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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Hier lässt man die Puppen tanzen

Figurentheater-Tage Kappeln

Kappeln hat in diesem Jahr doppelt Grund zur Freude. Zum einen feiert die schleswig-holsteinische Stadt an der Schlei ihr 650-jähriges Bestehen, zum anderen gehen die gemeinsam mit den Ortschaften Winnemark und Grödersby ausgerichteten Figurentheater-Tage in
die 20. Runde.

Vom 8. bis zum 16. März werden hier die Puppen lebendig und erfreuen Jung und Alt. Wie schon in der Vergangenheit hat man wieder bekannte Bühnen aus ganz Deutschland für das Projekt gewinnen können. Gleich sieben Puppenspiel-Ensembles bieten insgesamt 16 Stücke dar.

Dabei zeigt sich das in wahrer „Handarbeit“ entstehende Schauspiel mitunter auch von seiner erwachsenen Seite – und ist damit für das reifere Publikum nicht weniger ansprechend. Welch vielfältige Möglichkeiten und welch ausdrucksstarkes Spiel selbst hölzernen Figuren innewohnen, stellen die Künstler eindrucksvoll unter Beweis. Davon dürfen sich Erwachsene für je 4 Euro und Kinder für je 3 Euro pro Vorstellung überzeugen. Und einige davon stellen wir Ihnen vor.

„Der Besuch der alten Dame“
Gleich zum Auftakt räumt der Klassiker nach Dürrenmatt mit dem Mythos auf, dass es sich beim Figurentheater stets um „Kinderkram“ handele. „Der Besuch der alten Dame“ jedenfalls stellt das verschlafene Nest Güllen gewaltig auf den Kopf. Was dem Titel nach Kaffeeklatsch und Kuchen verspricht, ist weit weniger vergnüglich, als es den Anschein hat. Denn die mittlerweile zu unermesslichem Reichtum gekommene Dame hat noch eine alte Rechnung zu begleichen.

Sie will sich an dem Mann rächen, der sie vor 45 Jahren unter schäbigen Umständen hat sitzen lassen. Dazu unterbreitet sie der Dorfgemeinschaft ein unmoralisches Angebot: Für die stattliche Summe von einer Milliarde sollen die Einwohner ihren einstigen Gemahl töten. Geradezu entrüstet lehnt die aufgebrachte Dorfgemeinschaft ab, doch merkwürdigerweise beginnen die Dörfler auf einmal über ihre Verhältnisse zu leben. Menschliche Schwächen sowie der Verfall von Moral und Anstand werden durch die Puppen besonders gut pointiert. Sie stellen das Unmenschliche in den Vordergrund. Gespielt wird die Tragikomödie von Harald und Johanna Sperlich, deren Familie auf eine gut 150-jährige Geschichte im Figurentheater zurückblickt.

„Der kleine Vampir“
Dass sich nicht alles auf Schwarz oder Weiß, Yin oder Yang und Gut oder Böse reduzieren lässt, sondern es auch einige Stufen dazwischen gibt, zeigt die Geschichte vom kleinen Vampir Rüdiger nach der Kinderbuchvorlage von Angela Sommer-Bodenburg.
Dieser transsylvanische Abkömmling unterscheidet sich von anderen Vertretern seiner Zunft dadurch, dass er so gar nicht blutrünstig und gefährlich, stattdessen eher freundlich und hilfsbereit ist. Und so freundet er sich auch mit dem Normalsterblichen Anton an, einem Jungen mit einem Faible für grausige Schauermärchen.

Gemeinsam erleben die beiden jede Menge Abenteuer. Auf der einen Seite kennt Friedhofswärter Geiermeier bei seiner geradezu besessenen Jagd auf die Blutsauger weder Freund noch Feind, und zum anderen wäre da noch Rüdigers immerzu hungrige Tante Dorothee, die Anton nur allzu gern „auf einen Drink“ einladen würde. Doch helfen sich die Freunde immer wieder beherzt auch aus dem schlimmsten Schlamassel heraus.

„Wer hat den Atlantik geklaut?“
Dieses Stück ist ein Fall für junge Spürnasen. Mutter Froschpott betreibt im Amerika der 30er-Jahre einen Kiosk am Atlantik, aber ein Wirtschaftsgigant hat es auf ihre kleine Bude abgesehen. An dieser Stelle soll ein Luxushotel mit allem Drum und Dran entstehen. Doch Mutter Froschpott wehrt sich gegen den Verkauf, schließlich laufen die Geschäfte gut. Bis eines Morgens der „große Teich“ futsch ist. Weg, einfach gestohlen – und mit ihm bleibt auch die Kundschaft aus. Wer steckt dahinter und wer bringt so etwas fertig? Frustriert schließt sie den Kiosk und schickt ihre Kinder aufs Land. Die stoßen dabei auf eine Spur, die Licht ins Dunkel dieser rätselhaften Geschichte bringt. Welche Rolle dabei ein Bonbonglas spielt, wird an dieser Stelle aber nicht verraten.

„Das Glückskind oder Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“
Zu welch wenig zimperlichen Methoden so mancher Vater greift, wenn er mit dem Schwiegersohn in spe nicht einverstanden ist, erzählt das Märchen vom „Glückskind“ nach einer Überlieferung der Brüder Grimm. In diesem Fall ist es ein König, der mit dem für seine Tochter prophezeiten Prinzen überhaupt nicht einverstanden ist. Immer wieder gelingt es dem Glückskind allerdings, den üblen Machenschaften des Königs zu entgehen, doch ein Prüfstein steht dem Jüngling noch bevor. Um sich als würdig zu erweisen, schickt ihn der Monarch wortwörtlich zum Teufel – mit dem Auftrag, dessen drei goldene Haare zu beschaffen … Der Besucher hat es da schon leichter, ihn erwartet ein himmlisches Vergnügen.

Zur Geschichte des Figurentheaters
Die genauen Anfänge des Puppenspiels lassen sich nicht festzurren. Als Ursprungsland des Handpuppenspiels gilt Persien, während Marionetten bereits dem alten Griechenland und seinen großen Denkern Aristoteles und Platon in Erinnerung blieben. Die erste bekannte Darstellung des Puppenspiels stammt aus der Zeit um das Jahr 1160. Im 19. Jahrhundert kam es zu einer Romantisierung des Figurentheaters. Nunmehr sprach es vornehmlich Kinder an. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges belebte eine neue Avantgarde die Szene mit experimentellen Stücken, die mit neuen Figurenarten und der Verbindung verschiedenster Bühnenformen aufwarteten.

Figurentheater-Tage Kappeln
Kartenvorbestellungen und Infos
Telefon: (0 46 42) 40 27
www.kappeln.de

ath

Foto: Stadt Kappeln