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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Mitten durchs Land

Der Nord-Ostsee-Kanal verbindet und trennt zugleich.

Als eine der längsten und – mit rund 40 000 Passagen im Jahr – am meisten befahrenen künstlichen Wasserstraßen der Welt ist der »NOK« eine wichtige und vor allem schnelle Verbindung zwischen Ostsee und Nordsee.

Als Alternative bleibt nur der erheblich längere Weg durch das Skagerrak und die Nordspitze Dänemarks. Der kostet gerade heutzutage zu viel Treibstoff und Zeit – und somit auch bares Geld. Die Idee, Schleswig-Holstein mit einem Kanal zu durchqueren und die Strecke so abzukürzen, existiert aber schon seit Jahrhunderten. 

 

Keine fixe Idee
Erste Kanal-Projekte reichen bis in das 7. Jahrhundert zurück, als die Handelsstädte Haithabu und später auch Lübeck ihre Macht durch günstigere Wasserstraßenanbindungen weiter festigen wollten. Dafür nutzte man hauptsächlich vorhandene Flussläufe, die für größere Schiffe kaum geeignet waren. Direkter Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals war der Eiderkanal, der im 18 Jahrhundert gebaut wurde. Er erstreckte sich von Kiel nach Rendsburg in die Eider, von dort bis zur Eidermündung in Tönning. Die Passage war wegen zahlreicher Schleusen und Windungen aber nicht besonders schnell. 

 

Kriegs-Entscheidung
1864 veranlasste der preußische Kanzler Otto von Bismarck zu Beginn des deutsch-dänischen Krieges Planungen für eine militärisch-strategische Verbindung zwischen Nord- und Ostsee. So sollten alle Schiffe schneller zwischen den Meeren verkehren können, ohne die in Kriegszeiten gefährliche dänische Küste zu passieren. Es dauerte aber 14 Jahre, bis ein Plan vorlag, der weitgehend der heutigen Streckenführung mit 99 Kilometern Länge von Kiel-Holtenau nach Brunsbüttel entsprach. Am 3. Juni 1887 erfolgte schließlich die Grundsteinlegung durch Wilhelm I. in Kiel.

  

Graben, graben, graben ...
Von bis zu 9000 Arbeitern wurden in acht Jahren Bauzeit circa 80 Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt, um den Kanal auf 67 Meter Breite und neun Meter Tiefe auszuheben - der Bau kostete circa 156 Millionen Goldmark. Am 21. Juni 1895 konnte Wilhelm II. die damals noch Kaiser-Wilhelm-Kanal genannte Wasserstraße eröffnen. Allerdings musste sie schon von 1907 bis 1914 für 242 Millionen Goldmark auf 102 Meter Breite und elf Meter Tiefe ausgebaut und die Schleusen vergrößert werden. Seit 1965 wird der Kanal erneut – diesmal für geschätzte 485 Millionen Euro – auf bis zu 162 Meter verbreitert. Ein Projekt, das noch auf seinen Abschluss wartet.

  

Über Kreuz
Was den Schiffsverkehr erleichterte, erschwerte den Landverkehr, denn Schleswig-Holstein war von nun an geteilt. Die Lösung waren acht Straßen und vier Eisenbahnlinien, die heute den Nord-Ostsee-Kanal auf insgesamt zehn Brücken überqueren. Dreizehn Fahrzeug- und eine Personenfähre ermöglichen den Transport auf dem Wasserweg, bei Rendsburg gibt es zusätzlich einen Straßen- und einen Fußgängertunnel. Die Nutzung sämtlicher Querungsmöglichkeiten ist übrigens per Gesetz seit dem ersten Tag kostenlos.

Viel schöner als eine Querung ist es aber, einmal selbst mit einem Schiff auf dem Kanal unterwegs zu sein und die Landschaft zu genießen.

flo

 

Tipp:
Reisen wie zu Kaisers Zeiten
Einmal wie die großen »Pötte« auf dem kaiserlichen Kanal unterwegs sein? Machen Sie doch mal eine Kanalfahrt, und mit etwas Glück begegnen Ihnen dort einige der ganz großen Passagier- oder Frachtschiffe. 

Die Reederei Adler Schiffe bietet regelmäßige Kanalfahrten ab Kiel: Der historische Raddampfer »Freya« und die moderne »Adler Princess« sind für Sie auf dem Kanal unterwegs. Fahren Sie entweder zwischen Kiel und Rendsburg oder die große Tour entlang des gesamten Nord-Ostsee-Kanals bis Brunsbüttel. Damit auf diesen Fahrten auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, bieten die Bordrestaurants eine große Auswahl an Leckerbissen. Zu den Highlights gehören zum Beispiel üppige Brunchbuffets. Buchungen und weitere Infos unter www.raddampfer-freya.de und unter www.adler-princess.de sowie telefonisch unter (04651) 9 87 00. 

coop-Mitglieder fahren besonders günstig. Die Reederei Adler Schiffe bietet spezielle Themen-Fahrten für coop-Mitglieder zum Sonderpreis sowie bis zu 50 % Rabatt auf die regulären Fahrten. Mehr dazu in unserer Mitgliederbroschüre »coop info«.

Die prächtigen Luxusliner, die immer wieder den Kanal passieren, locken regelmäßig zahlreiche »Seh-Leute« an die Ufer.
Fotos:
Touristische Arbeitsgemeinschaft NOK (4)
Adler Schiffe (1)