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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Noch ein Liebeslied?

Kinotipp: „Chanson d’Amour“ mit Gérard Depardieu ab 18. Januar im Kino

Lieder und Filme über die Liebe sind wie Schneeflocken im Winter. Es gibt unzählige von ihnen, und doch ist jede von ihnen ein einzigartiges Kunstwerk von berauschender Schönheit. Und daher wird es auch niemals langweilig, sich einen Liebesfilm anzuschauen oder ein Liebeslied anzuhören, denn in jedem von ihnen entdecken wir immer wieder etwas Neues.

Chanson d’Amour mit Gérard Depardieu und Cécile de France in den Hauptrollen ist ein Film über die Kraft der Liebe, die ihren Ausdruck in der Poesie der Musik findet. Depardieu spielt den Sänger Alain Moreau, der seinen Charme fernab des Glamours der Großstadt im Milieu der Ballhäuser und Tanzlokale in der französischen Provinz entfaltet. Er singt für die Menschen, die nicht mehr in die Nachtclubs und Discos gehen möchten, um sich zu unterhalten oder um jemanden kennenzulernen. Er verzichtet auf ein Leben als Star, um die Menschen im Ballhaus zum Tanzen zu bringen und sie ein bisschen glücklich zu machen.

Das langsame Werben

Bei einem seiner Auftritte trifft er auf die junge Immobilienmaklerin Marion. Er fühlt sich augenblicklich zu ihr hingezogen und sucht das Gespräch mit ihr, doch sie bleibt distanziert, wenn auch neugierig. Durch Alains Suche nach einem neuen Engagement kommt es zu zahlreichen Begegnungen, bei denen sich beide allmählich kennenlernen und näherkommen.

Alain möchte sich ihr mitteilen, doch Marion gibt wenig von dem preis, was sie bewegt. Sie ist anfangs eher überfordert von Alain, dessen etwas schwerfälliges Auftreten so gar nicht in ihr städtisches Leben zu passen scheint. Doch zugleich ist sie fasziniert von seiner Beharrlichkeit wie auch von seiner natürlichen und feinfühligen Art. Mit der Zeit öffnet sich Marion zwar, doch einer verbindlichen Entscheidung geht sie nach wie vor aus dem Weg.

Wie ein Tanz

Chanson d’Amour ist ein humorvoller und berührender Film, der seine Geschichte in Blicken, Gesten und Liedern erzählt. Er lässt nicht nur teilhaben an der aufkeimenden Liebe zweier ungleicher Menschen, die nicht in Worte zu fassen ist. Er ist auch eine zärtliche und musikalische Hommage an die Welt des Chansons und der Tanzdielen.

Regisseur Xavier Giannoli inszeniert die langsame Annäherung zwischen dem Sänger Alain und der Maklerin Marion, den gleichermaßen von Neugier wie von Berührungsangst begleiteten Prozess, wie einen Tanz der Blicke und Gesten. Die Chansons von Serge Gainsbourg, Charles Aznavour, Michel Delpech und anderen französischen Stimmgrößen verleihen dem Film eine besondere innere Stimme, die weit über die Dialoge hinausgeht.

Eintauchen in das Leben

Die Recherchen für seinen Film führte Giannoli vor Ort in der Auvergne durch, wo er direkt in die Welt der Tanzhallen eintauchte. Dort lernte er auch Alain Charone kennen, der seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, dass er in Clermont-Ferrand bei Tanztees und Firmenfeiern und bei abendlichen Tanzveranstaltungen als Sänger auftritt. In seiner Stadt genießt er einen hervorragenden Ruf. Giannoli begleitete und filmte ihn bei seiner Arbeit, führte lange Gespräche mit ihm und den Leuten aus seinem Umfeld und gewann so intime Einblicke in das Milieu. Fasziniert von der Lebens- und Arbeitshaltung des Sängers beschloss er, ihn zum Vorbild für seine Hauptfigur zu nehmen.
Doch sollte der Film nicht das Leben des Sängers dokumentarisch nachstellen, sondern eine eigene Geschichte erzählen. Entstanden ist die Annäherung zwischen zwei Menschen, die völlig verschiedenen Milieus entstammen, aber dennoch eine tiefe Zuneigung zueinander entwickeln.

Die Lieder im Film singt Gérard Depardieu alle selbst, auch wenn er gar kein Sänger ist. Bei Probeaufnahmen im Studio zeigte sich schnell, dass ihm die Lieder „wie angegossen passen“, wie der Regisseur betont. Somit kann der Schauspieler in diesem Film ganz neue Facetten seines Könnens zeigen. Freuen wir uns auf einen schönen Kinoabend mit viel französischem Flair. 

jp

Fotos: Prokino