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Lust auf Kloppen?
Skat ist Trumpf
Die Gesellschaft verroht, und das nicht erst seit gestern. Selbst auf Ebenen, von denen wir uns Friede, Freude, Eierkuchen erhofft hatten, werden wir täglich aufs Neue herausgefordert. Auch wenn sie sich manchmal unterschwellig anschleicht, so ist die Gewalt doch stets präsent. Da schlägt es einem aus Texten ins Gesicht, wird man allerorts wegen eines Euros angehauen, und unbescholtene Bürger werden reihenweise über den Tisch gezogen. Wir sind auf dem besten Wege zurück in eine „Wildwest-Idylle“. Bezeichnend, dass selbst an einem Zufluchtsort wie der Spielwelt ein rauer Ton herrscht.
Oder wie würden Sie jemanden einschätzen, der mit Ihnen zu kloppen, Sie zu reizen oder gar zu stechen beabsichtigt? Sicher nicht als einen, der einfach nur spielen will. Ganz so gefährlich, wie Skat jetzt klingt, ist es dann aber doch nicht.
Und die in sorgfältiger Vorbereitung auf den nächsten Spieleabend ausgeliehenen Rambo-Filme dürfen Sie getrost für ein späteres Überlebenstraining aufsparen.
Thüringen hat gute Karten
Zur Historie von Skat ist zu sagen, dass sich zwei miteinander konkurrierende Geschichten den Rang streitig machen. Beiden gemein ist, dass das Kartenspiel offiziell erstmalig im thüringischen Altenburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts auftauchte. Doch während die Thüringer sich als stolze Erfinder des Kartenspiels sehen, erheben die Saarländer Einspruch und fragen wie das schweizer Ricola-Männchen aus der Werbung: „Wer hats erfunden?“
Der thüringischen These zufolge entwickelte der Advokat Friedrich Ferdinand Hempel 1817 das Skat-Spiel. Dabei ging das Kartenspiel aus den vorher populären Spielen Tarock und Schafskopf hervor. Zwar fand die Bezeichnung „Scat“ in einem Notizbuch schon um 1813 Erwähnung, allerdings war dies im Tarock ein feststehender Begriff für einen Restkartenstapel.
Das steht auf einem anderen Blatt geschrieben
Räumlich und zeitlich etwas weiter hergeholt ist dagegen die saarländische Theorie. Um 1550 ernannte Graf Otto I. von Nassau die „Obersten Viere“ der Stadt Ottweiler. Jene waren zuständig für die Gerichtsbarkeit und die Verwaltung. Die braven Ottweiler indes gaben wenig Anlass zur Arbeit, und so ersonnen besagte Viere ein Kartenspiel, welches sie jeden Abend mit den Worten „Spielet Karten aus Tradition“ einleiteten. Wobei drei Mann spielten, und einer sich um die Amtsgeschäfte kümmerte.
Die Jahrhunderte verstrichen, das Spiel geriet in Vergessenheit. Bis ein saarländischer Kutscher aus Thüringen – Zufälle gibts – auf einige Aufzeichnungen und einen Satz vergilbter Spielkarten stieß. Doch erst in seiner Heimatstadt Altenburg konnte er diese an den Mann bringen. Um zwei Schweinsköpfe reicher machte er sich auf den Weg in die Wahlheimat, um dort von seinem Tauschgeschäft zu berichten. Noch heute soll der Altenburger Skatbrunnen mit seinen zwei Schweinsköpfen an jenen Kuh-, pardon, Schweinshandel erinnern.
Vorausgesetzt, es wird ein französisches Blatt (Karo, Herz, Pik, Kreuz) verwendet. Die Deutschen haben kein Herz, jedenfalls nicht, wenn es nach ihrem Blatt geht (Eichel, Grün, Rot, Schellen). Und wo schon die Herzdame keinen Platz hat, haben die anderen natürlich einen noch schwereren Stand. Die „Ober“ ersetzen die Damen, die „Unter“ die Buben und aus den Assen werden „Daus“. In Ost-, Mittel- und Süddeutschland wird vornehmlich mit deutschem Blatt gespielt, in Norddeutschland hingegen zieht man das französische vor.
Der Spielablauf ist allerorts gleich. Gespielt wird mit drei Spielern. Wahlweise mit vier, von denen einer jede Spielrunde pausiert. Jeder Teilnehmer erhält 10 Karten, 2 Karten kommen verdeckt auf den Tisch und bilden den Skat. Die Karten haben einen bestimmten Punktwert, insgesamt zählt ein Deck bzw. Stapel 120 Punkte.
Fein aus dem Schneider
Nach Verteilung der Karten reizen die Spieler. Das heißt, sie versuchen das Spiel auktionsartig an sich zu reißen. Ein einfaches Karo-Blatt bspw. ist 18 Punkte wert. Spielt man mit zweien (mit den großen Buben) oder ohne zweien (mit den kleinen Buben) erhöht sich der Wert auf 27 Punkte. Gleiche Steigerung gilt bei den anderen Trumpffarben. Der „Höchstbietende“ erhält den Zuschlag.
Sein Ziel ist es, die beiden Kontrahenten im Spiel unter 60 Punkten zu halten. Außer im Falle des Null-Spiels, in dem der Solist nicht einen Stich holen darf. Ist er sich seines Sieges sicher, schiebt er den Skat beiseite und spielt auf Hand. Ist er sich seiner Sache besonders sicher, spielt er ein Ouvert (frz. offen), und legt seine Karten nach dem ersten Stich für alle sichtbar aus. Durch ein vorher angekündigtes Schneider-
(Gegenspieler erzielen keine 30 Punkte) und/oder Schwarz-Spiel (Gegenspieler sehen keinen Stich) widerfährt dem Blatt eine weitere Wertsteigerung.
Das vollständige Regelwerk
können Sie auf den Seiten des Deutschen Skatverbands www.dskv.de (Unterpunkt Skatgericht > Internat. Skatordnung) einsehen.
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