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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Reines Schwarz-Weiß-Denken

Go – Der Klassiker aus China

In dem Film „A Beautiful Mind“ geht dem vom Hollywood-Darsteller Russell Crowe gemimten, brillanten Kopf John Nash die Niederlage bei einer Partie Go sehr zu Herzen. In sich hineinmurmelnd, dass er doch begonnen und einen Plan gehabt hätte, stürzt sich der Student Nash sogleich in seine Arbeit über die Spieltheorie.

 Für deren Ausführungen erhielt der Mathematiker später im wirklichen Leben auch den Nobelpreis. Dabei hätte er sich nicht so sehr grämen müssen. Go ist ein Spiel, das vielleicht von Logik gestützt, aber erst in Verbindung mit Erfahrung und Intuition gemeistert wird. Und im Gegensatz zum Schach hat im Go noch kein „Deep Blue“ oder anderer Computer einen menschlichen Profi in die Knie gezwungen.

Die Ursprünge des Go sind nicht eindeutig. Dem chinesischen Urkaiser Yao wird nachgesagt, das Spiel um 2000 v. Chr. erfunden zu haben, um seinen Sohn astronomische Konstellationen zu lehren. Diesem soll allerdings weniger an den Gestirnen als am Platzieren der Steine gelegen gewesen sein. Gesicherte Hinweise auf die Existenz des Spiels gibt es seit ca. 2500 Jahren.

Aus Wei-qi wurde Go

Ursprünglich hieß es Wei-gi und erfreute sich insbesondere unter den Beamten der chinesischen Kaiser größter Beliebtheit. Dass das Spiel hierzulande unter seinem japanischen Synonym Go bekannt ist, verdankt es der besonderen Aufmerksamkeit, mit dem das Land der aufgehenden Sonne das Spiel bedachte.

Ein dem Spiel sehr wohl gesonnener „Shogun“ (Herrscher) der Edo-Periode besetzte im 17. Jahrhundert gar den Posten des „Godokoro“ (Go-Minister). Schüler der vier berühmten Go-Schulen Honinbo, Inoue, Yasui und Hayashi maßen ihre Fähigkeiten während der Zeremonie des „o-shiro-go“ in Anwesenheit des Shogun. Die stärksten Spieler erhielten Stipendien. Zu jener Zeit entwickelte sich auch das an die Kampfkünste angelehnte Rangsystem, wobei ein wahrer Meister des Spiels den 9. Dan innehat, während Anfänger in der Regel zwischen dem 20. und 30. Kyu eingestuft werden.

Einfach ist am schwersten

Einfach ist – auch wenn uns Werbung manchmal etwas anderes erzählen will – eben nicht immer nur einfach einfach. Sicher sind die Grundlagen des Spiels schnell zu erlernen. Das Spiel dagegen zu meistern ist in einem Leben kaum möglich.

Das Spielprinzip: Zwei Spieler nehmen sich die linsenförmigen Steine einer Farbe, schwarz oder weiß, und spielen diese in abwechselnder Reihenfolge auf den Schnittstellen einer 19 x 19 Linien großen Spielfläche aus. Auch kleinere Bretter (13 x 13, 9 x 9) stellen Anfänger schon vor eine Herausforderung. Ziel des Spiels ist es, einzelne Steine des Gegners oder ganze Steinketten zu umschließen sowie Territorien zu erschaffen und abzusichern. Als Territorien gelten Schnittstellen innerhalb eigener Steinketten. Gefangen werden Einzelsteine oder Ketten, indem man ihnen keine Freiheiten lässt, sie also umzingelt. Einmal gelegte Steine sind nicht mehr zu bewegen.

Das Spiel endet, sobald beide Spieler in Folge gepasst haben und man sich anschließend auf die „toten“ Steine geeinigt hat. Steine also, die unstrittig nicht mehr zu retten sind. Im Regelfall passiert dies, wenn die Spieler keine Möglichkeit mehr sehen, ihre Position auf dem Brett zu verbessern.

Konfuzius sagt …

Das Spiel an sich ist eine Philosophiestunde. So viel der fernöstlichen Mentalität schwingt in diesem Wettstreit zweier Elemente mit. Es geht um Balance. Die Balance zwischen Hochmut und Zurückhaltung, zwischen Attacke und Rückzug. Parallelen zum Buddhismus, nach dessen Lehren die Erleuchtung allein durch Logik als Trugschluss gilt, werden offenbar.

Auch geht es nicht darum, jemanden wie in vielen Spielvertretern der westlichen Welt, vernichtend zu schlagen. Vielmehr steht die Entwicklung des eigenen Charakters und das Respektieren des gegnerischen Spielziels im Mittelpunkt. Sei es um zu lehren, zu lernen oder zu gewinnen.

Intelligenz aus der „Dose“

Es ist kein Zufall, dass sich die Menschen gleich reihenweise vor dem altehrwürdigen Meister der Spielgilde verbeugen. Sei es Pong-Erfinder Nolan Bushnell, der seine von ihm mitbegründete Firma Atari nach einer Konstellation im Go benannte, oder ausgerechnet der ehemalige Schachweltmeister Emanuel Lasker. „Wenn es im Universum noch irgendwo intelligente Lebewesen gibt, dann kennen sie vielleicht Schach, höchstwahrscheinlich jedoch Go“, wird dieser oft zitiert.

Und auch Forscher mit der Vision einer Künstlichen Intelligenz (KI) sehen im Go ein ideales Testumfeld für die Entwicklung künstlicher Intelligenz. Doch noch beherrscht kein Programm die Berechnung der 10761 Zugmöglichkeiten – im Schach sind es „nur“ 10120 Möglichkeiten – und weit wichtiger noch, dem Computer mangelt es an einer für das Spiel entscheidenden Fähigkeit: der räumlichen Vorstellungskraft!

Weitere Informationen finden Sie unter www.dgob.de.
Eine gute Anlaufstelle für Spielmaterial und Bücher ist der Hebsacker-Verlag in Hamburg.

ath

Fotos: Hebsacker-Verlag