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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Leicht überdreht

»Die Haifischbar - Folge 2« im Hamburger Engelsaal.

Haifischbar«, das klingt ein bisschen verrucht, ein wenig altmodisch und sehr, sehr gemütlich. In den Urzeiten des deutschen Fernsehens gab es unter diesem Namen eine über viele Jahre beliebte Unterhaltungssendung, um genau zu sein von 1962 bis 1979.

Wie in einer typischen Hamburger Hafenkneipe sah es dort aus, und das kam nicht von ungefähr. Unter der Leitung von »Gastwirtehepaar« Hilde Sicks und Ernst Grabbe sowie dem »Kellner« Günter Lüdke trafen sich dort viele Gäste und Größen, wie zum Beispiel Heidi Kabel und Henry Vahl, Lale Andersen, Ralf Bendix und Freddy Quinn.

Die Legende lebt
Ein Treffpunkt der verschiedensten Menschen war und ist bis heute auch die wirkliche »Haifischbar« an der Großen Elbstraße in Hamburg, die Pate stand für die Fernsehshow.
Im nostalgisch-maritimen Flair ist die Zeit ein wenig stehen geblieben, und genau das suchen die Gäste dort auch: dem Trubel der Großstadt und der Hektik des Alltags für einige Stunden zu entfliehen und ganz einfach Mensch zu sein – gern auch mal ein bisschen derb und schenkelklopfend. Nur keine falsche Scheu, schließlich trägt auch der Haifisch seine Zähne mitten im Gesicht!

Der Hamburger Engelsaal, das älteste Privattheater der Hansestadt, widmet der »Haifischbar« eine eigene Show. Mehr als 100 Vorstellungen vor begeistertem Publikum zeugten kürzlich vom richtigen Riecher der Theatermacher. Auf vielfachen Wunsch der Zuschauer startete im Juli die Folge 2 unter dem Motto »Die Legende lebt«. Und wer weiß, vielleicht hält sich die Show auf der Bühne ja genauso lange und mit genauso vielen Folgen wie einst die Sendung im Fernsehen?

Wie schon im ersten Teil warten auf das Publikum auch dieses Mal wieder mitreißende Geschichten aus Hamburg und der ganzen Welt, skurrile Gäste und ein unterhaltsamer Abend voller Seefahrerromantik mit maritimen Melodien und packenden Shantys.

Auch an der »Haifischbar« geht die Wirtschaftskrise nicht spurlos vorbei. Wirtin Frieda (Sabine Nolde) ist vom Rausschmiss bedroht, denn die Miete ist bedrohlich in Rückstand geraten. Das können die Stammkunden nicht einfach so hinnehmen, und so kommt die Stunde für Seebär Johnny (Holger Nowak) und Möchtegern-Matrose Fiete (Philip Lüsebrink). Lässt sich der Abbruch der Kneipe noch verhindern? Mit viel Köm und Schlager-Evergreens wird eine Rettung ersonnen.

Zeitreise
Die Geschichte des Engelsaals reicht rund 200 Jahre zurück. Die legendäre Witwe Hantje, Wirtin des damaligen Ausflugslokals »Hotel de Rome« am Valentinskamp, gewann 1809 einen Prozess gegen den Senat und konnte ihr »Theater im Engelsaal« eröffnen.

In dem heute unter Denkmalschutz stehenden Theater wurden seitdem vorwiegend Hamburger Volksstücke und musikalische Possen gespielt. 1920 wurde der Engelsaal geschlossen und anders genutzt. Erst 1997 ließen private Investoren das Gebäude sanieren und als Kulturraum herrichten. Seit 2005 ist der Engelsaal auf Initiative von Karl-Heinz Wellerdiek nach 85 Jahren Pause wieder ein echtes Theater.

Zum täglich wechselnden Programm gehören vielfältige Operetten und Revuen aus der großen weiten Welt der »leichten Muse«.

Einige der aktuellen Produktionen sind der amüsante, schwedische Liederabend »Einmal so wie ABBA sein«, die Franz-Lehár-Melodien-Revue »Ein Prosit der lustigen Witwe« und die Operette von Johann Strauß »Die Fledermaus«. Weitere Höhepunkte der musikalischen Zeitreise des Engelsaals sind die Filmoperette »Die Drei von der Tankstelle«, Fred Raymonds Operette »Maske in Blau« oder auch »Komm ein bisschen mit nach Italien«, eine Schlagerrevue der goldenen 50er-Jahre. Alle Infos zu den kultverdächtigen Produktionen finden Sie im Internet unter www.engelsaal.dejp

Zu einer Hafenkneipe gehören richtige Seemannslieder. Der Kapitän singt im kräftigen Seefahrer-Bass.
Fotos: Hamburger Engelsaal (2)