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Punkt, Punkt, Komma, Strich
Die Vorfahren heutiger Video- und Computerspiele
Selbst angesichts noch so großer außerirdischer Invasionsflotten wird anno 1978 wohl nur der Furchtsamste unter den Angsthasen in Panik ausgebrochen sein. Kein Wunder, waren die Aggressoren doch auch nicht mehr als Pixelansammlungen und irgendwie niedlich. Auf der anderen Seite allerdings vermochte auch das planetare Abwehrsystem nur wenig Hoffnung aufkeimen zu lassen.
Ein undefinierbares Gebilde wurde ausgesandt, einer ganzen Armada klobiger Objekte Einhalt zu gebieten. Mit ganzen Salven tödlicher Striche, die die Alienbrut bei einem Treffer zurück ins Nichts des Weltalls beförderten. Altbacken oder einfach nur geradlinig und schnörkellos?
Gemessen an heutigen Standards sicherlich Ersteres, doch trotz oder vielleicht ja auch gerade wegen immer realistischer werdender Spiele haben die Space Invaders ihre Nische gefunden. Sie und weitere sogenannte Vintage- oder Retro-Spiele erleben ihren zweiten Frühling.
Spiel und Satz
Nur der Sieg blieb aus. Wir gehen noch weiter zurück, ins Jahr 1958. Am Brook Haven Laboratory stellt der US-amerikanische Physiker William Higinbotham sein „Tennis for Two“ vor, das er mit Robert V. Dvorak entwickelte. Wenn man so will, war es das erste Computerspiel. Ein Oszillograph wurde mit einem analogen Computer verlinkt. Auf dem 5 Zoll kleinen Bildschirm bewegte sich ein Punkt, dessen Abprallwinkel die Spieler mittels Kontrollkästen einstellen und sich hin und her schlagen konnten. In der Mitte simulierte ein Balken das Netz. Insgesamt maß die Apparatur über 5 Meter in der Breite.
So viel also dazu, der Computerspielmarkt hätte immer größere Ausmaße angenommen. Leider verkannten die Entwickler das Potenzial ihrer Erfindung. Anstatt eine neue Ära der Unterhaltungsmedien einzuläuten, wurden die Einzelkomponenten nach nur zwei Vorführungen im Rahmen von Tagen der offenen Tür wieder auseinandergenommen.
Mit der Lizenz zum Erfolg
Besser gemacht hat es dagegen Atari. Einem kurzen Zwischenspiel der ersten Videospielkonsole Odyssey von Magnavox folgend, schlug die Stunde der von Nolan Bushnell gegründeten Firma. 1977 brachte sie das Atari VCS (Video Computer System) auf den Markt. Und nachdem auch dieses aufgrund mäßiger Verkaufszahlen Schiffbruch zu erleiden drohte, erwarb Atari ab 1979 eine Reihe interessanter Automatenspiel- und Filmlizenzen.
Zu dem schon damals kultigen Pong gesellten sich alsbald weitere unvergessene Klassiker wie Breakout, Space Invaders, E.T. und Pac-Man. Bushnell stieg noch im gleichen Jahr bei Atari aus, wurde aber 2005 für sein Lebenswerk als einer der ersten Würdenträger auf dem „Walk of Game“ verewigt. Auf diesem in San Francisco beheimateten Pendant zum „Walk of Fame“ in Hollywood werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um die Video- und Computerspielbranche verdient gemacht haben.
1984
Fiktiv gesehen war das Jahr 1984 schon vorbelastet, jedenfalls wenn es nach George Orwell gegangen wäre. Doch auch in der Realität war nicht alles eitel Sonnenschein. Es kam zum Einbruch des Videospielmarktes. Zum einen lag das an einer Übersättigung durch Software-„Schrott“, welcher sich in Form billiger Klone bekannter Spiele ausdrückte. Hauptsächlich aber ging der Sturz der Videospiele mit dem Aufschwung der Heimcomputer einher. Computerspiele waren leicht zu kopieren und wurden fieberhaft in Umlauf gebracht. Den Zockern in die Karten spielte dabei der in Deutschland seit 1983 auf dem Markt befindliche C 64.
Commodore-Gründer Jack Tramiel erreichte damit, was ihm vorschwebte: einen „computer for the masses, not the classes“ (einen Computer für alle) zu entwickeln. 17 Millionen Mal wurde das Erfolgsmodell verkauft, bevor die Produktion nach 11 Jahren eingestellt wurde.
Seinerzeit galt der C 64 als der beste Computer im Preis-Leistungs-Verhältnis. Knapp 1500 DM war dem Verbraucher der mit 64 Kilobyte Arbeitsspeicher ausgestattete Rechner wert.
Alle Wege führen nach ROM
Sich alte Sternstunden der Computer- und Videospielgeschichte zurück auf den Bildschirm zu holen, ist relativ einfach. „Emulator“ ist hier das Zauberwort. Der Emulator ist eine Software, die ein anderes System nachahmt. „Mame“ und „Mess“ sind geläufige Vertreter ihrer Zunft. Alles, was es jetzt noch braucht, sind die Spiele. Ältere Software ist häufig nur in Form sogenannter ROM-Bausteine verfügbar. Mit dem Auslesen dieser Daten hat ein Emulator in aller Regel keine Schwierigkeiten.
Und wer auf andere Weise zurück zu alter Jugend will, der ist mit einem Retro-Joystick gut bedient. Anstelle einer Platz raubenden Konsole samt Spielhüllen und Modulen gibt es diese Steuerungsgeräte diverser Hersteller, in denen bereits eine Vielzahl alter Klassiker integriert ist. Nach dem Anschluss an den Fernseher wird direkt losgespielt.
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