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Klarer Fall von Start-Ziel-Sieg
Spiele: „Mensch ärgere Dich nicht“ und „Malefiz“
Menschen brauchen ein klares Ziel vor Augen, auf das sie hinarbeiten können. Diesen Grundsatz machen sich auch die im Folgenden vorgestellten Brettspiele „Mensch ärgere Dich nicht“ und „Malefiz“ zunutze.
Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, heißt es. Das muss sich wohl auch Josef Friedrich Schmidt, Angestellter aus einfachem Hause, gedacht haben, als er in den Jahren des Ersten Weltkrieges in einer Geste aus Großzügigkeit und Geschäftstüchtigkeit den deutschen Lazaretten ein doch recht ungewöhnliches Geschenk machte. 3000 Exemplare seines in Eigenregie produzierten Brettspiels ließ er ihnen als Teil der sogenannten „Liebesgaben“ zukommen.
Eigentlich sollte man denken, die Aufforderung „Mensch ärgere Dich nicht“ würde an einem solchen Ort auf taube Ohren stoßen. Die Erwähnung in Feldpostbriefen aber bestätigt, dass das Spiel den Frontsoldaten eine willkommene Abwechslung bot. Dabei musste das Spiel einige Zeit auf den ihm beschiedenen Erfolg warten. Entwickelt hatte der findige Familienvater den Klassiker des Start-Ziel-Spiels um 1907 für seine drei Kinder. Basierend auf dem englischen „Ludo“ und „Eile mit Weile“ schuf er ein Spiel, das ohne strategische Tiefe oder taktische Kniffe auskommt, dafür aber mit einer kurzweiligen, da simplen Würfelorgie aufwartet.
Ein echter Renner
Bereits kurz nach Ende des Krieges hatte sich das Spiel rund eine Million Mal verkauft. Und mit dem Erfolg stand dann auch der erste Ärger ins Haus. Denn während sich Name und Layout des Spiels schützen ließen, blieb die Spielidee selbst „Freiwild“. Und so wurden einige Plagiate auf den Markt geworfen, wie zum Beispiel „Der Mann muss hinaus“ oder „Mensch, verdrück dich“, die auf dem Trittbrett dieses Erfolges mitzufahren versuchten. Allerdings ohne allzu große Fortune! Bis dato wurde das Original aus dem Hause Schmidt (heute Teil der Blatz-Gruppe) knapp 70 Millionen Mal an den oder die Spieler gebracht, während die Nachahmertitel in der Versenkung verschwanden.
Das Spiel könnte vom Prinzip her einfacher nicht sein. Jeder Teilnehmer hofft auf das Würfelglück, mit dem er seine vier bis sechs in der Regel hölzernen Spielfiguren, auch Pöppel genannt, als Erstes auf die eigenen Zielfelder ziehen kann. Kein ungefährlicher Weg für die Läufer, wie sich herausstellt! Bei ihrem Weg um das Feld erwartet sie ein Spießrutenlauf. Wer eine gegnerische Spielfigur schlagen kann, also auf dem Feld dieser Figur zum Stehen kommt, muss dies tun und katapultiert den Spielstein somit zum Anfang zurück. Wer sich dem nobel verweigert oder es übersieht, wird selbst zum Ausgangspunkt der Reise zurückgeschickt.
Jeden Tag eine schlechte Tat
Nein, etwas Böses hat er wirklich nicht getan. Im Gegenteil, den Spiel-Verrückten weltweit hat Werner Schöppner mit seinem Werk „Malefiz“ seit 1959 sicher viel Freude bereitet, doch wenn es nach ihm gegangen wäre, so hieße sein Spiel heute „Sperrenknacker“ oder „Die roten Stopper“. Wieso es dann aber doch zu diesem „maleficium“ gekommen ist, was auf Lateinisch wortwörtlich für die „schlechte Tat“ steht, darüber lässt sich nur spekulieren. Angeblich hat sich während einer geselligen Testspielrunde die Ehefrau des Verlegers Otto Maier zu dem Ausruf „Du bist ein echter Malefiz!“ hinreißen lassen.
„Malefiz“ ist eine Abwandlung des „Mensch ärgere Dich nicht“-Spiels, in dem die Mitspieler von ihren insgesamt fünf Pöppeln für den Sieg nur einen ins Ziel bringen müssen. Dafür werden jetzt nicht nur die Mitspieler geschlagen, sondern auch im Weg liegende Steine, die dann taktisch umpositioniert werden können, so dass sie entweder die eigenen Spielfiguren schützen oder den Gegner blockieren.
„Malefiz“ besticht durch seine Detailtreue. Die vier Protagonisten des Spiels sind in ihrem Design bis heute unverändert. Es gibt den Revolverhelden, die verführerische Dame im Trägerkleid, das zugeknöpfte Mauerblümchen und den weisen, alten Mann. Ich kann mich noch gut erinnern, das Spiel seinerzeit nicht um des Spieles willen auf den Tisch gebracht zu haben, sondern weil die „Lady in Green“ meine allererste Herzdame war.
Und was lernen wir daraus? Dass das Leben spielend leicht sein kann. Einfach nicht ärgern, jeden Tag eine schlechte Tat begehen und fertig.
ath






