus Teubers Elasund ist eine lohnende Anschaffung für alle Brettspieler und für Catan-Liebhaber ohnehin ein Pflichtkauf. Wer sich vorab informieren möchte, der lässt sich unter www.profeasy.de von den Avataren Siegfried und Marlene durch das Spiel führen.
(„Elasund“, Kosmos-Spiele, 2 – 4 Spieler ab 10 Jahren, Preis: ca. 22,– Euro)
„Cherubim“
Über das Spiel selbst konnten wir uns bis Redaktionsschluss leider kein Urteil bilden. Über dessen löblichen Hintergrund dafür sehr wohl. Entwickelt hat es der bekannte Spieleautor Dirk Henn (Der Palast von Alhambra) für das Internationale Katholische Missionswerk missio e.V. In der Rolle eines Cherubims, also eines Schutzengels, bricht der Spieler auf, Gutes zu tun. Zum Beispiel engagiert er sich auf den Philippinen gegen Sextourismus und wirbt in Deutschland um Unterstützung für Hilfsprojekte. Dabei sammelt er Engelspunkte. Der Erlös aus diesem Spiel unterstützt die „Aktion Schutzengel“. Diese setzt sich zum Ziel, denen, die sich selbst nicht helfen können, Hilfe auf verschiedenste Weisen zukommen zu lassen. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf. Laut einer aktuellen UN-Studie werden allein in Afrika bis zum Jahr 2010 etwa 20 Millionen AIDS-Waisen leben.
Weitere Informationen und dieses Spiel beziehen Sie unter www.missio.de. Oder werden Sie mit Ihrer Spende spielend einfach zu einem Engel auf Erden. Spendenkonto: Pax-Bank Köln eG, Zweigstelle Aachen, BLZ 370 601 93, Konto-Nummer 122 122.
(„Cherubim“, missio e.V., 3 – 6 Spieler ab 10 Jahren, Preis: ca. 25,– Euro)
„Arche Optimix“
Wer hat es verbockt, die Einhörner auf die Arche zu schleusen? Dieser und weiteren Fragen gehen Sie in diesem Spiel auf den Grund. Ziel ist es, mittels Karten möglichst viele der eigenen Tiere auf dem Schiff unterzubringen. Dabei gilt es, viele Dinge zu beachten. Eine Mücke beispielsweise hat ein anderes Gewicht als ein Bär, und so muss beim Einladen darauf geachtet werden, dass die Arche nicht zu sehr in Schieflage gerät. Überdies hat man sich als Gehilfe Noahs mit dem Proviant, mit Fleischfressern, Pflanzenfressern, Mischfressern, scheuen und langsamen Tieren und schließlich auch noch mit den Klima-Wünschen einzelner Spezies herumzuärgern. Zu allem Überfluss haben einige Tiere auch noch Spezialfähigkeiten. Ich hätte der Welt ja den Brontosaurus erhalten, aber das Stinktier eines Mitspielers vertrieb ihn aus seiner Kabine. Dieses Spiel lässt nicht nur ganz eigene Evolutionstheorien zu. Es ist auch noch unglaublich süß. Aber Vorsicht, man muss schon sehr genau überlegen, wo sich welches Tier unterbringen lässt.
Von den Machern der Spiele Ursuppe und Urland kommt dieses vergnügliche Familienspiel für zwischendurch, das die grauen Zellen aber durchaus zum Rattern bringt.
(„Arche Optimix“, Spiele von Doris & Frank, 3 – 5 Spieler ab 8 Jahren, Preis: ca. 12,– Euro)
„Caylus“
In Frankreich begnügt man sich nicht damit, einfach nur eine Stadt zu bauen. Nein, der König will ein Schloss! Der französische Verlag Ystari-Games landete im vergangenen Jahr mit dem Spiel Ys einen Überraschungserfolg. Daher wurde das Nachfolgewerk Caylus mit besonderer Spannung erwartet. Wie in Elasund dürfen sich die Spieler auch hier als Baumeister versuchen. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Prestigepunkte (Siegpunkte) zu sammeln. Zu diesem Zweck entsenden die Baumeister ihre Arbeiter. Sie kümmern sich um den Aufbau der Stadt oder treiben den Ausbau des Schlosses voran.
Ob Schloss oder Stadt – hier wie dort benötigt man verschiedene Baumaterialien. Mit dem Ausbau des Schlosses darf sich der vorantreibende Spieler der Gunst des Königs gewiss sein. Diese bringt ihm Prestige, Geld, Bauprivilegien oder Ressourcen ein. Fokussiert ein Spieler sein Wirken auf die sich am Fuße des Schlosses aufblühende Stadt, genießt er ebenbürtige Vorzüge. Außerdem beschert es ihm Ansehen, wenn andere Spieler sich seine Dienste zu Eigen machen wollen. Man sollte die Rechnung aber nie ohne den Vogt machen, denn er muss die Aktivitäten im Dorf absegnen. Schön ist, dass es keine festgeschriebene Reihenfolge gibt. Dadurch, dass die Spieler ihre Arbeiter jede Runde neu einsetzen, ergibt sich immer eine andere Konstellation. Lange Wartezeiten, in denen man untätig herumsitzt, sind somit passee.
Fazit: Vielspieler erwartet ein großartiges Spiel reich an taktischen Finessen. Einsteiger dagegen werden höchstwahrscheinlich von der Regelfülle und der Komplexität überfordert. Eine deutsche Spielanleitung ist selbstverständlich enthalten.
(„Caylus“, Ystari Games, 2 – 5 Spieler ab 12 Jahren, Preis: ca. 30,– Euro)
„Zauberstauber“
Geradezu genial einfach wirkt daneben Zauberstauber. Es ist schnell, kurzweilig und wunderbar originell. Originell deshalb, da es ohne Spielbrett auskommt und jede Partie dadurch anders ist. Dazu kommt, dass es das räumliche Denken schult.
Die Spielidee: Moderne Hexen und Hexer reiten nicht mehr auf Besen, sondern auf den so genannten Zauberstaubern durch die Lüfte. Diesen aber muss man eine Flugroute einprogrammieren. Den magischen Fliegern stehen dabei etliche Teilstücke (Linkskurven, Rechtskurven, scharfe Kurven und längere Geraden) zur Auswahl, die zunächst in den eigenen „Bordcomputer“ eingegeben werden. Spätestens nach der 5. Runde muss ein Spieler abheben, und dann wird sich zeigen, wie gut er seinen Flug bis dahin geplant hat.
Verschiedene Spielvarianten, Hindernisse und unkontrolliert fliegende Mitspieler erschweren dabei stets die eigenen Berechnungen. Derjenige, der zuerst am Ziel ankommt, ist der beste Zauberstauber-Pilot.
(„Zauberstauber“, Kosmos-Spiele, 2 – 4 Spieler, ab 8 Jahren, Preis: ca. 14,– Euro)
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