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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Freche Sprüche mit Ketchup und Mayo

Musical: „Heiße Ecke“

Leute auf dem Kiez: „Heiße Ecke – Das St. Pauli Musical“

Klotzen statt kleckern“ ist das Motto vieler Filme aus der Traumfabrik Hollywood. Auch bei Musicals gilt es oft, dick aufzutragen. Und so überbieten sich manche Produktionen mit immer neuen Rekorden, um die Zuschauer anzulocken. Dabei geht es auch ganz anders, wie immer wieder kleine Stücke mit vergleichsweise bescheidenem Budget beweisen.

Ein solches Stück ist „Heiße Ecke – Das St. Pauli Musical“, das vor gut vier Jahren im Schmidts TIVOLI uraufgeführt wurde und seitdem mehr als eine halbe Million Zuschauer in den Bann gezogen hat. Das Besondere hier ist zugleich das Banale: nämlich das pralle Leben! Der Standort des Musicals ist zugleich Programm, denn wo sonst stoßen so viele unterschiedliche Lebensweisen und damit Geschichten aufeinander wie auf Hamburgs sündiger Meile?
Daran hat sich seit den guten alten Zeiten von Hans Albers nichts geändert, dem „blonden Hans von der Reeperbahn“ …

Flott und frech
Genau dies machten sich die Autoren und Produzenten des Musicals zunutze, als sie ihrem Stadtteil eine ganz besondere Liebeserklärung machten. Sie schauten schlicht und einfach genau hin und „sammelten auf“, was sich praktisch vor ihren Augen abspielte. Anschließend schufen sie daraus eine temporeiche Bühnenshow mit vielen liebevoll porträtierten Charakteren und 22 Songs in Ohrwurmqualität.

Seit September 2003 stehen nun allabendlich neun Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne, die in mehr als fünfzig Rollen und Kostüme schlüpfen und den Zuschauern die Tränen in die Augen treiben. Mal sind es Tränen der Rührung, mal Lachtränen. Der Kitsch hat hier ebenso seinen Platz wie deftige Sprüche und süßer Charme. Über eintausend Vorstellungen gab es bereits, und ein Ende ist bislang nicht in Sicht.

Auf der Reeperbahn …
Das Musical lässt uns teilhaben an 24 Stunden eines ganz gewöhnlichen Tages im Imbiss „Heiße Ecke“ auf der Reeperbahn. Kurz vor acht Uhr abends beginnt Margot dort mit ihrer Spätschicht, und schon kommen ihre ersten Kunden: Günter und Gattin Lotte auf dem Weg ins Musical, der Schnorrer Kurti und Lisa, die auf ihren Freund Sven wartet.

Auch die drei Pinneberger Jungs Mikie, Pitter und Frankie kommen vorbei und fühlen sich wie die Könige der Nacht, als sie Mikies Junggesellenabschied feiern. Jeder der Gäste hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Träume, Sehnsüchte und Wünsche. Doch nicht immer läuft alles so wie erhofft. Ganz im Gegenteil, denn im Laufe der Nacht kommt es zu zahlreichen Verwicklungen und Komplikationen.

Doch auch, wenn mancher Traum an diesem Abend wie eine Seifenblase zerplatzt, geht das Leben weiter und wartet mit immer neuen Überraschungen auf. Und auch die Kundschaft wechselt im Laufe der 24 Stunden, genau wie die Bedienung im Imbiss. Immer wieder geht es um die Liebe in all ihren Schattierungen und – schließlich sind wir auf der Reeperbahn – natürlich auch um Sex. Und darum gehören dort die Prostituierten Nadja, Sylvie, Martina und Natascha ebenso zum Bild wie der Transvestit Gloria, der von seinem Liebhaber Goran aus Rumänien schwärmt.

Kaviar oder Currywurst?
Das Musical ist wie eine gute Currywurst: deftig und unheimlich lecker. Manche Feinschmecker rümpfen sicher die Nase und suchen sich feinere Leckerbissen, doch alle anderen werden genussvoll zubeißen und sich prächtig unterhalten. Und vielleicht kommt Ihnen ja die eine oder andere Geschichte bekannt vor? Schließlich hat auch jeder von uns seine ganz persönlichen Träume und Schäume, Irrungen und Wirrungen, Lieben und Leiden, die sicher auch manches Musical füllen würden.

jp

„Heiße Ecke“
im Schmidts TIVOLI Spielbudenplatz 27–28,
20359 Hamburg
Karten gibt es bei der Hotline
(040) 31 77 88 99
und unter www.tivoli.de

Fotos: Stephan Pflug/Schmidts Tivoli (3)