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Junge Triebe
Frank Wedekinds Klassiker »Frühlings Erwachen« als Rock-Musical in Wien
An der Schwelle zum Erwachsensein geschehen viele Dinge. »Geschehen« ist dabei getrost wörtlich zu nehmen: Einschneidende Veränderungen brechen über die Jugendlichen herein, ohne dass sie selbst die Kontrolle darüber haben. Der Körper erfindet sich geradezu neu, und auch in der Seele bleibt kein Stein auf dem anderen. Und plötzlich ist sie da: die Lust.
Der Dramatiker Frank Wedekind beschrieb vor etwas mehr als 100 Jahren in seinem Theaterstück »Frühlings Erwachen« die Brisanz dieser Lebensphase. Darin stießen die aufwallenden Gefühle der Jugendlichen auf eine sittenstrenge und lustfeindliche Gesellschaft, die mit aller Macht die Jugend im Zaum halten wollte. Hoffnungslos, da eine gewaltsame Unterdrückung der natürlichen Bedürfnisse allenfalls zu Schäden in der Seele führt, nicht aber zum gewünschten moralischen Leben.
Spielbälle
Da ist zum Beispiel Wendla Bergmann. Sie wird zum zweiten Mal Tante, aber niemand will ihr erklären, wo die Kinder wirklich herkommen. Ihre Mutter meint nur, die Frau müsse ihren Mann von ganzem Herzen lieben. Wendla ist in ihrer Unwissenheit nicht allein, auch die anderen Mädchen beklagen sich, dass man ihnen nichts erzählen will. Auch Moritz Stiefel und Melchior Gabor fällt es nicht leicht, über Sex zu reden, obwohl beide sexuelle Fantasien haben. Melchior ist seinem Freund in dieser Sache voraus, hat er doch einige Bücher zum Thema gelesen. Da Moritz das Ganze zu peinlich ist, will Melchior ihm Abbildungen und Texte in die Hand geben, die dieser dann in aller Ruhe studieren kann.
Im Gespräch mehrerer Schüler stellt sich heraus, dass viele von ihnen zuhause Gewalt erfahren. Wendla ist zugleich abgestoßen und angezogen von der Vorstellung. Als sie Melchior alleine im Wald trifft, fordert sie ihn auf, sie zu schlagen, damit sie weiß, wie sich ihre Freundinnen fühlen. Nach anfänglichem Widerwillen lässt sich Melchior darauf ein, verliert jedoch die Selbstkontrolle. Angewidert von sich selbst rennt er fort. Einige Tage später entschuldigen sich beide für ihr Verhalten, kommen sich näher und haben schließlich ihren ersten Sex.
In der Zwischenzeit hat Moritz ganz andere Sorgen. Er ist durch die Abschlussprüfung gefallen und wird vom ehrgeizigen Vater aus dem Haus geworfen. Verzweifelt läuft er durch die Stadt, wo er auf die streunende Ilse trifft. Obwohl sie um seine Zuneigung wirbt, lässt er sie wieder ziehen. Einsamer als zuvor setzt er seinem Leben mit der Pistole seines Vaters ein Ende. Die Schuld für Moritz’ Tod wird jedoch nicht dem strengen Vater gegeben, sondern Melchior, dessen erotische Aufzeichnungen bei Moritz gefunden werden.
Unterdessen stellt sich heraus, dass Wendla schwanger ist. Sie ist schockiert und erkennt, dass es nur deshalb passiert ist, weil ihre Mutter sie nicht rechtzeitig aufgeklärt hat. Diese jedoch weist jede Schuld von sich und macht ihr große Vorwürfe. Melchior, der der Vater sein muss, wird von seinen Eltern an eine andere Schule versetzt – ohne den wahren Grund zu erfahren. Wendla indes wird von ihrer Mutter zur Abtreibung genötigt.
Zeitlos
Auch wenn unsere Gesellschaft seit der Entstehung des Dramas viel liberaler geworden ist, ist die Thematik des Stückes bis heute brisant. Denn auch heute werden die besonderen Bedürfnisse vieler Jugendlicher von den Erwachsenen ignoriert. Der erfolgreiche Broadway-Autor Steven Sater hat gemeinsam mit Komponist Duncan Sheik aus dem Theaterklassiker ein modernes Rock-Musical geschaffen, das klar, unverschnörkelt und ohne Romantisierung die erste Liebe und das erste Begehren darstellt.
Die Uraufführung von »Spring Awakening« fand 2006 in New York statt und wurde dort mit Preisen überhäuft. Die internationale Presse bezeichnete es als das »beste junge Musical, das es seit Generationen gab«. Die deutschsprachige Erstaufführung in der Broadway-Originalinszenierung fand im März 2009 im Ronacher Theater in Wien statt.
jp
Information:
»Frühlings Erwachen« erleben Sie noch bis Ende Mai 2009 im Ronacher Theater in Wien.
Tickets für die Show bestellen Sie telefonisch unter 0043-1-5 58 85 oder im Internet unter www.musicalvienna.at







